Gemeine Stechmücke (Culex pipiens)

Wofür sind Mücken überhaupt gut?

Ah, der Sommer! Die Zeit, in der wir das Leben nach draußen verlagern und die warmen Abende auf dem Balkon oder der Terrasse genießen. Wären da nicht diese kleinen surrenden Plagegeister: die Stechmücken. Sie verwandeln die Idylle im Freien in einen nervenaufreibenden Kampf um ungestochene Haut. Und ganz gleich, wie schnell du mit deiner Hand wedelst oder wie viele Citronella-Kerzen du auch anzündest: Die Quittung fürs Draußensein folgt unweigerlich in Form eines juckenden Mückenstichs.

Dieses Jahr jedoch scheint etwas anders zu sein. Spürst du es auch? Die nervtötenden Mückenschwärme, die sonst unweigerlich auftauchen, bleiben aus. Die lauen Abende sind entspannter, das Summen ist einem beinahe unheimlichen Schweigen gewichen. Nur vereinzelt lassen sich die blutsaugenden Flugkünstler blicken und nehmen Kurs auf unsere Haut. Was steckt hinter dieser »Mückenflaute«? Ist es die Natur, die uns eine Pause gönnt, oder gibt es eine andere Ursache für das Fehlen der geflügelten Blutsauger?

Wir haben uns auf die Suche nach Antworten gemacht. Die österreichische Naturschutzbund-Expertin Carolina Trcka-Rojas erklärt, warum es heuer deutlich weniger Stechmücken (Culicidae) gibt und wofür diese – trotz ihrer Vorliebe für menschliches Blut – gut sind.

Warum Mücken Blut saugen

Nur die weiblichen Mücken sind Plagegeister, denn sie benötigen die im Blut enthaltenen Proteine und das Eisen für die optimale Entwicklung ihrer Eier. Für den eigenen Energieerhalt trinken sie hingegen – wie auch die Männchen – Pflanzensäfte oder Nektar.

Wofür Mücken gut sind

Viele mögen sich wünschen, dass Mücken gänzlich aus unserem Ökosystem verschwinden, doch die Natur hält ihre eigene Balance und jede Art hat ihren Sinn im Ökosystem. So werden wir nur bei »Kinderwunsch« der Stechmückendamen von den ansonsten recht friedlichen Bestäubern in Mitleidenschaft gezogen.

»Auch wenn ihre Bestäubungsleistung im Vergleich zu ›Schlüsselgruppen‹ wie Wildbienen, Schwebfliegen oder Tagfaltern eher gering ist, gibt es eigene Pflanzenarten, die fast ausschließlich von Mückenarten bestäubt werden«, sagt Naturschutzbund-Expertin Carolina Trcka-Rojas.

Zudem sind Mücken und noch viel mehr deren Larven ein wichtiger Teil der Nahrungskette: Die adulten Mücken werden für gewöhnlich im Flug – beispielsweise von Schwalben, Libellen oder Spinnen in Netzen – gefangen und verspeist. Mückenlarven werden von verschiedenen Tierarten, unter anderem Kaulquappen, Fischen und vielen anderer Insektenarten vertilgt.

»Die kleinen, sehr ungeschützten und in großen Massen auftretenden Mückenlarven sind gerade für viele Tiere in ihren vulnerabelsten und frühesten Lebensstadien bedenkenlos verzehrbar, bevor sie später auf größere Nahrung umsteigen«, so die Naturschutzbund-Expertin. »Interessant ist auch, dass Mückenlarven Kleinplankton und Schwebstoffe aus dem Wasser filtern und so zur Reinigung von Gewässern beitragen.«

Warum es 2025 weniger Mücken gibt

Heuer war das Frühjahr eher »schwach«: Die Temperaturen waren im April und Mai vergleichsweise niedrig, sodass die Mückenpopulation mit nur wenigen Individuen in den Jahreskreis gestartet ist. Der Juni war zwar warm, aber viel zu trocken für die Entwicklung einer größeren Population. Häufige Wetterumschwünge behinderten zudem deren Entwicklung und für richtig große Mückenschwärme gab es zu wenige Überschwemmungen.

Wie es zu starken Mückenjahren kommt

In warmen und feuchten Frühjahren startet die Entwicklung der Mückenpopulationen besonders früh. Frühe Populationen können sich bis in den Sommer – der Hochsaison der meisten Mückenarten – vervielfachen. Was ihre Larvenhabitate angeht, sind Mücken sehr anpassungsfähig und genügsam: Meist reicht ihnen eine kleine Pfütze, die nicht so bald wieder austrocknet, um sich vollständig zu entwickeln.

»Besonders beliebt sind stehende Gewässer wie Regentonnen oder Wasserkuhlen in Plastikplanen. Dort entwickeln sich schnell Millionen an Larven, da sie vor Fressfeinden, die größere Wassermengen und natürlichere Habitate benötigen, gänzlich geschützt sind«, erklärt Trcka-Rojas.

