Bezoarziegenbock (Capra aegagrus cretica)

Tierpark Bern – Wilde Herzen im Wald

Eisige Luft brennt in meinen Lungen. Mein Atem steigt als weiße Wolke in den grauen Winterhimmel. Neben mir vergräbt meine Freundin Bisera ihre Hände tief in den Jackentaschen. Wir stehen am Ufer der Aare. Das Wasser rauscht kraftvoll und türkisblau an uns vorbei. Der Frost überzieht die nackten Äste der Bäume mit einer feinen, glitzernden Kruste. Wir frieren ungemein, doch unsere Augen leuchten. Unser Ziel liegt direkt vor uns im dichten Wald verborgen: Der Tierpark Bern erwartet uns.

Das Konzept dieses Ortes fesselt mich sofort. Die Devise lautet seit Jahren schlicht und ergreifend: Mehr Platz für weniger Tiere. Das spürst du bei jedem einzelnen Schritt. Keine engen Betonkäfige verstellen hier den Blick. Stattdessen verschmelzen die Gehege nahezu unsichtbar mit der natürlichen Waldlandschaft des Dählhölzli. Du spazierst durch einen echten, atmenden Forst. Zwischen alten Eichen und knarrenden Tannen entdeckst du die tierischen Bewohner. Mutter Natur liefert die perfekte Architektur.

Die klirrende Kälte stört die Tiere keineswegs. Im Gegenteil! Sie wirken munter, strotzen vor Gesundheit und beobachten uns voller Energie. Jedes Geschöpf begegnet den Besuchern mit einer wachen Aufgeschlossenheit. Keine Spur von Lethargie oder winterlicher Trägheit trübt das Bild. Das dicke Winterfell schützt die Nordlichter unter ihnen perfekt. Bisera lacht, als ein neugieriger Seehund seinen Kopf aus dem eiskalten Wasser streckt. Dieser Besuch wärmt unsere Herzen trotz der Minusgrade spürbar auf.

Weg am eisblauen Wasser

Deine Anreise gestaltet sich erfreulich unkompliziert. Der Tierpark liegt wunderbar zentral und dennoch mitten im Grünen. Du erreichst das Gelände bequem ab dem Hauptbahnhof Bern mit dem städtischen Bus der Linie 19 Richtung »Elfenau«. Einen Teil der Strecke kenne ich schon, denn ich habe diesen Bus auch benutzt, als ich letzten Sommer zur Deutschen Botschaft Bern fahren musste, um meinen Personalausweis zu verlängern. Der Bus bringt dich bis zur Haltestelle »Tierpark«. Dort biegst du rechts in die Thormannstrasse ein und gehst wenige Minuten durch den Wald bis zum Haupteingang.

Ich empfehle dir jedoch einen anderen Weg: Starte deinen Ausflug am berühmten BärenPark nahe der Berner Altstadt. Von dort aus spazierst du entspannt etwa zwanzig Minuten flussaufwärts direkt an der Aare entlang. Der reißende Fluss weist dir den Weg, während der erdige Uferpfad weich unter deinen Sohlen federt. Das Rauschen des Wassers blendet den Lärm der Stadt binnen Sekunden aus. So lässt du den Alltag weit hinter dir.

Der BärenPark und der gesamte Teil des Zoos direkt am Uferlauf der Aare sind frei zugänglich. Dort tummeln sich bereits die ersten Tiere. Du entdeckst stolze Alpensteinböcke, die gewandt über Felsen klettern. Auch Gämsen, Fischotter und Wildschweine kannst du beobachten. Ein Stück weiter putzen mächtige Krauskopfpelikane ihr dichtes Gefieder am eisigen Ufer. Sie trotzen der Kälte mit einer erstaunlichen Ruhe.

Kurz darauf siehst du auch schon den Kinderzoo mit verschiedenen zutraulichen Nutztieren. Der Eingang in den Tierpark Bern liegt unmittelbar daneben, entlang des Weges in den Wald. Dieses naturnahe Stück Weg kostet dich übrigens keinen einzigen Rappen!

