Baumeister bei der Arbeit – Europäischer Maulwurf (Talpa europaea) in seinem frisch aufgeworfenen Hügel

Wer gräbt da? Nicht nur Maulwürfe!

Nicht jeder Erdhaufen im Garten oder auf der Wiese stammt von einem Maulwurf. Oft stecken Wühlmäuse oder die scheue Ährenmaus dahinter. Wer genau hinsieht, erkennt den tierischen Baumeister meist schon an der Bauart des Hügels. Die typischen Haufen entstehen beim Graben der weit verzweigten Tunnelsysteme und versorgen die unterirdischen Gänge mit frischer Luft.

Maulwürfe

Nützliche Insektenfresser

Der Europäische Maulwurf (Talpa europaea) ist der bekannteste Tunnelgräber. Er lebt in Laub- und Mischwäldern, Wiesen, Magerrasen und Gärten. Als Insektenfresser vertilgt er neben seiner Leibspeise – dem Regenwurm – auch unliebsame Gartenschädlinge wie die dicken Larven von Maikäfern oder Gartenlaubkäfern.

Seine Hügel bestehen aus feiner Erde, ragen hoch auf und sind gleichmäßig rund oder kegelförmig. Mit seinen schaufelartigen Vorderbeinen wirft der Maulwurf die Haufen in regelmäßigen Abständen auf, oft in einer geraden Linie. Zwischen der Erde finden sich manchmal Insektenpanzer als Überreste seiner Mahlzeiten. Die Bauwerke tauchen das ganze Jahr über auf. Im Winter ragen sie teils sogar über die Schneedecke hinaus.

Maulwurf im Garten
Frisch gegraben: Der klassische Maulwurfshügel | Foto: Petr Bonek

Wühlmäuse

Nager im Untergrund

Wühlmäuse wie die Große Wühlmaus (Arvicola terrestris) oder die Ostschermaus (Arvicola amphibius) bevorzugen Wiesen, Weiden und steinarme Gärten. Die Ostschermaus hält sich zudem gern an Gewässern auf. Das verrät bereits ihr lateinischer Name: Der Zusatz amphibius bedeutet »doppellebig« und zeigt, dass diese Tiere ihr Leben geschickt zwischen dem nassen und dem trockenen Element aufteilen. Im Gegensatz zum Maulwurf ernähren sich diese Nager überwiegend pflanzlich von Körnern, Samen, Grünpflanzen und Früchten.

Mit ihren kräftigen Nagezähnen graben sie ihre Gänge in den Boden. Diese enden meist in nur wenigen großen Hügeln. Daneben werfen die Tiere zahlreiche kleinere Haufen auf. Ihre Erdhügel fallen flacher, länglicher und unregelmäßiger aus als die der Maulwürfe. Oft mischt sich das Erdmaterial mit Wurzelresten oder Grasteilen. Da Wühlmäuse Pflanzenwurzeln anknabbern, findet man neben ihren Haufen oft welke oder abgefressene Pflanzen sowie eine lückenhafte Vegetation. Sie bauen vor allem zwischen Sommer und Herbst an ihren Gängen, während im Winter kaum neue Haufen entstehen.

Spuren im Gras: Offene Tunnel der Wühlmaus
Spuren im Gras: Offene Tunnel der Wühlmaus | Foto: Dietrich Leppert

Ährenmäuse

Gesellige Architekten

Die Ährenmaus (Mus spicilegus), auch Steppenmaus oder hügelbauende Maus genannt, macht sich in heimischen Gärten rar. Die eher seltene Art sucht gezielt nach Rückzugsorten mit dichter, ungestörter Vegetation. Deshalb besiedelt sie mit Vorliebe wilde Hecken, naturbelassene Wegränder und extensiv bewirtschaftete Felder im Tiefland. Ähnlich wie die Wühlmaus lebt sie vegetarisch: Auf ihrem Speiseplan stehen vor allem Samen, Körner, Früchte und frische Grünpflanzen.

Ihr Baustil ist einzigartig: Mehrere Tiere errichten ab dem Spätsommer gemeinsam einen großen Hügel, der als Vorratslager und Winterquartier dient. Dieser besteht aus gesammelten Samen und Fruchtständen, abgedeckt mit trockenem Gras, Laub und einer dicken Erdschicht. Je mehr Mäuse mithelfen, desto gewaltiger wächst das Bauwerk. Den Winter verbringen sie im Inneren, während sie im Sommer einfachere Erdbauten bewohnen.

Vorratslager am Feldrand: Winterquartier der Ährenmaus
Vorratslager am Feldrand: Winterquartier der Ährenmaus | Foto: Asta Fischer

Platz für wilde Ecken

Mut zur Unordnung

Erdhügel lockern den Boden auf, belüften die Erde und verbessern den Wasserabfluss. Carolina Trcka-Rojas, Expertin des Naturschutzbundes, rät zu mehr Gelassenheit beim Anblick von Hügeln im Garten:

»Empfehlenswert ist es, einen Bereich im Garten zu definieren, an dem Hügel bestehen bleiben dürfen. Besonders bieten sich dafür ›wilde Ecken‹ oder wenig gemähte Bereiche an. Dies bringt nicht nur mehr Gesundheit für den Boden und Bewegungsfreiheit für unsere Baumeister, sondern auch geeignete Lebensräume und natürliche Rückzugsorte für Amphibien, Reptilien, Würmer, Insekten und viele Vogelarten.«

Wer einen Hügel oder Baumeister sichtet, kann dies zudem auf der Citizen-Science-Plattform Naturbeobachtung.at oder der dazugehörigen mobilen App melden.

Leben unter dem Rasen

Ein Herz für Wildtiere

Schon in meiner Kindheit faszinierte mich die Vorstellung dieses verborgenen wilden Lebens tief unter der Erde. Die Idee, dass unter dem Rasen emsige kleine Baumeister unermüdlich ihre komplexen Tunnelsysteme anlegen, fand ich unendlich spannend und wunderbar geheimnisvoll.

Deshalb habe ich nie verstanden, warum so viele eifrige Gärtner damals regelrecht Jagd auf Maulwürfe machten – Tiere, die heute glücklicherweise unter strengem Naturschutz stehen. Anstatt sich über den aufgelockerten Boden und den fleißigen Schädlingsbekämpfer zu freuen, zählte für viele oft nur die makellose Oberfläche eines englischen Rasens. Und leider sehen manche Menschen das noch immer so.

Dieses rücksichtslose Vorgehen hat mich schon als kleines Mädchen tief getroffen. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich als Sechsjährige meinen ersten Maulwurf fand. Er lag leblos im Gras, vermutlich das traurige Opfer eines Giftköders. Ich weinte bitterlich um dieses kleine, samtige Wesen und richtete ihm ein feierliches Begräbnis aus. Es ist höchste Zeit, dass wir lernen, unseren Gärten wieder mehr echte Wildnis und unterirdisches Leben zuzugestehen.

Wir sehen uns draußen!

XOXO

Sissi

[Quellen: Naturschutzbund und eigene Recherche. Artikelbild: Baumeister bei der Arbeit – Europäischer Maulwurf (Talpa europaea) in seinem frisch aufgeworfenen Hügel, Foto kuratiert von Petr Bonek via Adobe Stock.]