Purpur-Fetthenne in der Stadtgärtnerei Zürich im Juli 2025, aufgenommen an einem Regentag

Purpur-Fetthenne

Unsere Pflanze des Monats August ist durch ihre späte Blüte für Bienen, Käfer, Fliegen und Schmetterlinge wichtig. Denn zu dieser Jahreszeit blüht sonst nicht mehr viel. Dementsprechend ist auf den grüngelben bis lila Blüten, die von Juli bis September zu sehen sind, auch viel Betrieb. Eine Schmetterlingsart hat sogar eine besondere Bindung zur Purpur-Fetthenne (Hylotelephium telephium), auch »Große Fetthenne« genannt: Der Fetthennen-Bläuling benötigt sie nämlich als Futterpflanze für seine Raupen. Der Falter ist jedoch sehr selten. Er kommt in Deutschland nur noch in Bayern, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Thüringen vor.

Die Pflanze ist jedoch im gesamten Land anzutreffen. Wir finden sie an sonnigen bis licht halbschattigen Standorten wie an Waldrändern oder in Feldrainen. Dort darf es gerne trocken sein. Dass die Fetthenne gut mit Trockenheit klarkommt, zeigt sie durch ihre Blätter. Darin speichert sie Wasser. Somit gehört das Dickblattgewächs zu den Sukkulenten. In dieser Eigenschaft ähnelt sie den Kakteen.

Der Farbwechsel der kleinen Einzelblüten ist faszinierend
Der Farbwechsel der kleinen Einzelblüten ist faszinierend

Überlebenskünstlerin

Wie alle Dickblattgewächse besitzt die Fetthenne eine bemerkenswerte Anpassungsstrategie an Trockenheit: Während die allermeisten Pflanzen tagsüber Kohlenstoffdioxid aufnehmen, verlegt sie diesen Vorgang in die Nacht. Am Tag bleiben die Spaltöffnungen geschlossen, damit ihr kein Wasser verloren geht. Das nachts gespeicherte CO2 wird dann tagsüber für die Photosynthese genutzt. Viel Wasser brauchen diese Pflanzen also nicht. Damit ist die Purpur-Fetthenne eine perfekte Begleiterin in der Klimakrise.

Sowohl im Garten als auch auf dem Balkon macht sich die Purpur-Fetthenne sehr gut. Sogar für die Dachbegrünung ist sie geeignet. Sie wächst in kompakten Horsten und wird auf nährstoffreichen Flächen bis zu 70 Zentimeter hoch. Zudem ist sie auch im Winter sehr strukturstabil und tröstet damit zumindest ein wenig über die dunklen grauen Tage hinweg. Kein Wunder, dass zahlreiche Sorten der Pflanze gezüchtet wurden, die im Handel einfacher zu bekommen sind als die Wildform.

Darüber hinaus ist die Vermehrung der Pflanze einfach, da sie sich gut aussamt. Außerdem lassen sich die Pflanzen auch gut teilen. Darüber hinaus ist die Vermehrung über Blattstecklinge möglich. Kurz: Die Purpur-Fetthenne ist hübsch und pflegeleicht und sollte in keinem Garten fehlen!

Die schirmartigen Scheindolden der Purpur-Fetthenne bezaubern mich immer wieder aufs Neue
Die schirmartigen Scheindolden der Purpur-Fetthenne bezaubern mich immer wieder aufs Neue

Sissis Resümee

Als echtes Multitalent leistet die Purpur-Fetthenne im Hochsommer bis in den Herbst hinein einen entscheidenden Beitrag für unsere heimische Fauna, indem sie Bienen, Käfern, Fliegen und Schmetterlingen eine wichtige Nahrungsquelle bietet, wenn andere Blüten rar werden. Ihre Anpassungsfähigkeit an trockene Standorte und ihre Robustheit machen sie zu einer pflegeleichten und wertvollen Ergänzung für jeden naturnahen Garten oder Balkon. Hübsch ist sie noch dazu!

Während die Wildform, die wir an Waldrändern und in Feldrainen finden, uns durch ihre Widerstandsfähigkeit und eine gewisse »buschige Üppigkeit« beeindruckt, sind es oft die zahlreichen Zuchtformen, die den Weg in unsere Gärten finden. Erinnerst du dich noch an die »Herbstfreude«, die ich dir im März vorgestellt habe? Sie ist ein Paradebeispiel dafür, wie Züchtungen auf Basis der Purpur-Fetthenne (wissenschaftlich Hylotelephium telephium, früher oft als Sedum telephium bezeichnet) mit ihrer späten Blüte und ihrer filigranen Winterstruktur begeistern.

Und lass dich bitte nicht von den unterschiedlichen Namen verwirren! Zwar kann ich nicht oft genug betonen, wie sehr botanisches Latein dein Gartenleben bereichert. Doch was sollen wir tun, wenn selbst Biogärtnereien veraltete oder gar falsche Pflanzennamen verwenden? Da ist es oft schwer, die passende Wildpflanze zu finden. Wir können es nur immer weiter versuchen und uns bemühen, mit Hilfe von Büchern und Besuchen in Botanischen Gärten unser Pflanzenwissen zu erweitern.

Ganz gleich, ob du dich für die ursprüngliche Wildform oder eine der vielfältigen Zuchtformen entscheidest: Mit der Purpur-Fetthenne holst du dir nicht nur eine wunderschöne, robuste und pflegeleichte Sukkulente ins Grün, sondern schaffst auch einen wertvollen Lebensraum für unsere heimischen Insekten. Sie ist ein starkes Statement für Biodiversität und beweist, dass Schönheit und ökologischer Nutzen Hand in Hand gehen können.

Wir sehen uns im Garten!

XOXO

Sissi

[Quelle: Markus Schmidt für die Stiftung für Mensch und Umwelt und eigene Recherche. Fotos: Sissi St. Croix, aufgenommen in der Stadtgärtnerei Zürich an einem regnerischen Tag im Juli 2025.]