Wildblumen im eigenen Garten: So klappt’s am besten

Wildblumen im eigenen Garten

Dass Insektenschutz wichtig für das gesamte Ökosystem und damit auch uns Menschen ist, hat sich längst herumgesprochen. Nur: Wie lassen sich neue, artenreiche Wildblumenoasen anlegen – und dann auch noch nachhaltig zum Blühen bringen? Der Biologe Tom Strobl, der sich auf den Schutz von Wildbienen spezialisiert hat, erklärt, wie nahezu jeder mit geringem Aufwand ökologische Vielfalt säen kann.

Die gute Nachricht ist: Es braucht gar nicht viel, um mit einer eigenen Blühfläche aktiv etwas für Wildbienen und andere Insekten zu tun.

»Am besten geeignet sind eine Ecke im Garten oder ein großer Topf auf dem Balkon, eine hochwertige Wildblumen-Saatmischung und Geduld«, sagt Wildbienenexperte Tom Strobl. Denn die Samen brauchen Zeit, um anzukommen: »Im ersten Jahr nach der Aussaat wächst an der Stelle eigentlich nur Beikraut wie Löwenzahn, das kurzgehalten werden sollte«, so Strobl. Bis zum Herbst zeigten sich am Boden dann erste Blätter und Rosetten der aufgehenden Wildblumen. »Aus ihnen werden im darauffolgenden Frühjahr die ersten Blumen.« Das gelte übrigens für alle mehrjährigen Wildblumen.

Zwischen September und Oktober können die Saaten gut ausgebracht werden. Durch die niedrigeren Temperaturen und das feuchtere Klima können die Samen bereits im Herbst mit der Keimung beginnen und haben im Frühling einen schnelleren Start. Wer mit der Aussaat noch etwas warten möchte, bringt sie am besten im Frühjahr nach den letzten Frösten aus.

Das Warten lohnt sich – auch für Bienen

Dafür haben »Wildblumengärtner« aber auch länger etwas davon. Und nicht nur sie: Sind die Kräuter und Blumen einmal am Standort angekommen (am besten in einer stabilen Pflanzengesellschaft mit anderen Arten), dann blühen sie meist gleich mehrere Jahre lang. Das sei nicht nur optisch eine Bereicherung, betont Tom Strobl: Denn Wildbienen und andere Insekten bohren gern Löcher in abgestorbene, markhaltige Stängel, um dort ihre Eier abzulegen, wo sie überwintern.

Nicht nur Wildbienen und Schmetterlinge, sondern auch andere Insekten wie dieser Zottige Bienenkäfer (Trichodes alvearius) freuen sich über Wildblumen in deinem Garten
Nicht nur Wildbienen und Schmetterlinge, sondern auch andere Insekten wie dieser Zottige Bienenkäfer (Trichodes alvearius) freuen sich über Wildblumen in deinem Garten

Vier schnelle Tipps für Einsteiger

  1. Gute Mischung wählen: Start mit hochwertigen Mischungen (regional, genetisch vielfältig, ursprünglich, mit Früh-, Mittel- und Spätblühern).
  2. Mehrjährigkeit bevorzugen: Viele Arten wie Witwenblume, Margerite & Co. blühen zuverlässig Jahr für Jahr. Du musst also nicht laufend neues Saatgut kaufen.
  3. Auch »Wildes« braucht Pflege: Boden für Aussaat vorbereiten, regelmäßig Säuberungsschnitte durchführen und Beikraut entfernen, um Platz für langsamer wachsende Pflanzen zu schaffen.
  4. Geduld mitbringen: Wildblumen sind langsam, aber treu. Wer sie einmal etabliert, hat viele Jahre Freude und summende Gäste.

Wissenschaftlich basiertes Monitoring

Biologe Strobl forscht dazu seit Jahren: Der Mitbegründer von Wildbiene + Partner setzt sich mit Unterstützung von Experten und einer inzwischen internationalen Community für die Anlage neuer Lebensräume sowie die Verbreitung von Wildbienen-Nisthilfen ein und fördert sogar ein wissenschaftliches Pflanzen-Monitoring.

Im Rahmen der 2022 ins Leben gerufenen Beegnetten-Initiative, bei der jedermann einen Beitrag zum Schutz und zur Förderung der Biodiversität leisten kann, konnten Strobl und seine Mitstreiter bereits über 14.000 Quadratmeter wertvolle Blühflächen für Wildbienen und andere Insekten schaffen:

»Wir erfassen, was dort wächst und blüht, welche Pflanzen besonders produktive Gemeinschaften bilden.« Dabei werden auch die Effekte auf Wildbienen beobachtet: Welche Arten siedeln sich in der Nähe welcher Wildpflanzen an? »Das Monitoring hilft uns, jede Fläche wissenschaftlich fundiert weiterzuentwickeln, damit echte Wirkung für die Artenvielfalt entstehen kann.«

Biologe Tom Strobl weiß, wie du Pflanzen und Insekten glücklich machst
Biologe Tom Strobl weiß, wie du Pflanzen und Insekten glücklich machst

Saatgut ist nicht gleich Saatgut

Wie aber kommen Klein- und Hobbygärtner, Balkonbesitzer und Wildblumenfreunde nun an ihr Saatgut, um selbst eine Oase für Wildbienen anzulegen?

