Sind Wespen Störenfriede?
Die Grill- und Picknicksaison ist in vollem Gange und wie immer kommen auch ungebetene Gäste – die Wespen. Was man wissen muss: Wespen stechen nur bei akuter Lebensgefahr und sind meist friedfertige Mitbewohner. Ein kleines Plädoyer für die missverstandenen Sommerbegleiter, die für das ökologische Gleichgewicht wichtig sind.
Starten wir mit ein wenig Insektenkunde! Wespen gehören wie Bienen zu den Hautflüglern (Hymenoptera). Es gibt viele verschiedene Wespenarten: Von den Goldwespen (Chrysididae), die aussehen wie winzige fliegende Juwelen, über die Schlupfwespen (Ichneumonidae), von denen viele als Parasitoide ganz natürlich Pflanzen schützen, da sie ihre Fressfeinde parasitieren, die Grabwespen (Spheciformes), die ihre Brutröhren in den Boden graben, bis hin zu den eusozialen, staatenbildenden Faltenwespen (Vespidae), die der breiten Öffentlichkeit als »Wespen« schlechthin bekannt sind.
Wespen stechen nur bei Lebensgefahr
Vor allem die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) und die Deutsche Wespe (Vespula germanica) – beide aus der Gruppe der Faltenwespen – kommen in menschlichen Siedlungsräumen sehr häufig vor. Sie nisten oft in Hohlräumen in der Nähe von menschlichen Behausungen. Ihre Nester findet man aber auch auf Sonnenschirmen, unter Balkonen, in Dachstühlen oder Gartenhütten.
Die Wespenkönigin legt das Nest im Frühjahr an und legt die Eier der Arbeiterinnen in diesem ersten Nest ab. Die Arbeiterinnen vergrößern dann nach dem Schlüpfen der Wespenjungen das Nest und bauen langsam den Staat auf. Wespennesterbauen ist ein enormer Kraftakt: Die Nester bestehen meist aus zerkauten Holz- und Pflanzenfasern.
»Echte Wespen, insbesondere die Gemeine und die Deutsche Wespe, sind wahre Opportunistinnen, was die Nahrungsaufnahme anbelangt: So decken sie ihren hohen Energiebedarf mit einer breiten Nahrungspalette, oftmals auch unseren Lebensmitteln. Die unbeliebten Gäste beim Grillen oder Picknicken haben es dabei besonders auf Süßes und Fleischiges abgesehen, um ihre Energiereserven aufzufüllen und auch Königin und Nachwuchs mit Nahrung zu versorgen«, sagt Naturschutzbund-Expertin Carolina Trcka-Rojas.
Wespen besitzen einen Wehrstachel, den sie einsetzen, wenn sie ihr Nest oder sich selbst bedroht sehen. Das Bilden der Giftstoffe für den Stich kostet die Wespe viel Energie, daher sticht sie nur in für sie lebensbedrohlich wirkenden Ausnahmefällen zu. Allerdings lassen sich Wespen, welche die Nähe zum Menschen gewohnt sind, normalerweise nicht so schnell aus der Ruhe bringen und stechen nicht grundlos zu. Leider ist es für uns Menschen nicht ganz leicht abzuschätzen, wann die Schmerzgrenze des Tieres überschritten wird.

Die nobel zurückhaltende Feldwespe
Nicht alle Wespenarten sind gleichermaßen »aufdringlich« So sind beispielsweise Feldwespen sehr friedfertige Wesen. Sie gehören zur Gattung Polistes und unterscheiden sich nicht nur im Aussehen, sondern auch im Verhalten und der ökologischen Nische von ihren unbeliebten Verwandten. Feldwespen haben einen schlanken Körper und lange Beine. Ihr Aggressionsradius ums Nest ist weitaus kleiner und sie ergreifen schneller die Flucht als ihre Artgenossinnen. Sie bauen offene, wabenförmige Nester ohne schützende Hülle.
»Auch sie wagen sich in die Nähe der Menschen, haben jedoch wenig Interesse an deren Speisen, sind gleichzeitig territorial veranlagt und halten dadurch andere Wespenarten fern«, so Trcka-Rojas.