Für den eigentlichen Waldzoo kaufst du dann eine Eintrittskarte. Erwachsene zahlen elf Franken. Kinder ab sechs Jahren erkunden den Tierpark Bern für sieben Franken, die Allerkleinsten kommen kostenlos in den Genuss. Die Preise verstehen sich inklusive freiwilligem Naturschutzfranken, der Rest des Eintrittsgeldes fließt direkt in das Wohl der pelzigen, schuppigen und gefiederten Bewohner.

So nah war ich einem Krauskopfpelikan noch nie
So nah war ich einem Krauskopfpelikan noch nie
Steinböcke gönnen sich gern mal ein Nadelbäumchen
Steinböcke gönnen sich gern mal ein Nadelbäumchen
Ist diese Kretische Wildziege nicht niedlich?
Ist diese Kretische Wildziege nicht niedlich?
Bisera und ich sind uns einig, dass solch ein Wildschwein eine tolle Hilfe bei der Gartenarbeit wäre
Bisera und ich sind uns einig, dass solch ein Wildschwein eine tolle Hilfe bei der Gartenarbeit wäre

Giganten im dichten Unterholz

Wir betreten den kostenpflichtigen Bereich, drehen eine erste Runde und tauchen dann tief in den Wald ein. Der Geruch von feuchter Erde und Kiefernnadeln strömt in meine Nase. Der Boden knirscht leise unter unseren Winterstiefeln. Dann bleiben wir ehrfürchtig stehen. Vor uns öffnet sich das riesige Revier des Europäischen Bisons, der fünf Hektar große WisentWald. Die massigen Rinder flößen mir sofort enormen Respekt ein. Ihr braunes Fell hängt dicht und zottelig herab. Dampf steigt aus ihren Nüstern auf. Sie schnauben leise und kauen genüsslich an dicken Ästen. Die beiden 2025 geborenen Jungtiere spielen miteinander.

Das Gehege wirkt schier endlos. Es gleicht einer riesigen, unberührten Waldlichtung, über der eine 250 Meter lange Holzbrücke schwebt. Diese führt uns drei bis vier Meter über dem Waldboden ins Zentrum der Anlage. Die Tiere bewegen sich völlig frei zwischen den Bäumen. Hier zeigt der Berner Tierpark seine größte Stärke. Er hält die Wisente zu einem bestimmten Zweck. Die Fachleute züchten diese majestätischen Rinder nämlich gezielt für die Auswilderung in Reservaten. Der Zoo schickt die in Bern geborenen Tiere in osteuropäische Wälder. Dort begründen sie neue wilde Herden. Dieser Gedanke berührt mich tief. Der Zoo fungiert als Lebensretter für eine fast ausgestorbene Art.

Lange beobachten wir die Herde. Ich staune vor allem über ein besonders gewaltiges Tier, das wohl locker 500 bis 600 Kilo auf die Waage bringt. Es kratzt seinen mächtigen Nacken an einer alten Eiche. Die Rinde splittert krachend. Pure Kraft entlädt sich direkt vor meinen Augen. Neben den Wisenten lebt eine Rothirschherde im Berner WisentWald, diese treffen wir allerdings erst später am Tag.

Sonntags darf man schon mal im Laub lümmeln, oder?
Sonntags darf man schon mal im Laub lümmeln, oder?
Wisente leben in kleinen Herden von bis zu 20 Tieren, die von einer Leitkuh angeführt werden
Wisente leben in kleinen Herden von bis zu 20 Tieren, die von einer Leitkuh angeführt werden
Bei der Geburt wiegen Wisentkälbchen bereits zwischen 24 und 28 Kilogramm
Bei der Geburt wiegen Wisentkälbchen bereits zwischen 24 und 28 Kilogramm
Spielen macht müde und so legt sich das kleinste Kälbchen wieder hin
Spielen macht müde und so legt sich das kleinste Kälbchen wieder hin
Wisente zeigen ein interessantes Sozialverhalten
Wisente zeigen ein interessantes Sozialverhalten

Graue Jäger im Reich der Bären

Unser Weg führt uns danach in Richtung Wolf-BärenWald. Hier erleben wir die wohl charmanteste Idee, die ich je in einem Zoo erlebt habe. Denn die eigentlichen Hausherren der Anlage schlafen um diese Jahreszeit tief und fest – die beiden Ussurischen Braunbären halten ihren wohlverdienten Winterschlaf. Sie ruhen völlig entspannt in ihren dunklen, warmen Höhlen, verborgen vor unseren menschlichen Augen. Doch ihr großes, abwechslungsreich strukturiertes Gehege am Hang der Aare bleibt keineswegs leer! Der Tierpark Bern beweist enorme Kreativität und öffnet seit 2019 die Anlage auch für das Wolfsrudel. Mittels eines bärensicheren Durchgangs gelangen sie in den BärenWald, eine rundum gelungene Gemeinschaftshaltung.

