Wilde Weiber wollen wandern

Wilde Weiber wollen wandern

Hallo, was ist denn das? Der Titel unserer WhatsApp-Reisegruppe hat sich geändert. »Wilde Weiber wollen wandern« steht jetzt ebenso selbstbewusst wie selbstironisch als neuer Gruppenname auf dem Bildschirm. Wild sind wir ganz sicher auf die eine oder andere Art. Alles andere wäre ja auch langweilig, oder? Langweilige Menschen hocken beige gekleidet auf ihrem beigen Sofa, gucken beige Netflix-Serien und wagen sich nur selten aus ihrer Komfortzone heraus. Wir hingegen sind unternehmungs- und abenteuerlustig, offen für neue Erfahrungen und legen Wert darauf, beim Reisen ganz genau hinzuschauen, um Land und Leute kennenzulernen. Im letzten Jahr waren wir in Schweden paddeln. Heuer finden wir uns zu kleineren Konstellationen zusammen und 2024 geht es dann wieder gemeinsam auf die Reise.

Vielleicht sollte ich uns kurz vorstellen, damit du dir ein besseres Bild von uns machen kannst? Wir sind fünf Frauen zwischen Ü40 und Ü70. Das allein finde ich bereits ziemlich wild. Auf jeden Fall bemerkenswert. Unsere Lebensumstände und Interessen könnten nämlich kaum unterschiedlicher sein. Doch ob wir nun Janne, Geli, Anna, Mändy oder Sissi heißen, in Halle (Saale), Buchholz in der Nordheide, Tostedt in der Lüneburger Heide oder Sulgen im Thurgau leben, Rentnerin, Krankenschwester oder Journalistin im Ruhestand sind, eines haben wir alle gemeinsam: Wir sind unerträglich neugierig, lieben die Natur und schmausen gern. Gute Getränke sind ebenfalls immer willkommen!

 

Wilde Weiber wollen wandern – echt jetzt?

Ich mutiere zum Wandervogel

Unsere Reise nach Schweden verlief erfreulich harmonisch, sodass wir nun Lust auf weitere gemeinsame Reiseabenteuer haben. Aber will ich wirklich wandern? Ich liebe die Bewegung in der freien Natur, bin aber kein echter Wandervogel. Als Kind war mir nie bewusst, dass ich mit meinen Eltern wandere – sei es an Nord- und Ostsee, in der Lüneburger Heide oder im Sauerland. Viel zu aufregend waren die Entdeckungen unterwegs, als dass ich auch nur auf die Idee gekommen wäre, mir darüber Gedanken zu machen. Heute ist das anders. Laut Oxford Languages bedeutet »wandern« 1. eine Wanderung, Wanderungen machen (aha!) und 2. ohne ein Ziel anzusteuern, [gemächlich] gehen, sich irgendwo ergehen.

→ Wikipedia hat natürlich auch etwas zum Thema in petto:

»Wandern ist eine Form weiten Gehens über mehrere Stunden. Bildete die Fortbewegung zu Fuß früher die normale Art des Reisens, stellt sie heute in entwickelten Ländern vorwiegend eine Freizeitbeschäftigung und eine Sportart dar. Wandern ist eine mit Naturerleben verbundene, gemäßigte Sportart und ein zentraler Wirtschaftsfaktor vorwiegend des Sommertourismus. In der kalten Jahreszeit ist das Schneeschuhwandern eine beliebte Wintersportart geworden.«

Wandern um des Wanderns willen ist meine Sache nicht. Ich brauche entweder ein Ziel oder möchte unterwegs viele Entdeckungen am Wegesrand machen. So wie bei den Weinwanderungen im Elsass oder während meiner Pressereise im Rheingau, auf dem Weinwanderweg Weinfelden mit Anna und Mathilda im Oktober 2021 oder in der wunderschönen Schweizer Bergwelt. Dabei geht es mir in erster Linie um das Naturerlebnis, weniger um die Bewegung.

Letztlich ist aber belanglos, warum ich zum Wandervogel mutiere. Kurz nach unserem Umzug in die Schweiz ging es nach einer längeren Pause auch schon wieder los mit dem Wandern. Ich glaube, das funktioniert hier gar nicht anders. Wer in der Schweiz lebt, wandert. Kicher … Inzwischen bin ich sogar recht gut ausgestattet: Trekkingstiefel von → MEINDL, Wander- und Trekkingstöcke von → LEKI sowie Rucksäcke von → Lowe Alpine sind nur einige Ausrüstungshelferlein für Wandervögel, die sich in den letzten Monaten bei mir angesammelt haben (und natürlich auch fleißig benutzt werden). Wenn die anderen wilden Weiber also wandern wollen, dann wird auch gewandert. Ich bin bestens vorbereitet.