Einige Mückenarten wie beispielsweise die Wiesenmücke (Aedimorphus vexans) legen ihre Eier in feuchte Gebiete, ohne dabei ein länger vorhandenes Stillgewässer zu benötigen, sie werden als sogenannte »Überschwemmungsmücken« bezeichnet. Die Eier können monatelang im Boden überdauern.

Überschwemmungen aktivieren das Schlüpfen der Larven. Oftmals gibt es dann plötzlich auftretende Riesenschwärme, so wie zum Beispiel auch im vergangenen Jahr. Selbst in vermeintlich schlechten Mückenjahren kann es nach einem einzelnen Starkregen nach übermäßiger, länger anhaltender Trockenheit zu einer »Mückenexplosion« kommen.

Was man gegen Mücken tun kann

Feinmaschige Mückengitter an Fenstern und Balkontüren halten nicht nur die stechenden Plagegeister fern, sondern verhindern auch, dass sich andere Tiere wie Nachfalter, Käfer oder gar Fledermäuse in unsere Wohnräume verirren und nicht mehr hinausfinden.

Ungenutzte Wasserquellen wie Regentonnen, Eimer und Blumentöpfe kannst du mit Gaze abdecken und Pfützen auf Gartenplanen oder alten Reifen reduzieren und diese regelmäßig leeren, um die Vermehrung von Stechmücken zu verhindern.

Empfehlenswert ist auch, wenn du naturnahe Klein- oder Kleinstgewässer anlegst, die verschiedenen heimischen Arten zugutekommen: Die Antagonisten, also die natürlichen Feinde der Mücken wie etwa Libellen, Steinfliegen und Amphibien, können sich hier vermehren, ausbreiten und in diesen kleinen Oasen die stechenden Plagegeister in Zaum halten. Bevor du allerdings auf dem Balkon einen Wasserkübel aufstellst, solltest du die Statik prüfen – sicher ist sicher.

Nützliche Links

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Sissis Resümee

Nachdem wir uns nun die wissenschaftlichen Fakten von der Expertin angesehen haben, ist es Zeit für ein Fazit, das die Gefühle von uns Mückengeplagten auf den Punkt bringt. Mücken sind lästig, ja, aber ein wichtiger Teil unseres komplexen Ökosystems. Daher bin ich immer wieder überrascht, wie ruhig die Sommerabende in diesem Jahr sind. Fast habe ich schon das Gefühl, dass etwas fehlt …

Neulich habe ich bei meinem Rundgang über den Balkon und durch den Garten eine erstaunliche Beobachtung gemacht: Mückenlarven fand ich nicht etwa, wie vermutet, in meinem Sumpfbeet. Aber in meinem Regenfass? Da tummeln sie sich in Massen. Es scheint, als wären wir mit der Gestaltung unserer grünen Oase unabsichtlich zu Geburtshelfern geworden, die den Mücken die perfekten Brutstätte bieten.

Ich finde dies umso bemerkenswerter, als dass mir alle Welt davon abgeraten hat, Wasserpflanzen auf dem Balkon anzusiedeln – in unmittelbarer Nähe zu unseren Schlafzimmern und dem Gästezimmer! Insgeheim hatte ich tatsächlich damit gerechnet, dass wir in diesem Jahr von riesigen Mückenschwärmen »angesnackt« werden. Doch einzig unser Besuch aus Berlin beklagte sich eines Morgens über die nächtliche Ruhestörung durch eine (!) Mücke und schlief fortan bei geschlossenen Fenstern. Der Alpenlümmel und ich hingegen hatten bislang eine überwiegend ungestörte Nachtruhe.

Sicherheitshalber werden wir das Regenfass dennoch in Kürze in den Untergarten verfrachten. Dann können die Mücken tun, was Mücken so tun und wir werden dennoch nicht von ihnen belästigt. Und zur Not gibt es ja immer noch den natürlichen Mückenschutz von Puressentiel.

Auch wenn die kleinen Blutsauger nerven, ist ihr Fehlen doch eine Warnung. Sie sind ein wichtiger Teil der Nahrungskette und spielen eine entscheidende Rolle für unser Ökosystem. So sehr ich mir mückenfreie Sommerabende wünsche, so sehr will ich auch nicht auf ihr Summen und die daraus resultierenden biologischen Kreisläufe verzichten. Ihre Existenz ist ein Zeichen für die Gesundheit unserer Natur.

Wir sehen uns im Garten!

XOXO

Sissi

[Produktempfehlungen erfolgen rein redaktionell und unabhängig. Alle Preisangaben ohne Gewähr. Produktverfügbarkeiten und Preise können im DACH-Raum variieren. Quelle: Naturschutzbund, KOSMOS Verlag, und eigene Recherche. Artikelbild: Gemeine Stechmücke (Culex pipiens). Foto kuratiert von ihorhvozdetskiy via Adobe Stock.]