Diese Idee bezaubert mich. Die beige-grauen Jäger streifen völlig ungestört durch das reich strukturierte, naturnahe Gelände. Sie nutzen den Raum vollkommen aus, schnüffeln an den kahlen Sträuchern und beobachten neugierig die Besucher. Ihre gelben Augen blitzen wachsam auf, als sich ein paar Krähen auf einem toten Baumstamm niederlassen. Die Tiere wirken unfassbar entspannt und zugleich hellwach.

Plötzlich trabt ein großer Wolf direkt an die dicke Glasscheibe heran. Er blickt mir geradewegs in die Augen. Sein Blick durchdringt mich bis ins Mark. Für den Bruchteil einer Sekunde vergesse ich die Kälte, die Menschen um mich herum, den nahen rauschenden Fluss. Ich spüre den Drang, den Wolf zu berühren. Am liebsten würde ich direkt zu den Wölfen ins Gehege steigen und mit ihnen durch das raschelnde Unterholz laufen. Bisera zieht mich sanft am Ärmel weiter, ihr ist kalt. Der Zauber bleibt.

Zwei der Wölfe, durch Glas fotografiert
Zwei der Wölfe, durch Glas fotografiert

Artenvielfalt unter weiten Kronen

Der Tierpark Bern beherbergt insgesamt etwa 230 verschiedene Tierarten. Du findest hier keine Elefanten, keine Giraffen und keine Löwen. Der Zoo konzentriert sich auf die europäische Tierwelt und Arten aus ähnlichen Klimazonen. Das macht den Besuch unglaublich authentisch.

In den sogenannten Nordischen Anlagen siehst du neben den schon genannten Tieren zottelige Moschusochsen, charmante Papageitaucher, süße Seehunde sowie Persische Leoparden und viele andere mehr. Je nach Jahreszeit beobachtest du mit ein bisschen Glück auch flinke Fischotter, die pfeilschnell durch das Wasser jagen. Wir entdecken einen Eurasischen Luchs, der auf einem hohen Ast döst. Sein geflecktes Fell verschmilzt optisch fast völlig mit der rauen Rinde des Baumes. Die scheue Wildkatze machen wir nur mit Mühe aus, es ist ihr typischer buschiger Schwanz, der sie schließlich verrät.

Jedes Gehege bietet den Tieren zahlreiche Rückzugsorte. Manchmal musst du Geduld mitbringen und genau hinschauen. Die Tiere präsentieren sich hier nicht auf dem sprichwörtlichen Präsentierteller. Sie leben ihr natürliches Leben. Wenn du ruhig stehst und lauschst, entdeckst du sie ganz sicher. Ein Rascheln im Laub verrät den kräftigen Vielfraß. Ein leises Fiepen lenkt deinen Blick direkt auf die drolligen weißen Polarfüchse. Diese Art der Tierbeobachtung fordert dich heraus. Sie belohnt dich dafür mit absoluter Authentizität.

Im Juni 2025 wurden 40 Larven und 90 adulte Nashornkäfer ausgewildert, damit sie in Bern wieder heimisch werden
Im Juni 2025 wurden 40 Larven und 90 adulte Nashornkäfer ausgewildert, damit sie in Bern wieder heimisch werden
Diese Zwergmaus lebt mit ihren Gefährten in einem schönen Gehege
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Fotografische Herausforderung: Flinke Moorenten
Fotografische Herausforderung: Flinke Moorenten
Ohne Schnee fällt die Schneeeule im Wald sofort ins Auge
Ohne Schnee fällt die Schneeeule im Wald sofort ins Auge
Majestätischer Anblick: Persischer Leopard
Der Persische Leopard ist ein majestätischer Anblick
Die Seehunde sind viel zu flink für meine halbgefrorene Kamera
Die Seehunde sind viel zu flink für meine halbgefrorene Kamera

