Scanner und mentale Gesundheit
Mentale Gesundheit ist gerade für Scanner ein wichtiges Thema, denn Hand aufs Herz: Wer von uns hat noch nie unter heftigen Selbstzweifeln gelitten, alles in Frage gestellt, nächtelang bis zur Erschöpfung gegrübelt oder sogar bis zur depressiven Verstimmung?
In diesem Artikel möchte ich dir zeigen, wieso gerade du als Scanner besonders anfällig für Stress, Selbstzweifel oder Überforderung bist und wie du gegensteuern kannst. Weil ich nur zu gut weiß, dass unsere Vielseitigkeit zwar einerseits unsere wahre »Super-Power« ist. Weil sie andererseits aber auch einige Herausforderungen bereithält, die sich zum Glück bewältigen lassen – wenn du weißt, worauf du achten musst.
Sensibel oder hochsensibel?
Hast du dich manchmal schon gefragt, ob du vielleicht hochsensibel bist?
Ich bin davon überzeugt, dass Scanner grundsätzlich eher sensible Menschen mit einer feinen Wahrnehmung sind. Das führt häufig dazu, dass sie sich immer wieder selbst hinterfragen, was absolut für sie spricht, wie ich finde. Die Fähigkeit zur Selbstreflexion ist aus meiner Sicht eine zentrale Kompetenz, die sowohl privat als auch beruflich enorm wertvoll ist.
Der Unterschied zwischen sensiblen Scanner-Persönlichkeiten und Hochsensiblen hat weniger mit der Intensität ihres Fühlens zu tun, sondern vielmehr mit der Ursache und Ausprägung ihrer Wahrnehmung:
- Hochsensible Menschen verfügen nach dem heutigen Stand der Forschung, über eine biologisch bedingte höhere Reizempfindlichkeit. Ihr Nervensystem verarbeitet äußere Reize gründlicher und intensiver, also Geräusche, Gerüche, Licht und auch die Emotionen anderer Menschen.
Diese Reizoffenheit ist angeboren und wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus. Hochsensible nehmen feine Zwischentöne wahr, bemerken Spannungen im Raum, Veränderungen in der Stimmung oder kleinste Details, die anderen entgehen. Sie brauchen daher häufiger Rückzug und Reizreduktion, um sich zu regenerieren.
- Scanner dagegen sind nicht unbedingt hochsensibel, auch wenn sie sich oft als besonders empfindsam erleben. Ihre Sensibilität entspringt meist weniger einer physiologischen Reizverarbeitung als einer kognitiven und emotionalen Offenheit in alle Richtungen.
Sie reagieren also gar nicht so sehr auf mehr Reize im Sinne von Überflutung durch Sinneseindrücke. Sondern sie springen auf ganz vielfältige Themen, Ideen, Möglichkeiten an. Ihre Gedanken arbeiten assoziativ, sie können Informationen sehr schnell verknüpfen und in verschiedene Welten parallel eintauchen. Die Reizüberlastung entsteht also oft im Kopf, nämlich dann, wenn du gefühlt zu viele »geistige Tabs« gleichzeitig geöffnet hast.
Natürlich gibt es Überschneidungen: Manche Scanner sind auch hochsensibel. Dann können sich die Dynamiken noch verstärken. Du merkst das vielleicht daran, dass du sowohl schnell begeistert als auch leicht überreizt bist.
Umgang mit Reizen und typische Antreiber
Als sensible Scanner-Persönlichkeit hast du also oft mit der Herausforderung zu kämpfen, die Überfülle an Reizen einzudämmen und deine 1.000 Ideen irgendwie zu kanalisieren. Bewusst zu entscheiden, interessanten Impulsen nicht zu folgen (und was ist für uns nicht interessant???), finden die meisten Scanner oft sehr schwer. Vielleicht kennst du ja auch den Begriff FOMO, also Fear of Missing Out, die Angst, etwas zu verpassen. Das kann für viel innere Unruhe sorgen, und das wiederum macht Stress.
Zusätzlich haben wir oft den Anspruch, alles richtig zu machen, Dinge in der Tiefe verstehen zu wollen – und wir scheitern so häufig daran, weil wir uns dann doch wieder vom nächsten »shiny object« ablenken lassen. Das ist dann Perfektionismus, der sich in Aufschieberitis (Prokrastination) äußern kann, wenn du also Dinge nie wirklich zu Ende zu bringst oder das nur unter massivem Druck schaffst. Die Deadline-Junkies unter uns kennen das wahrscheinlich.
Andererseits leiden viele Scanner darunter, sich bis zur Erschöpfung zu verausgaben, um ihre Ergebnisse auf mehr als 100 Prozent zu bringen. Vielleicht ist dir das Hochstapler-Syndrom (auch: Impostor-Syndrom) schon mal begegnet? Dass du insgeheim denkst, irgendwann kommen alle dahinter, dass du eigentlich gar nichts kannst und dann bricht alles zusammen?
Oft zeigen sich solche Gedanken und Gefühle in typischen »Antreiber«-Sätzen:
- Das geht noch besser!
- Ich muss das alles (allein) schaffen!
- Ich könnte was verpassen.
- …
Was also tun?
Wenn dein Kopf dein Lieblingswerkzeug ist
Sehr oft höre ich von meinen Coachees die Frage: Wie komme ich raus aus dem Kopf? In der Regel wissen sie längst, dass es ihnen helfen kann, ihre Gefühle und ihre Intuition wieder stärker ans Steuer zu lassen und vor allem auf ihren Körper zu hören.
Aber wahrscheinlich ist dein Kopf auch dein Lieblingswerkzeug, vielleicht sogar dein sicherster Ort. Denn Scanner denken schnell, erfassen komplexe Zusammenhänge und können assoziativ Verbindungen herstellen. Sie begreifen die Welt über Konzepte, Ideen, Muster – und das fühlt sich für sie lebendig, aber eben auch kontrollierbar an.
