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Squareplatz feiert die 90er

Sissi St. Croix
Squareplatz feiert die 90er

Der Frontmann Türke, am Keyboard ein Ukrainer, beide Musiker. Kennengelernt haben sich Sezgin Inceel und Stas Mishchenko vor drei Jahren in München. So entstand die queere Band Squareplatz, eine Indie-Elektro-Band mit starker Vorliebe für die Beats der 90er, einer Zeit, in der die zwei aufgewachsen sind. Squareplatz – Platz wie »Square« – ist ein zentraler Ort, an dem Menschen aller Couleur aufeinandertreffen, an dem sie sich ausdrücken können mit ihrer Freude, ihrer Trauer, aber auch im Protest. Diese Idee steht hinter der Musik von Squareplatz.

 

Opulenz ohne Klischees

In ihrer Debüt-EP »Nostalgia« feiern Sezgin und Stas ein ganzes Jahrzehnt in all seinen Ausprägungen. Die 90er waren opulent, kreativ, wild, schrill und die beiden lieben das. Aber sie verfallen nicht in Klischees. »Heute können wir gelassen zurückblicken auf diese verrückte Zeit«, sagt Sezgin.

Ihre Songs handeln davon, wie schwierig diese Jahre für viele waren, die unter dem Mainstream einer dominant männlich-weißen Gesellschaft zu leiden hatten: Frauen, ethnische Minderheiten, Menschen mit Behinderung, Homo- und Trans*-Sexuelle. Mit ihrer EP »Nostalgia« verarbeiten die Männer auch ihre persönliche Geschichte.

 

Album-Cover »Nostalgia«

Album-Cover »Nostalgia«

 

Geschlechtergerecht und queer-freundlich

Squareplatz ist für sie wie eine späte Befreiung. So bietet die Band mit ihren Melodien einen geschlechtergerechten und queer-freundlichen Raum. Zu ihren türkischen und ukrainischen Wurzeln stehen sie, Musik aber sehen Sezgin und Stas noch viel lieber als eine universelle Sprache, die jeden willkommen heißt.

Das Album enthält die vier brandneuen Songs »Ineffable«, »Voodoo«, »Nostalgia« und »Humming« sowie eine neu interpretierte Version des Hit-Songs »Barbie Girl«, die dem Stück eine Note verleiht, die irritiert und zu Diskussionen anregt.

 

Sissis Resümee

Zugegeben: Als mir die Pressemitteilung von Squareplatz ins Haus flatterte, war ich erst einmal skeptisch. Musikalisch bin ich ein Kind der 80er und lasse es ansonsten gern rocken und rollen. Du wirst mich daher eher in Wacken treffen als auf einem Indie-Elektro-Festival. Und Trainingsanzüge aus Ballonseide waren mir schon in den 90ern ein Graus. Wenn es damals etwas gab, dass meinen Schlüpper in weniger als einem Wimpernschlag in einen Keuschheitsgürtel verwandelte, dann waren es Kerle in Trainingsanzügen. Das ist übrigens bis heute so. Und dennoch … Irgendwie haben Sezgin und Stas Charme. Das gilt auch für ihre Songs, in die ich mutig hineingehört habe. Kurz: Ich bin angenehm überrascht.

Die Songs gehen unaufdringlich eindringlich ins Ohr und versetzen mich im Nu zurück in die 90er. In Gedanken sehe ich mich beim Hören der elektronischen Vibes mit frisch gezwirbelter »Ananasfrisur« im ärmellosen schwarzen Rollkragenpullover – natürlich hauteng und bauchfrei – zum kurzen Schottenrock im Takt der Musik wippen und zwischendurch an meiner Cola light nippen. Bis das Glas leer war, dann gab es auf der Tanzfläche kein Halten mehr. Wenn ich mit meinen Mädels unterwegs war, sind wir meist im »Krystal« gelandet, in den späten 80er und frühen 90er Jahren die Schwulendisco in Dortmund und Umgebung. Vogelwilde Zeiten … Nicht alles war immer eitel Sonnenschein, keine Frage. Und doch erinnere ich mich gern daran und werde beim Hören von »Nostalgia« nostalgisch. Ganz so, wie es sich Sezgin und Stas vermutlich erhofft haben.

Ich halte »Nostalgia« für ein gelungenes Debüt und bin gespannt, was wir von Squareplatz in Zukunft noch hören werden. → Am besten lauschst du selbst mal ins Album rein und machst dir dein eigenes (Klang-)Bild – viel Spaß dabei!

XOXO

Sissi

[Quelle: → Squareplatz und eigene Recherche.]

 

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