»Es gibt inzwischen gute Mischungen mit bis zu 30 verschiedenen Pflanzenarten in einem Tütchen. Wer diese auf zwei bis drei Quadratmetern aussät, erhält mit der Zeit eine richtig bunte Blühfläche«, sagt Strobl. Er empfiehlt allerdings, bei der Wahl der Mischung Wert auf Qualität zu legen: Eine Wiesenblumen-Mischung aus dem Supermarkt macht noch lange keine ökologisch wertvolle Wildblumenwiese.

Die Mischung macht’s!

Strobl achtet bei der Auswahl von Saaten für die Anlage neuer Blühflächen darauf, dass sie regional gewonnen und daher an den Standort angepasst, genetisch vielfältig und ursprünglich sind sowie zeitlich versetzt zur Blüte kommen, also Früh-, Mittel- und Spätblüher enthalten.

Die sorgfältige Auswahl und ein bisschen Pflege zahlen sich für Insekten und Betrachter aus: Durch eine bunte Blütenpracht, die von Frühjahr bis Herbst Nahrung für Insekten bietet. »Schon eine einzige Wildblume kann für viele verschiedene Insekten wertvoll sein«, betont Strobl.

Auch Wildbiene + Partner bietet tolle Samenmischungen für Wildbienen und Co. an
Auch Wildbiene + Partner bietet tolle Samenmischungen für Wildbienen und Co. an

Über Wildbiene + Partner

Wildbiene + Partner ist ein in der Schweiz und in Deutschland beheimatetes Unternehmen, das seit 13 Jahren als Vorreiter im Bereich der Biodiversitätsförderung und des Schutzes von Wildbienen agiert. Das Unternehmen befähigt Menschen und Unternehmen, die Artenvielfalt zu fördern und die ökologische Infrastruktur wiederherzustellen, indem es ihre Leidenschaft für Wildbienen teilt und spannende reale und digitale Erlebnisse mit der Natur schafft. Ihre Vision: »A buzzing world for all – Bring die Natur zum Summen.«

Nützliche Links

Sissis Resümee

Du siehst: Aller Anfang ist leicht! Wichtig ist allerdings, dass du auf die richtige Bodenbeschaffenheit für deine Wildblumen achtest. Es genügt nämlich nicht, einfach eine bunte Samenmischung auf deinem Rasen zu verteilen und das Beste zu hoffen. Ganz so einfach ist es dann leider doch nicht.

Um einen Boden für Wildblumensaatgut vorzubereiten, entfernst du zuerst die Grasnarbe und alle unerwünschten Beikräuter und lockerst dann den Boden auf. Da Wildblumen magere Böden bevorzugen, arbeitest du idealerweise Sand oder Kies ein, um nährstoffreiche Böden abzumagern. Leider wusste ich das anfangs nicht und habe mich gewundert, warum meine Wildpflanzen auf der »Kummerwiese« im unteren Gartenumschwung immer wieder verschwanden …

Anschließend muss der Boden geebnet, verdichtet und zu einem feinen, krümeligen Saatbett verarbeitet werden. Dann kannst du dein Saatgut aussäen, gut befeuchten und gegebenenfalls mit einer dünnen Schicht Erde bedecken, um es vor hungrigen Vögeln oder kleinen Krabblern wie den Feuerwanzen zu schützen – die naschen gar zu gern an Samen!

Verzichte unbedingt auf Dünger und Mulch! Denn beide führen deinem Gartenboden Nährstoffe zu, die Wildpflanzen überhaupt nicht brauchen. Und vergiss bitte nicht, dass das erfolgreiche Anlegen einer Wildblumenwiese Geduld erfordert. Oft zeigen sich die schönsten Ergebnisse erst nach einigen Jahren.

Ein Tipp zum Schluss, der sich auch für die anstehende Weihnachtszeit eignet: In meinem Beitrag »Samenbomben selber machen« bekommst du nicht nur das Rezept für selbst gemachten Samenbomben, sondern findest auch eine Liste mit 100 Pflanzen, die sich für Samenbomben eignen, darunter viele einheimische Wildpflanzen, aber auch Kräuter und Wildgemüse.

Wir sehen uns im Garten!

XOXO

Sissi

[Quellen: Wildbiene + Partner via TrendXpress und eigene Recherche. Artikelbild: yanadjan via Adobe Stock.]