Wärmende Oase in der Eiszeit

Wenn dir die winterliche Kälte zu stark zusetzt, bietet das Vivarium tief im Herzen des Tierparks eine rettende Insel der Wärme. Du betrittst das Gebäude und wechselst augenblicklich den Kontinent. Feuchtwarme Tropenluft umhüllt uns, meine Brille beschlägt. Brillenpinguine schnellen wie Torpedos durch ihr tiefes Wasserbecken. Bunte Pfeilgiftfrösche leuchten wie lebendige Juwelen im dichten Grün ihrer Terrarien. Direkt daneben lauern perfekt getarnte Schlangen, Warane und Krokodile. Kleine Krallenaffen turnen flink über dünne Äste. Dieser starke Kontrast zur eisigen Waldlandschaft draußen belebt deine Lebensgeister sofort. Du taust langsam auf, bevor du dich mutig wieder in das winterliche Abenteuer stürzt.

Doch bevor wir uns wieder nach draußen wagen, lockt uns ein leises Plätschern weiter: Drei großzügige Wasserlandschaften ziehen uns unvermittelt in die tiefen Unterwasserwelten des Amazonas, eines Riffs und wilder Mangroven. Hier lassen wir uns von den Vieraugen bezaubern, einer lebendgebärenden Zahnkarpfenart, die es mir so angetan hat, dass ich ihr einen eigenen Beitrag widmen werde. Vieraugen beherrschen ein echtes Kunststück: Sie fokussieren ihre Umgebung über und unter der Wasseroberfläche gestochen scharf. Außer einer Froschart teilt kein anderes Wirbeltier auf diesem Planeten dieses seltene Talent.

Wir versuchen, die lustig aussehenden Oberflächenfische zu fotografieren, doch sie sind zu flink, um sie mit der Kamera einzufangen. Bisera hat beim Filmen ein bisschen mehr Glück. Beide sind wir uns einig: Diese Fische sind »fufu!« (süß, niedlich, herzallerliebst).

Schuppiges Stelldichein am Felsen
Schuppiges Stelldichein am Felsen
Der Stirnlappenbasilisk schenkt mir einen misstrauischen Blick
Der Stirnlappenbasilisk schenkt mir einen misstrauischen Blick
Neben Goliathkäfern, Mistkäfern und anderen exotischen Insekten pflegt der Tierpark Bern auch hübsche Rosenkäfer
Neben Goliathkäfern, Mistkäfern und anderen exotischen Insekten pflegt der Tierpark Bern auch hübsche Rosenkäfer

Wildnis mit Bestnote

Mein positiver Eindruck deckt sich übrigens exakt mit den strengen Bewertungen der Experten. Der Schweizer Tierschutz STS prüft Zoos regelmäßig auf Herz und Nieren. Die strengen Prüfer loben den Tierpark Bern immer wieder als beispielhaft. Die großen, naturnahen Anlagen schneiden in den Berichten stets hervorragend ab. Die Fachleute heben unter anderem die tiergerechte Beschäftigung lobend hervor. So verstecken beispielsweise die Tierpfleger das Futter clever im Gelände. So ermöglichen sie es den Bewohnern, für ihre Nahrung zu »arbeiten«. Das hält den Körper und den Geist der Wildtiere gesund.

Diesen hohen Anspruch ans Tierwohl spürst du überall auf dem Gelände. Du siehst hier kein stereotypes Verhalten. Kein Tier läuft stumpf an einem massiven Gitter auf und ab. Die Wölfe spielen, die Wisente interagieren, die Vögel fliegen munter in großzügigen Volieren. Der Tierpark Bern nimmt auch seine erzieherische Aufgabe sehr ernst. Aufdringliche Schilder oder laute Bildschirme suchst du vergebens. Stattdessen vermitteln gut platzierte, unaufdringliche Informationen das nötige Wissen. Und das oft sogar mit einer feinen Prise Humor. So lernst du fast nebenbei etwas über die Besonderheiten der Tiere und warum wir Tier und Natur dringend schützen müssen.