 

Über die Qual der Wahl des Weges

Wenn fünf Frauen eine Reise tun …

Nachdem uns der Urlaub in der Hütte am schwedischen See Foxen so gut gefallen hat, läge es eigentlich nahe, das Erlebnis zu wiederholen. Doch der Rechtsruck in Schweden im September 2022 wird die schwedische Gesellschaft in den kommenden Jahren prägen. Das will uns nicht schmecken. Und daher werden wir nächstes Jahr nicht wieder im Kanu durch Schweden paddeln und brauchen jetzt ein neues Reiseziel. Gar nicht so einfach, fünf Frauen aus zwei Bundesländern und einem Schweizer Kanton unter einen Hut zu bekommen!

Auf der langen Fahrt von Schweden zurück nach Hamburg hatten wir die verrückte Idee, dass nur Anna und ich die nächste Reise planen, sich die anderen drei also von uns am Bahnhof oder Flughafen überraschen lassen. Grundsätzlich wissen wir ja, was allen gefällt oder missfällt – angefangen bei Essen und Unterkunft über das bevorzugte Reiseklima bis hin zur Auswahl der Freizeitaktivitäten. Um dennoch sicherzustellen, dass bei der Planung der Reise keine von uns »hintenüberfällt«, habe ich eine Excel-Tabelle erstellt, in der jede »Gos« und »No-Gos« festhalten und zum Schluss ihren Traum- bzw. Albtraumurlaub in je einem Satz zusammenfassen konnte. Die zum Teil dann doch sehr überraschenden Ergebnisse haben Anna und ich dann dieser Tage ausgewertet und damit begonnen, Reisepläne zu schmieden.

 

Reisezeit

Fünf von uns wünschen sich den September als Reisezeit. Andere Monate kommen mit je vier Stimmen zwar auch infrage, aber da der Herbst für viele Reiseziele schon in die Nachsaison fällt und wir somit mehr Urlaub für unser Geld bekommen, halten wir den September 2024 erst einmal für unsere weiteren Überlegungen fest.

 

Reisedauer

Eng verbunden mit der Reisezeit ist die Reisedauer. Nur vier von uns möchten zehn bis 14 Tage verreisen. Zwei von uns – Anna und ich – würden gegebenenfalls sogar auf 15 oder 16 Tage aufstocken. Für ein Pinguinabenteuer in Afrika zum Beispiel. Schildkrötenzählen auf den Galapagosinseln fänden wir auch recht spannend. Oder bauen wir doch lieber ein paar hübsche, kuschelige Iglus in Alaska? Du siehst: Einige Reisedestinationen liegen in weiter Ferne, sodass es sich nicht lohnen würde, sie für weniger als zwei Wochen anzusteuern. Zudem wäre es auch nicht besonders nachhaltig, für vier Tage nach Thailand zu fliegen, wie mir kürzlich angeboten wurde. Da kann ich nur hilflos den Kopf schütteln …

Acht bis zehn Tage Urlaub sollten es schon sein, darin sind wir uns alle einig und darauf wird es vermutlich auch hinauslaufen. Aber da haken Anna und ich kommende Woche noch mal nach. Ganz sicher werden wir diese Entscheidung eng mit der Anreisezeit verknüpfen. Keine von uns möchte ewig in welchem Reisemittel auch immer hocken. Und damit sind wir auch schon beim nächsten Thema!

 

Reisemittel

Rad oder Flugzeug

So sehr es mich auch reizen würde, mit den anderen wilden Weibern rund um den → Bodensee zu radeln (ganz nach dem Motto »Der Weg ist das Ziel«), so sehr graut es mir auch davor, unterwegs festzustellen, dass ich nicht fit genug für diese Art Abenteuer bin. Lange Flüge scheiden für mich auch eher aus. Meine Flugangst habe ich inzwischen zwar ganz gut im Griff, aber ich finde diese Art des Reisens nicht besonders nachhaltig. Bei einigen Reisezielen wird sich ein Flug aber nicht vermeiden lassen. Vier von uns sind dafür, wenn sich das Ziel lohnt. Ich würde mich dann anschließen.

 

Auto

Die Anreise mit dem Auto oder gar ein Roadtrip sind zwar auch nicht besonders nachhaltig, zumal wir vermutlich zwei Autos dafür bräuchten. Aber seien wir mal ehrlich: Gibt es etwas Cooleres als einen Roadtrip? Nur fünf wilde Weiber, die Straße und grenzenlose Freiheit! Und dafür müssten wir vorher nicht einmal in die USA, nach Kanada oder Australien fliegen. Nein, so ein Roadtrip lohnt sich auch bei uns in Europa. Etwa auf Irlands spektakulärer Küstenstraße, dem Wild Atlantic Way. In Nordspanien locken einsame Buchten mit traumhaften Sandstränden und hohen Bergen. Oder wir gehen als Offroader aufs Ganze und knattern in den Westalpen auf 2 500 Metern Höhe über steile Pässe und alte Militärstraßen.

