Wespenspinnen breiten sich aus
Die wärmeliebenden Wespenspinnen haben jetzt Hochsaison und breiten sich aufgrund der Klimakrise mehr und mehr in unseren Gefilden aus. Ihr gestreiftes Kleid ist namengebend, doch trotz ihrer auffälligen Erscheinung ist diese unverwechselbare Spinnenart für uns Menschen ungefährlich: Ihre Giftklauen sind im Normalfall zu kurz, um die menschliche Haut zu durchdringen. Leider wissen wissen wir über diese faszinierende Art noch viel zu wenig, es lohnt sich also, sich näher mit ihr zu beschäftigen!
Wespenspinnen (Argiope bruennichi) sind Echte Radnetzspinnen, deren Weibchen wegen ihres markant gelb-weiß-schwarz gestreiften Hinterleibs (Opistosoma) an eine Wespe erinnern. Der lateinische Name der gestreiften Spinne leitet sich vom Namen der mythologischen Figur »Argiope« (= die Frau mit dem weißen Gesicht) her. Grund dafür: Der auffällig silbrig-weiße Vorderleib (Prosoma) der Spinne.
Wo du Wespenspinnen findest
Ursprünglich stammt die Art aus der Mittelmeerregion. Doch mit den stetig wärmer werdenden Temperaturen hat sie sich bereits seit den 1930er Jahren – in den vergangenen Jahrzehnten rasant – nach Norden hin ausgebreitet und ist mittlerweile in ganz Mitteleuropa heimisch. Doch nicht nur klimatische Veränderungen, auch genetische Anpassungen erlauben Wespenspinnen diesen Vormarsch.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz findet man die Spinne prinzipiell in allen unbewaldeten Lebensräumen, sie bevorzugen sonnige, offene Flächen mit niedriger Vegetation wie beispielsweise Ackerrandstreifen, Böschungen, Feuchtwiesen oder Trockenrasen. Durch ihre hohe Anpassungsfähigkeit und Hitze- sowie Trockenheitsresistenz nehmen die Populationen dieser spannenden Art stetig zu.
Die Weibchen der Wespenspinne sind nur etwa etwa 15 Millimeter groß und tragen das namengebende gelb-weiß-schwarze Streifenkleid am Hinterleib. Ihre Beine sind gelblich und haben dunkle Ringe, ihr Vorderleib ist silbrig-weiß behaart. Die nur etwa fünf Millimeter großen Männchen sind weitaus unscheinbarer und daher auch schwerer zu entdecken: Ihre Beine sind zwar ebenfalls geringelt, doch ihr Hinterleib ist verwaschen gelblich-braun gemustert.

Was Wespenspinnen fressen
Wespenspinnen sind nicht gerade wählerisch: Sie fressen von Heuschrecken über Schmetterlinge bis hin zu kleinen Fliegen eigentlich alles. Ihre Beute fangen sie in ihren beeindruckenden, bodennahen Radnetzen, die typischerweise ein gesponnenes Zick-Zack-Band – sogenannte Stabilimente – aufweisen. Sie wickeln dabei ihre Beute je nach Größe zunächst in einen Kokon ein und überwältigen diese dann mit ihrem Giftbiss.
Jungtiere und Männchen legen mitunter kreisförmige oder unvollständige Stabilimente an, die jedoch nicht der Netzstabilität dienen. Vielmehr dienen sie der Spinne als »Multifunktionswerkzeug«, dessen Form je nach Umweltbedingungen und physiologischem Zustand variieren kann.
Die Funktionen der Stabilimente sind noch nicht komplett wissenschaftlich erforscht, könnten aber unter anderem der Tarnung der Spinne, dem Anlocken ihrer Beute, der Aktivierung der Spinndrüsen für das Einwickeln von Beutetieren, der Speicherung von hochwertigen Proteinen – insbesondere während der Häutung – und sogar dem Sammeln von Trinkwasser dienen.

Wie sich Wespenspinnen vermehren
Für gewöhnlich balzen die Männchen ab Ende Juni an den Netzen der Weibchen, indem sie an den Netzrändern zupfen und sich dem Weibchen nähern. Ist dieses paarungsbereit, bleibt es ruhig und hebt den Körper leicht an. Kommt es zur Kopulation, beginnt das Weibchen manchmal, das Männchen einzuspinnen – in etwa siebzig Prozent der Fälle endet das tödlich. Nur wenn das Männchen innerhalb von zehn Sekunden flieht, kann es überleben.
Im Spätsommer bauen die Weibchen braune, kugelförmige Ei-Kokons – im Volksmund auch »Tabaksbeutel« genannt – und sterben danach. Die Jungspinnen überwintern im Kokon und schlüpfen im Frühjahr, die Art ist somit einjährig.

Mehr über Wespenspinnen erfahren
Um die aktuelle Verbreitung und Populationsdichte in Erfahrung zu bringen, werden möglichst vielfältige Daten benötigt. Deshalb lädt der österreichische Naturschutzbund gemeinsam mit seiner Spinnenexpertin Maria Zacherl dazu ein, Spinnenbeobachtungen der unverwechselbaren Achtbeinerin auf www.naturbeobachtung.at oder der gleichnamigen App via Foto zu teilen. Die Wespenspinnen-Saison ist bereits in vollem Gange – also Handy zücken und Bilder hochladen. Jede Meldung hilft!

Sissis Resümee
Ich finde Wespenspinnen wunderschön und erinnere mich gut daran, wie es war, »mein« erstes Exemplar zu entdecken. Das war damals noch in meiner Anfangszeit in München, ist also schon sehr lange her. Damals wusste man nur wenig über diesen hübschen Achtbeiner und ich musste lange googeln, um Informationen über die Art im Netz zu finden. Gemeldet habe ich sie damals auch, allein schon, um sicherzugehen, dass es sich nicht um eine invasive exotische Art handelt, die Mensch und Tier gleichermaßen gefährlich werden könnte.
Zum Glück sind Wespenspinnen harmlos und so hatte ich seinerzeit viel Freude daran, die weibliche Radnetzspinne im Laufe der Jahreszeiten zu beobachten – das war sehr spannend!
Heutzutage ist es wesentlich einfacher, exotisch anmutende Spinnen oder auch Insekten im Internet zu bestimmen. Allein schon die übersichtlichen Antworten von Google AI Overviews sind eine wertvolle Hilfe, um die passenden Plattformen von BUND, NABU, Naturschutzbund oder Pro Natura mit tiefergehenden Informationen zu finden. Du musst diese Links dann nur noch anklicken …
Auf jeden Fall macht es Sinn, dich erst einmal zu informieren, bevor du Kinder und Haustiere wegsperrst oder gar mit dem Schlappen auf eine kleine unschuldige Spinne einschlägst, wie ich es unlängst beim Spazierengehen beobachten musste. Und auch, wenn die Wespenspinne in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht geschützt ist, ist das noch lange kein Grund sie zu töten, oder?
Wir sind hier nicht in Australien, wo gefühlt jedes Tier hochgiftig ist, sondern leben im Herzen Europas. Und da sind die meisten Tierchen eher harmlos – und mögen sie auch noch so gefährlich aussehen. Am gefährlichsten sind immer noch die Zweibeiner, das sollten wir nicht vergessen.
Wir sehen uns im Garten!
XOXO
Sissi
[Quelle: Naturschutzbund und eigene Recherche. Artikelbild: Weibliche Wespenspinne (Argiope bruennichi). Foto kuratiert von Lothar Lenz via Adobe Stock.]