Wie ADHS meinen Blick auf die (Mode)Welt verändert
Lange Zeit war da Frustration. Ich fragte mich, warum ich mich in manchen Momenten so blockiert fühlte, obwohl mein Kopf gleichzeitig vor Ideen fast explodierte. Warum ich keinen roten Faden hatte, meine Ideen umzusetzen, obwohl ich voller Enthusiasmus für meine Pläne war. Ich merkte, dass ich anders funktionierte, aber ich konnte es nicht benennen. Die Diagnose ADHS kam erst spät, mit 28 Jahren.
Was zunächst wie ein Stempel wirkte, war im Rückblick der Moment, der Ordnung in mein Chaos brachte. Endlich hatte mein Denken einen Namen. Die Frustration wich der Klarheit. Ich verstand plötzlich, warum ich die Welt so intensiv wahrnahm, warum ich mich von Details, Farben, Stoffen und Stimmungen überwältigen ließ und warum genau das meine größte Stärke ist.
ADHS als kreativer Vorteil
Die Stärke im Anderssein
ADHS erlebe ich nicht mehr als ein Defizit, sondern als eine Linse, die meinen Blick auf die Welt schärft, Wo andere Strukturen suchen, sehe ich Verbindungen. Wo andere Perfektion erwarten, entdecke ich Schönheit im Unvollkommenen. In der Mode hat mich diese Sichtweise befreit. Ich fühlte mich nicht mehr im Zugzwang, Mode zu entwerfen, die jedem gefallen und ständig wechselnden Trends folgen muss. Stattdessen begann ich Mode als ehrlichen Ausdruck von Individualität zu verstehen, als etwas das Ecken, Kanten und Tiefe haben darf. (Anmerkung der Redaktion: Vielleicht sogar haben muss!)
Vom Chaos zur Kreation
Die Kraft der neurodivergenten Sicht
Diese Haltung prägt auch mein eigenes Modelabel. Die Werte Happiness, Comfort und Joy verstehe ich nicht als Marketingfloskeln, sondern als Antwort auf das, nach dem ich gesucht habe: Eine Kleidung, die mehr kann als nur Ästhetik: Kleidung, die man anzieht, um sich wohlzufühlen, um sich zu zeigen, wie man ist und nicht, wie man vermeintlich sein sollte.
Meine ADHS-Energie zeigt sich in mutigen Brüchen: unkonventionellen Schnitten, Liebe zu Texturen und Farben, einer Verbindung zwischen Mode und Kunst, die ich mit meiner Malerei (MAR) immer mehr zusammenführe. Das Chaos, das mich früher verunsicherte, ist heute der Raum, in dem Neues entsteht. Ich bin überzeugt, dass die Modebranche neurodivergente Stimmen braucht. Weil sie andere Fragen stellen. Weil sie Prozesse nicht linear denken, sondern experimentell. Und weil sie uns daran erinnern, dass Mode mehr ist als Konsum – sie ist Ausdruck, Haltung, Verbindung und Verantwortung für Mensch und Umwelt.
ADHS hat meinen Blick auf die Mode – und das Leben – verändert. Von Frustration zur Klarheit, von Anpassung zu Ausdruck. Und vielleicht ist das meine wichtigste Botschaft: Man kann nicht jedem gefallen. Gerade im Anderssein liegt die Kraft, die eigene Geschichte in der Mode und in seinem Leben sichtbar zu machen.
Impressionen
Blick auf die Travelwear Collection von HACOY
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Über Maximilian Rupp
Der gebürtige Zürcher Maximilian Rupp absolvierte seinen Bachelor in Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Macromedia in München und erwarb anschließend einen Master in Fashion Brand Management am renommierten Polimoda Institut in Florenz.
Mit der Kombination aus psychologischen Know-how und fundierter Expertise entwickelt er innovative Konzepte und Strategien für nachhaltige und ethische Mode. Als Gründer der Modemarke HACOY setzt er sich aktiv für Transparenz, Nachhaltigkeit und eine werteorientierte Modebranche ein.

Über HACOY
HACOY ist eine ethische Modemarke mit Sitz in München, die für ihr Engagement für Nachhaltigkeit und Handwerkskunst bekannt ist. Mit dem Fokus auf zeitlose Designs und hochwertige Materialien bietet HACOY stilvolle und umweltbewusste Mode für Individualisten. Durch die Förderung ethischer Praktiken möchte HACOY einen positiven Einfluss auf die Modeindustrie ausüben und die Verbraucher dazu inspirieren, bewusste Modeentscheidungen zu treffen.
HACOY Store
Corneliusstraße 2
80469 München
Deutschland
Nützliche Links
- Website von HACOY – mit Onlineshop
- HACOY auf Instagram
- Lesetipp: Nachhaltigkeit als zweite Haut
[Anmerkung der Redaktion: Wir bedanken uns herzlich bei Maximilian Rupp für diesen Gastbeitrag! Artikelbild: Maximilian Rupp bei der Arbeit in Kapstadt. Bildrechte: HACOY. Fotos der Travelwear Collection: Angela M. Schlabitz. Zwischentitel und Hervorhebungen: Sissi St. Croix.]