Wobei ich genau weiß, dass mindestens zweien aus unserer Gruppe auf steilen Bergstraßen schnell Angst und Bange wird … Also lassen wir das lieber und grübeln noch eine Runde. Vielleicht wäre ja auch die → Grand Tour of Switzerland etwas für uns? Sie führt auf über 1 600 Kilometern durch die schönsten Gegenden der Schweiz und zeigt, wie abwechslungsreich, vielfältig und spektakulär meine neue Heimat ist.

 

Zug

Etwas sanfter wäre eine (An-)Reise mit dem Zug. Ich liebe es, mit dem Zug zu fahren und so freue ich mich darüber, dass fünf von uns nicht nur für eine Reise mit dem Auto, sondern auch mit dem Zug zu haben sind. Vielleicht gönnen wir uns ja sogar eine komplette Tour? Zu den fünf schönsten Zugreisen der Welt zählen übrigens die Fahrt im Blue Train (Südafrika), im Shiki-shima (Japan), im Rocky Mountaineer (Kanada), in der Transsibirischen Eisenbahn (Russland, Mongolei und China) sowie im Venice Simplon-Orient-Express (von Paris nach Istanbul). Fast alles ganz schön weit weg und auch ganz schön teuer.

Zum Glück haben auch Österreich und die Schweiz traumhafte Zugreisen zu bieten. Deutschland fällt zugtechnisch leider aus, solange die Deutsche Bahn weiterhin so peinlich vor sich hinmurkst. Aber warum sollten wir keinen Urlaub direkt vor meiner Haustür machen und dabei atemberaubende Panoramen genießen?

Fahrten im Glacier Express, Bernina Express, Voralpen-Express und Gotthard Panorama Express stehen ebenso auf meiner Schweizer Travel Bucket List wie die komplette → Grand Train Tour of Switzerland, bei der du alle Sehenswürdigkeiten der Schweiz bequem vom Zug aus erleben kannst. Gemütliche Zwischenaufenthalte gehören selbstverständlich dazu. Aber ob sich die anderen wilden Weiber dafür begeistern lassen? Fragen über Fragen …

 

Boot oder Schiff

Neben unseren Füßen stehen uns schließlich auch noch allerlei Reisemöglichkeiten auf dem Wasser zur Verfügung. Von selbst gebauten Flößen und Einbäumen über Kajaks, Kanus und Ruderbote bis hin zu Segelschiffen, Motorbooten und Fähren erstreckt sich das Angebot. Leider fühlt sich eine aus unserer Runde nur bedingt wohl auf dem Wasser, sodass eine Kreuzfahrt auf dem Rhein vermutlich ebenso wenig infrage kommt wie eine Hausboottour in Frankreich oder ein Kajaktrip entlang der Nordseeküste. Nur vier von uns sind mit dem Reisemittel Schiff einverstanden.

Wenn ich bei meiner ursprünglichen Flugzeugverweigerung bleibe, wird aus der Gruppe »Wilde Weiber wollen wandern« wirklich noch eine reine Wandertruppe, die sich ihrem Reiseziel entweder mit dem Auto oder dem Zug nähert. Oder eben doch per pedes. Schauen wir mal, wie sich die Geschichte entwickelt!

 

Reisebudget

Letztlich hängt die Entscheidung, womit es wie lange wohin geht und was wir dort machen, auch vom uns zur Verfügung stehenden Budget ab. Fünf von uns wollen für die Reise EUR 750 auf den Tisch legen. Davon sind vier bereit, auf EUR 1 000 zu erhöhen, wenn der Urlaub entsprechend länger dauert und attraktiv ist.

Zum Vergleich: Würden wir nochmals neun Tage in Brunos Hütte in der Ferienregion Nordmarken verbringen wollen, würde uns das Anfang September 2023 pro Person mit Komplettpaket EUR 551 kosten. Ohne Reiseversicherung, Naturecard und/oder Angelerlaubnis. Hinzu käme für alle noch ein Zuschlag für den Zustieg in Hamburg in Höhe von EUR 65 sowie das Gruppenticket für die Fahrt von der Heide nach Hamburg. Damit sind wir bei mindestens EUR 621, wenn ich anteilig für das ÖV-Ticket fünf Euro veranschlage.

Spannend finde ich, dass die Hütte bei selbst organisierter Anreise ebenfalls EUR 551 kosten würde und dass eine Buchung bei Anreise mit eigenem PkW und Fähre sogar mit EUR 609 zu Buche schlägt.

