Start Life & Style SPIEGEL-Bestsellerautor Michel Ruge startet Bordsteinkönig-Tour

SPIEGEL-Bestsellerautor Michel Ruge startet Bordsteinkönig-Tour

Sissi St. Croix
SPIEGEL-Bestsellerautor Michel Ruge startet Bordsteinkönig-Tour

Michel Ruge, der mit seiner Biografie »Bordsteinkönig – Meine wilde Jugend auf St. Pauli« einen SPIEGEL-Bestseller landete, startet ein neues Projekt direkt in seinem Revier – die Bordsteinkönig-Tour.

Michel Ruge wurde 1969 auf dem Kiez geboren und ist im Heizungskeller eines Stundenhotels aufgewachsen. Den ersten Sex hatte Ruge mit zwölf Jahren im Eros Laufhaus Center. Kein Wunder: Der Großteil seiner Familie war im Milieu tätig. Sein Vater besaß drei Bordelle, seine Mutter kellnerte in einer Bar und seine Tante betrieb eine rund um die Uhr geöffnete Absteige mit angrenzendem Stundenhotel, das »Betten Voss«. Die Bohème der frühen Achtzigerjahre traf sich gemeinsam mit den Rotlichtgrößen und Kleinkriminellen in der Absteige seiner Tante. Ob Raubüberfall, Straßengangschlägereien oder Kommunenleben – Michel Ruges Leben auf St. Pauli gleicht einer Achterbahnfahrt zwischen Dosenravioli und Champagner. Auf den Spuren seiner Kindheit und Jugend erleben Michel Ruges Tourgäste ein einmaliges und fast schon vergessenes St. Pauli.

 

Hamburger Kiez hautnah

Im September 2019 geht es los mit dem literarischen Straßenleben, live, direkt von der Bestsellerliste des SPIEGELS auf die Gassen des Hamburger Kiez. Die Bordsteinkönig-Tour beginnt und endet im kleinen Atelier von Michel Ruge in der Erichstraße. Begleitet von seiner neuesten Ausstellung »Meine kleine Treppe auf St. Pauli« gibt es Champagner und Espresso und Anekdoten von Kiezgrößen, die sich zusammen mit Michel auf den Treppen seines Ateliers zu einem Schnack eingefunden haben, um von den alten Zeiten zu erzählen.

Die zweistündige Bordsteinkönig-Tour führt entlang von Michel Ruges Lebensgeschichte kreuz und quer durch St. Pauli. Die Gäste tauchen ein in die amüsanten und polarisierenden Erlebnisse seiner Kindheit und Jugend. Nach diesem Törn durch sein wildes Leben endet die Tour wieder im Atelier in der Erichstraße bei einem Glas prickelnder Puffbrause, bürgerlichen Zeitgenossen gemeinhin auch als Sekt bekannt.

Professionelle Unterstützung für sein neustes Projekt hat sich Michel Ruge von den Kiezjungs, einem Unternehmen für Stadtführungen geholt. Die Kiezjungs Sven Jakobsen und Michael Gremliza legen ebenso wie Michel Ruge großen Wert auf Authentizität und kennen das Milieu seit über 35 Jahren wie ihre Westentasche.

 

Tourdaten

Die Tour beginnt montags bis sonntags jeweils um 19:00 Uhr in Michel Ruges Atelier in der Erichstraße 17. Dauer: zwei Stunden. Preis pro Person: 29,00 Euro.

 

Sissis Resümee

Wann immer ich Hamburg besuche, gönne ich mir auch einen Bummel über die Reeperbahn, eine der bekanntesten Straßen der Welt. Heute kann ich das als Frau ungefährdet tun, in den »wilden Achtzigern« wäre das vermutlich keine so gute Idee gewesen. Zwar glühen noch immer die – nicht nur – roten Lichter im Rotlichtmilieu, aber das Geschäft mit der Prostitution ist stark zurückgegangen und hat Platz gemacht für Tanzbars, Live-Musik, Kunst und jede Menge Hafenflair. Mit dem Reeperbahn-Festival, dem Schlagermove und den Harley Days gibt es zudem Großveranstaltungen von internationalem Ruf. Unvergessen auch der Besuch in der → Olivia Jones Bar – Drag at its best! Kurz: Nirgends in Deutschland feiert es sich so ausgelassen wie in St. Pauli. Und das nicht selten zum Leidwesen der Ordnungshüter in der berühmten Davidwache …

Hielten früher Prostituierte, brutale Zuhälter und Kneipenschlägereien von Matrosen die Polizei in Atem, sind es heute eher volltrunkene Geschäftsleute und Touristen aus aller Welt, die auf der Reeperbahn ihr Unwesen treiben. Sie alle träumen vom wilden Abenteuer im Rotlichtbezirk und bevölkern allnächtlich die Große Freiheit mit dem Dollhouse, den Hans-Albers-Platz und den Spielbudenplatz. Nicht ohne Grund sind Glasflaschen und Messer auf den Straßen von St. Pauli tabu: Alkohol löst die Hemmungen und nicht immer gehen Streitereien glimpflich aus. Wenn ich so darüber nachdenke, frage ich mich zuweilen, was wirklich schlimmer ist: die Vergangenheit mit ihren oft auch sehr engen familiären Beziehungen der Kiez-Bewohner oder der touristische, alkoholisierte Kommerz von heute. Eine Frage, die jeder Hamburg-Besucher für sich entscheiden muss.

Ich für meinen Teil finde es richtig und wichtig, dass Hamburger Originale wie Michel Ruge ihre Geschichte erzählen. Denn den Kiez verstehen kann nur, wer den Kiez kennt. Und Michel Ruge kennt ihn wie kaum ein zweiter.

XOXO

Sissi

[Quelle: → Kiezjungs und eigene Recherche. Artikelbild: Kai Pilger.]

 

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