Emotionen, Körperempfindungen oder ihre Intuition können sie jedoch oft nicht so gut einschätzen. Sie haben dann das Gefühl, sie bremsen sich selbst aus.
Aber gerade deine kognitive Stärke kann eine Falle sein. Denn wenn wir immer alles durchdenken, statt zu spüren, wann wir müde sind oder was uns jetzt guttun könnte, verlieren wir den Zugang zu den körperlichen Signalen, die uns darauf aufmerksam machen, was jetzt dran wäre.
Scanner bleiben also leicht im Denken hängen, weil es ihr natürlicher Modus ist und sich das lange bewährt hat.
Impulse für mehr Selbstwahrnehmung im Alltag
Der Weg zu mehr innerer Ruhe führt meist nicht über weniger Denken, sondern über das bewusste Einbeziehen deines Körper und deiner Wahrnehmung: durch Bewegung, Atmung, Schreiben, Sinneserfahrungen. Und nein, du musst deinen Kopf dafür nicht abschalten, du erweiterst nur dein Spektrum.
Die folgenden kleinen Rituale können dir dabei helfen, dich selbst besser zu spüren, und sie sind ganz einfach und ohne großen Aufwand durchzuführen:
1. Mini-Check-in für zwischendurch
Nimm dir morgens oder mitten am Tag zwei Minuten Zeit, um bei dir anzukommen. Schließe kurz die Augen und stell dir drei einfache Fragen:
- Wie fühlt sich mein Körper gerade an?
- Was beschäftigt meinen Kopf?
- Was brauche ich jetzt, um gut weiterzumachen?
Du kannst deine Antworten stichpunktartig notieren. Es geht nicht darum, sie zu bewerten, sondern nur darum, dich selbst wieder bewusst wahrzunehmen.
2. Atemanker zur Beruhigung des Geistes
Wenn dein Kopf zu laut wird, kann dein Atem als natürlicher Gegenpol wirken. Lege dazu einfach eine Hand auf deinen Bauch, die andere aufs Herz. Atme durch die Nase tief ein und zähle innerlich bis vier, dann atme langsam durch den Mund wieder aus und zähle dabei bis sechs. Wiederhole das fünf Atemzüge lang. Beim Ausatmen kannst du dir innerlich sagen: Ich lasse los.
Diese kleine Übung signalisiert deinem Nervensystem: Alles ist gut, du darfst kurz innehalten und eine Pause machen.
3. Intuitives Schreiben für Kopf und Körper
Viele Scanner nutzen Schreiben bereits, um ihre Gedanken zu sortieren. Wusstest du, dass gerade intuitives Schreiben auch dein Körperbewusstsein fördern kann?
Nimm dir täglich ein paar Minuten, um zu notieren:
- Wo spüre ich heute Spannung oder eine innere Unruhe?
- Was hat mir Energie gegeben – und was hat sie mir entzogen?
- Wann habe ich mich heute lebendig gefühlt?
Schon nach wenigen Tagen erkennst du wiederkehrende Muster. Das stärkt den Zugang zu dir selbst und kann dir helfen, Überforderung früh zu erkennen und gegenzusteuern.
4. Erdungsritual bei mentaler Überforderung
Wenn du merkst, dass dein Kopf zu voll ist, geh ans Fenster oder nach draußen. Nutze dann ganz bewusst all deine Sinne und konzentriere dich nacheinander auf:
- 5 Dinge, die du siehst.
- 4 Dinge, die du hörst.
- 3 Dinge, die du spürst.
- 2 Dinge, die du riechst.
- 1 Sache, die du schmeckst.
Diese Sinnesübung holt dich unmittelbar in den Moment zurück und damit raus aus dem Denken, rein ins Spüren.
Der Schlüssel: mehr Selbstakzeptanz
Auch bei mir hat es lange gedauert zu verstehen, wie ich ticke und dass ich einfach anders funktioniere als viele andere Menschen, die ihrem Weg sehr straight folgen können. Für mich ist das konsequente Journaling eine extrem heilsame Methode, die mir dabei hilft, mich immer wieder neu zu fokussieren und bei mir zu bleiben.
Vielleicht probierst du meine kleinen Impulse einfach mal aus. So erfährst du tatsächlich am eigenen Leib, wie deine Wahrnehmung sich verändert und deine Selbstakzeptanz sich nach und nach verbessert. Ich wünsche dir viel Freude dabei!
Deine Heide
Über Heide Liebmann
Potenzialdetektivin Heide Liebmann unterstützt Scanner-Persönlichkeiten dabei, ihre Vielseitigkeit als »Super-Power« zu verstehen und beruflich zu nutzen, ob als Angestellte, Freiberufler oder Unternehmer.

Für den Coaching-Prozess nutzt sie als zentralen Werkzeugkasten Methoden aus dem kreativen und intuitiven Schreiben. Ihrer langjährigen Erfahrung nach können Scanner, die dazu neigen, sich in Gedankenschleifen zu verheddern, damit einen sehr guten Zugang zu ihren Ressourcen finden: Durch intuitives Schreiben zapfen wir unser Unterbewusstes an, all die Erfahrungen und das Wissen, das wir im Laufe unseres Lebens erworben haben. Das ist eine unschätzbar wertvolle Quelle, auf die wir immer wieder zugreifen können.
In ihrem Blog veröffentlicht Heide Liebmann regelmäßig Impulse und Ideen, die Scannern helfen, ihre Vielseitigkeit gut zu nutzen und sich selbst besser anzunehmen. Mehr über die Lübeckerin erfährst du auf ihrer »Über mich«-Seite und LinkedIn.