Nicht vergessen werden sollte bei diesem Kostenvergleich auch, dass auf mich zusätzliche Reisekosten in Höhe von rund EUR 400 für die Reise Sulgen – Zürich – Hamburg – Tostedt und zurück zukämen, womit ich schon bei insgesamt mindestens EUR 1 021 wäre. Für neun Tage Urlaub und zwei Extratage für An- und Abreise. Da wäre ich diesmal definitiv raus.

Zum Glück waren wir uns einig, dass Schweden erst einmal ausfällt. Dennoch haben Anna und ich uns viele Gedanken über ein angemessenes Reisebudget gemacht und festgestellt, dass uns ein zweiwöchiger Abenteuerurlaub auch bis zu EUR 1 500 wert wäre, wenn er denn auch wirklich ausgefallen und abenteuerlich ist. Oder mit anderen Worten: Wer weiter und länger reisen und außergewöhnliche Dinge erleben will, der muss in der Regel auch tiefer in die Tasche greifen. Trotzdem soll für jede genug Taschengeld für private Annehmlichkeiten und individuelle Ausflüge übrig bleiben. Das ist uns wichtig.

 

Reiseländer

Aktuell gibt es 195 von den Vereinten Nationen anerkannte Länder auf der Welt. Wir haben also wirklich die Qual der Wahl. Fakt ist, dass einige dieser Länder für uns aus diesen oder jenen Gründen als Reisedestination ausfallen. Das näher auseinanderzuklamüsern, würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen. Interessant finde ich, dass es exakt acht Länder gibt, die wir uns alle fünf gut als Reiseziel vorstellen können. Bist du schon neugierig? Bitte sehr!

  • Griechenland
  • Irland
  • Island
  • Italien
  • Portugal
  • San Marino
  • Schweiz
  • Spanien

Es gab etliche Länder, die vier Stimmen von fünf möglichen bekommen haben. Doch da wir ja irgendwo mit der Planung beginnen müssen, macht es Sinn, wenn wir uns bei den weiteren Überlegungen auf diese acht Länder beschränken.

 

Und wie geht es jetzt weiter?

Unsere Reise soll im September 2024 stattfinden. Es wird also noch viel Wasser die Thur hinunterfließen, bis wir eine endgültige Entscheidung treffen müssen. Und wer weiß? Vielleicht verblüffen wir unsere Reisegefährtinnen ja doch mit Paragliding in Panama, Bierbrauen in Brasilien oder Mountainbiking in der Mongolei.

Fest steht schon jetzt, dass wir uns politisch und kulturell im Reiseland wohlfühlen und viele, viele Mikroabenteuer erleben wollen. Anna und ich haben vorhin nochmals kurz telefoniert und beschlossen, dass wir Ostern diesen Jahres festlegen wollen, wohin die Reise geht. Jedes der infrage kommenden acht Reiseländer ermöglicht die Erfüllung aller Wunschaktivitäten sämtlicher Gruppenmitglieder. Das ist doch schon mal gelungen, finde ich. Aber dazu ein andermal mehr. Jetzt ziehe ich lieber ein erstes persönliches Fazit, bevor dieser Text aufgrund seiner Länge doch noch explodiert.

 

Sissis Resümee

Der Überraschungsbesuch meiner beiden Nordlichter liegt nun schon wieder eine Woche zurück. Die gemeinsame Zeit ist viel zu schnell verflogen. Unser spontaner → Ausflug zum Flumserberg hat mir deutlich vor Augen geführt, wie wichtig kleine oder auch größere Auszeiten für uns alle sind. Dabei ist es nicht immer nötig, um die halbe Welt zu fliegen, um Abenteuer zu erleben. Das nächste Reiseglück liegt oft näher, als du denkst!

Wer in einer bunten Gruppe reist, muss natürlich mehr bedenken, als ich für meinen Ausflug nach Zürich im März. Anna und ich haben eigentlich nur zwei Möglichkeiten, die Planung anzupacken: Entweder einigen wir uns auf ein Reiseland oder auf eine Reiseaktivität wie beispielsweise Wassersport, Freeclimbing oder eben Wandern.

Da unsere Interessen so breit gefächert sind, erschien uns die Auswahl eines Reiselandes für den nächsten Schritt logischer. Die genaue Destination können wir dann im darauffolgenden Schritt festlegen und dann nach und nach die einzelnen Tage mit Programmpunkten und viel Freiraum für individuelle Erlebnisse füllen.

Träumst du ebenfalls bereits von deiner nächsten Reise? Wenn ja, dann ist jetzt die beste Zeit, um mit der Planung zu beginnen. Die #WildeWeiberWollenWandern lassen grüßen!

XOXO

Sissi

[Artikelbild: Irgendwo im Nirgendwo in der Ferienregion Nordmarken.]