Warum Wespen wichtig sind
Wespen sind essenziell für das ökologische Gleichgewicht. Sie vertilgen große Mengen an Insekten und sind auch für uns Menschen nützlich, da sie Fliegen, Mücken und Raupen von Pflanzenparasiten erbeuten. Zahlreiche Wespenarten sind stark in ihrem Bestand zurückgegangen. Hauptursachen sind der Verlust von Lebensräumen und die starke Pestizidnutzung. Als besonders bedroht gelten viele Grabwespenarten, so zum Beispiel die Dreiphasen-Sandwespe (Ammophila pubescens), doch auch die Populationen der häufigeren Wespen, unter anderem auch der Hornisse, sind rückläufig.

Wespennest – was nun?
Wespen sind – wie alle Wildtiere im DACH-Raum – geschützt. Ihre Wohn- und Fortpflanzungsstätten dürfen nicht zerstört, die Tiere nicht ohne guten Grund getötet werden. Grundsätzlich kann man ein Wespennest einfach lassen wo es ist, da das Volk spätestens im Herbst abstirbt und das Nest im Normalfall nicht noch einmal bezogen wird.
Reagierst du allergisch auf Insektengifte und/oder befindet sich das Nest in unmittelbarer Nähe zu Hauseingängen oder Fenstern, kannst du eine Genehmigung zur Umsiedelung erbitten oder eine Fachfirma für das Entfernen von Nestern beauftragen.
Der österreichische Naturschutzbund bittet darum, Wespenbeobachtungen in Österreich via Foto auf seiner Citizen-Science-Plattform Naturbeobachtung.at oder auf der gleichnamigen App unter »weitere Insektenarten« zu teilen. Jede Meldung hilft, mehr über diese Tiere zu erfahren und zu ihrem Schutz beizutragen.
Nützliche Links
- Was tun bei Wespen im Garten?
- Wespen: Meist harmlos
- Umgang mit Wespen: Tipps für die friedliche Co-Existenz
- Anlaufstellen für die Nestentfernung in Österreich (PDF)
Sissis Resümee
Der diesjährige Sommer scheint eine ungewöhnliche Ruhe in unseren Garten zu bringen, zumindest was die prominentesten Wespenarten angeht. Gemeine Wespen und Deutsche Wespen, die ich sonst regelmäßig auf unserer Terrasse begrüße, machen sich rar. Die wenigen, die sich doch blicken lassen, scheinen aggressiver als gewohnt zu sein, obwohl ich konsequent darauf achte, keine süßen Speisen oder Getränke im Garten stehen zu lassen. Mahlzeiten finden ohnehin nur noch am Tischchen auf dem Balkon statt – sicher ist sicher!
Kürzlich ertappte ich Wespen beim Knabbern an meinem hölzernen Pflanzkasten, den ich letztes Jahr am Gartenschuppen befestigt habe. Ein relativ intensives, lautes Geräusch, das mich zunächst an eine nagende Maus denken ließ. Was für eine Überraschung, als ich sah, dass die kleinen Architektinnen dabei waren, Holz- und Pflanzenfasern abzuknabbern, um ihr Nest zu bauen! Das Nest selbst habe ich allerdings bislang noch nicht im Quartier entdecken können.
Meine persönlichen Favoritin unter den Wespenarten ist übrigens die Holzwespen-Schlupfwespe (Rhyssa persuasoria), die seit zwei, drei Jahren immer häufiger in unserem Garten auftaucht. Anfangs wussten wir nicht, um welche Art es sich handelt, haben aber ihr interessantes Flugmuster bestaunt. Bei der Identifizierung geholfen hat ihre Ernennung zum Insekt des Jahres 2025 in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Die attraktive, filigrane Wespe ist bekannt für ihre parasitoide Lebensweise, bei der sie ihre Eier auf Holzwespenlarven ablegt, die sich im Holz von Bäumen entwickeln. Die geschlüpfte Schlupfwespenlarve parasitiert dann die Holzwespenlarve. Klingt grausam, doch auch das ist Natur. Es sind aber faszinierende und friedfertige Wesen, die als natürliche Pflanzenschützer zur ökologischen Balance beitragen.
Wir sehen uns im Garten!
XOXO
Sissi
[Quelle: Naturschutzbund und eigene Recherche. Artikelbild: Die Wespenkönigin – hier die der Gallischen Feldwespe (Polistes dominula) – baut anfangs ein kleines Nest, in dem wenige Brutzellen mit Arbeiterinnen angelegt werden, die ihr dann beim Ausbau des Nestes helfen. Foto kuratiert von Josef Limberger.]