Neue Silvesterbräuche braucht das Land

Neue Silvesterbräuche braucht das Land

Das von Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntag angekündigte Verkaufs- und damit faktische Anwendungsverbot für Pyrotechnik ist nach Ansicht der Deutschen Umwelthilfe (DUH) die Chance, neue Bräuche für einen friedfertigen Jahreswechsel im Kreise der Liebsten zu entwickeln. Die DUH ruft dazu auf, böllerfreie Silvestertraditionen aus anderen Ländern auszuprobieren oder einfach neue Bräuche zu erfinden. Die DUH bittet um Zusendung von Vorschlägen, Fotos oder Videos und wird daraus einen Silvesterzukunftsbrauch küren. Was für eine grandiose Idee!

 

DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch findet deutliche Worte

»Wir begrüßen es, dass die Bundesregierung sich endlich unseren Argumenten angeschlossen hat und ein Verkaufsverbot für Feuerwerk verhängen wird. Das ist eine gute Nachricht für Krankenhäuser, Notaufnahmen, Unfallchirurgen, Hand- und Augenfachärzte, die ansonsten wieder Tausende teils schwer verletzte Menschen durch Pyrotechnik hätten behandeln müssen. Das ist aber auch eine gute Nachricht für alle Bürger, die sich zu Recht Sorgen um ihre Gesundheit machen.

Die Luftbelastung durch gesundheitsschädlichen Feinstaub ist in den Stunden und Tagen nach dem Jahreswechsel in vielen Städten die höchste des Jahres. Und sie ist hochgefährlich – in diesem Jahr noch mehr als sonst schon, weil der Zusammenhang zwischen belasteter Luft und schweren Verläufen von COVID-19-Erkrankungen medizinisch belegt ist. Schließlich ist es ist eine gute Nachricht für Tiere, alte Menschen und kleine Kinder, die jedes Jahr durch Feuerwerk in Panik versetzt werden. Sie alle können in diesem Jahr beruhigt aufatmen.

Wir haben schon lange dafür gekämpft und in diesem Jahr der Corona-Pandemie unsere Bemühungen noch einmal intensiviert. Wichtig für ein ruhiges und sicheres Silvester ist allerdings, dass die Regierung ebenfalls sicherstellt, dass auch kein illegal beschafftes oder gelagertes Feuerwerk zum Einsatz kommt. Hier müssen das Bundesinnenministerium und die Behörden vor Ort Klarheit und Ordnung schaffen.

Dieses Silvester ist die Gelegenheit, endlich einen Jahreswechsel zu begehen, ohne dass Betrunkene mit Sprengstoff in der Hand durch die Straßen ziehen. Ein Silvester ohne verängstigte Kinder und Tiere, ohne Opfer von Pyrotechnik in den Kliniken. Es wird uns zeigen, wie dieses Fest auch aussehen kann im Kreis der Liebsten und mit Bräuchen, die schön sind und niemanden gefährden. Und wir fordern alle Verantwortlichen auf, allen voran das Bundesinnenministerium: Das darf kein Einzelfall bleiben, sondern muss für alle weiteren Silvester auch gelten. Dieses Jahr muss das Modell für die Zukunft sein.«

 

Andere Länder, andere Sitten

Wer Lust auf neue Silvesterbräuche hat, der wird in anderen Ländern fündig. In Spanien stecken sich die Menschen um Mitternacht zwölf Weintrauben in den Mund – eine Traube je Glockenschlag. Das bringt Glück!

In Tschechien verkündet ein Apfel, ob das kommende Jahr Glück oder Unglück bringt: Er wird quer halbiert, dann werden die Kerne betrachtet. Sind sie sternförmig angeordnet, verheißt das Glück fürs neue Jahr. Bilden die Kerne ein Kreuz, droht leider Pech. Abeer bitte nicht allzu ernst nehmen!

Die Griechen verbringen die Silvesternacht mit munterem Karten- oder Würfelspiel statt Feuerwerk und verstecken eine Münze als Glücksbringer im Basiliusbrot, das traditionell am Neujahrstag gegessen wird. Derjenige, der die Münze bekommt, hat im neuen Jahr besonders viel Glück. Ein Brauch, der auch anderenorts, zum Beispiel in Frankreich, sehr beliebt ist.

Unsere österreichischen Nachbarn haben Musik im Blut und tanzen um Mitternacht Walzer. Das ist allerdings nur in großräumigen Wohnzimmern zur Nachahmung empfohlen.

Schön finde ich auch die russische Tradition, die eigenen Neujahrswünsche auf einen Zettel zu schreiben, diesen zu verbrennen, die Asche in ein Champagnerglas zu geben und das Ganze bis Mitternacht auszutrinken. Wünsche im Bauch … Da kann eigentlich nichts mehr schief gehen, oder?

In Italien, Spanien und Südamerika bringt das Tragen eines roten Slips in der Silvesternacht Glück! Jeder, der sich für das nächste Jahr mehr Glück – nicht nur – in der Liebe wünscht, feiert in roter Unterwäsche ins neue Jahr hinein. Dessoushersteller wie → Hunkemöller hätten sich keinen schöneren Brauch ausdenken können.

Markus und ich werden uns in diesem Jahr ein paar neue Silvesterbräuche überlegen. Mehr erfährst du nach Weihnachten.

 

Sissis Resümee

Die Böllerei in der Silvesternacht war noch nie nach meinem Geschmack. Jahr für Jahr verpulvern meine lieben Mitbürger im wahrsten Sinne des Wortes ihr Geld, versetzen Tiere in Angst und Schrecken und pfeifen auf die Umwelt. Was für Egoisten! Ich bedauere es daher sehr, dass unsere Regierung es versäumt hat, diese wunderbare Chance zu nutzen und neben einem Verkaufsverbot für Pyrotechnik auch gleich ein »Böllerverbot« auszusprechen. Denn leider, leider werden nicht wenige Unbelehrbare noch Feuerwerk vom letzten Jahr im Keller liegen haben, das unbedingt angezündet werden muss. Andere werden sich die Knallerei ebenfalls nicht nehmen lassen und sich auf illegalen Wegen Böller besorgen. Und wieder andere basteln ihre Böller selbst und sprengen sich mit ein bisserl Pech gleich selbst mit in die Luft. Man(n) gönnt sich ja sonst nichts.

Wir Menschen neigen leider zu Dummheit und Egoismus. Das wird auch zu Silvester nicht anders sein. Zwar werden viele Menschen aus Angst vor einer Geldstrafe nicht auf öffentlichen Plätzen, aber dafür umso mehr im heimischen Garten oder gar vom Balkon aus »böllern«, was der Wurfarm hergibt. »Sch… auf die Nachbarn, wir feiern und das ist unser gutes Recht!«, so der Tenor einer Spaßgesellschaft, die immer noch nicht verstanden hat, worauf es im Leben ankommt. Wer für seine Silvesterfeier sinnlose, die Luft verpestende Knallerei braucht, der kann vermutlich auch nicht auf Alkohol verzichten. Wo wäre dann aber auch der ganze Spaß? Und Spaß werden sie ganz sicher haben, all die Betrunkenen mit Sprengstoff in der Hand.

Bleibt nur zu hoffen, dass am Ende dieses zweifelhaften Vergnügens noch alle ihre Hände haben und Feuerwehr, Rettungsdienst und Krankenhauspersonal nicht wieder einmal schier Übermenschliches leisten müssen.

XOXO

Sissi

[Produkthinweise erfolgen rein redaktionell und unabhängig. Quelle: → Deutsche Umwelthilfe und eigene nächtliche »Knallgedanken«. Artikelbild: ActionVance.]