Esel im Kinderzoo
Zwergesel im Kinderzoo
Ich mag die freche Frisur dieses Alpakas
Ich mag die freche Frisur dieses Alpakas
Sein Gefährte trägt die Haare eher platt
Sein Gefährte trägt die Haare eher platt
In der Ostschweiz werden Appenzeller Spitzhauben auch »Tschüpperli« genannt
In der Ostschweiz werden Appenzeller Spitzhauben auch »Tschüpperli« genannt
Den Diepholzer Gänsen taugt es allerdings gar nicht, den Salat teilen zu müssen
Den Diepholzer Gänsen taugt es allerdings gar nicht, den Salat teilen zu müssen
Ich frage mich, ob die norddeutschen Weidegänse das Bärndütsch ihrer Tierpfleger verstehen
Ich frage mich, ob die norddeutschen Weidegänse das Bärndütsch ihrer Tierpfleger verstehen

Auftauen, schlemmen, stöbern

Nach drei Stunden in der eisigen Kälte verlangt der Körper nach Wärme. Meine Finger kribbeln heftig. Biseras Nase leuchtet dunkelrot. Zum Glück bietet der Tierpark Bern verschiedene Möglichkeiten zur Einkehr. Direkt am Ufer der Aare liegt das »Restauran Dählhölzli«. Von dort aus kannst du durch die großen Fenster auf den türkisblauen Fluss blicken. Sehr malerisch! Der Gedanke, den warmen Gastraum zu betreten, ist verlockend. Doch zufällig weiß ich, dass das Restaurant von der Kappeler Gastro AG betrieben wird, die wiederholt wegen angeblich schlechter Arbeitsbedingungen in die Schlagzeilen geriet. Nö, das muss ich nicht haben!

Stattdessen zieht es uns nach einem kurzen Abstecher zum Aufwärmen im Vivarium zum »Eulen Bistro«, wo leckere Speisen und Getränke aus der Region auf uns warten. Die beheizte Jurte ist leider rappelvoll. Kein Wunder an diesem kalten Wintertag! Spontan entscheiden wir uns, auf der Sonnenterrasse mit Blick über den ganzen Dählhölzli-Zoo Platz zu nehmen. Bibbernd wärmen wir unsere eiskalten Hände an heißen Punschtassen und verzehren Gipfeli und Fastenwähen. Vor allem letztere schmecken nach dem Spaziergang einfach himmlisch! Dieses für mich neue Hefegebäck muss ich unbedingt nachbacken.

Theoretisch hätten wir uns auch in die »Cafetta-Ecke« im Vivarium setzen können. Dort bekommst du an modernen Automaten Kaffee, Tee und weitere Getränke sowie kleine Snacks. Achtung: Hierfür benötigst du entweder eine Karte oder TWINT! Leider entdecken wir diese Ecke erst, als unsere kulinarischen Bedürfnisse bereits gestillt sind. Aber das Sitzen auf der Terrasse war auch sehr fein.

Hartgesottene nutzen vielleicht lieber den Grill- und Brätliplatz neben der Wolfanlage. Wie auf vielen Grillplätzen in der Schweiz ist das Grillen mitgebrachter Speisen kostenlos, sogar das Feuerholz liegt parat. Wer nach dem Besuch im Tierpark Bern zum Berner Bärengraben schlendert, findet in der Gasthausbrauerei »Altes Tramdepot« eine großartige Alternative zum Frieren am Feuer. Das Lokal braut eigenes Bier und serviert herzhafte Gerichte – unbedingt einen Besuch wert!

Auch für Andenken sorgt der Zoo: Neben dem Kinderzoo wartet ein kleiner Zooshop mit allerlei »tierischen« Geschenkartikeln auf Besucher. Wir kaufen allerdings nichts, obwohl der Erlös vollumfänglich den Tieren des Tierparks Bern zugute kommt. Im Moment brauchen wir weder Plüschtiere noch Schlüsselanhänger oder Papeterie-Artikel. Einen süßen Holzbleistift habe ich mir schon vor ein paar Wochen im Walter Zoo gegönnt.

Der Winter als heimlicher Favorit

Viele Menschen besuchen zoologische Gärten bevorzugt im Hochsommer. Auch ich folgte früher stur dieser Tradition. Nach diesem himmlisch eiskalten Sonntag bewerte ich das als großen Fehler. Der Winter offenbart die wahre, raue Schönheit des Berner Tierparks. Das Fehlen der dichten Blätterdächer gewährt dir deutlich tiefere Einblicke in die Gehege. Die nordischen Tiere blühen bei Minusgraden erst richtig auf. Ihr dichtes Winterfell glänzt kräftig in der fahlen Sonne. Sie bewegen sich wesentlich aktiver als an heißen Julitagen. Und die klare, kalte Luft schärft deine Sinne. Jedes Geräusch trägt weiter. Jeder Geruch wirkt intensiver.

Natürlich reizt auch der Frühling, wenn der Wald erwacht und die Jungtiere ihre ersten Schritte wagen. Der Herbst färbt das Dählhölzli in ein spektakuläres Farbenmeer aus reinem Gold und dunklem Rot. Der Sommer bringt kühlen Schatten und frische Brisen vom nahen Fluss. Kurz: Jede Jahreszeit besitzt ihren eigenen, unverwechselbaren Zauber. Doch dieser eisige Sonntag gräbt sich tief in mein Gedächtnis ein. Die ruhige Atmosphäre, das absolute Fehlen von drängelnden Menschenmassen – all das macht den Winterbesuch zu einem hochgradig exklusiven Erlebnis.

Besucher-Logbuch:

  • Standort: Tierpark Bern, Tierparkweg 1, 3005 Bern.
  • Netz: tierpark-bern.ch
  • Zeitfenster: November bis Februar von 9:00 bis 17:00 Uhr, März bis Oktober von 9:00 bis 18:00 Uhr.
  • Eintritt in der Hauptsaison: Erwachsene CHF 11,00 | Kinder (6 bis 15 Jahre) CHF 7,00.
  • Mein letzter Besuch im Walter Zoo: 8. Februar 2026.

Sissis Resümee

Ich verlasse den Tierpark Bern mit einem tiefen Gefühl der Zufriedenheit. Die eisige Kälte weicht einer wohligen inneren Wärme. Dieser wunderbare Ort beweist eindrücklich, wie moderne Tierhaltung heute aussehen muss. Er sperrt die wilde Natur niemals aus. Stattdessen fügt er sich respektvoll und leise in sie ein. Der alte Wald gibt den Rhythmus vor. Die Tiere leben in Würde. Sie agieren als starke Botschafter für ihre wilden Verwandten. Die Begegnungen von heute hallen in mir nach. Das kräftige Schnauben der massigen Wisente. Der forschende Blick des grauen Wolfes. Die fröhlichen Schwimmrunden der Seehunde.

Bisera schlingt ihren Schal enger um den Hals. Langsam spazieren wir zurück in Richtung der Berner Altstadt. Das eisige Wasser der Aare begleitet uns weiterhin treu. Mein Blick fällt zurück auf den dunklen Rand des Waldes. Das Dählhölzli bewahrt ein echtes Stück Wildnis mitten in der menschlichen Zivilisation. Es zwingt dich zur Entschleunigung und lehrt dich das genaue Hinsehen. Du konsumierst hier keine künstlichen Attraktionen. Stattdessen erlebst du echte Naturmomente. Das Konzept des Parks geht vollkommen auf.

Deine Neugier auf einen winterlichen Ausflug ist geweckt? Dann packe dich richtig warm ein! Ziehe dicke Socken und feste Stiefel an. Nimm dir einen ganzen Tag Zeit für diese wunderbare Reise an den Rand der Stadt. Der Tierpark Bern belohnt deinen Mut zur winterlichen Kälte hundertfach. Du tauchst ein in eine Welt, die deinen Respekt für die tierischen Mitgeschöpfe neu entfacht. Die wilden Herzen an der kalten Aare schlagen kräftig. Sie warten nur darauf, dass du ihnen lauschst.

Wir sehen uns draußen!

XOXO

Sissi

[Redaktioneller Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig aktualisiert und ergänzt. Letztes Update: 21. Februar 2026. Artikelbild: Kreta-Bezoarziege (Capra aegagrus cretica). Fotos: Sissi St. Croix.]