Naturgarten im Herbst – weniger ist mehr! | Foto: Kätzchen spielt im bunten Herbstlaub

Dein Naturgarten im Herbst

Der Herbst ist für viele Gartenfreunde eine Zeit des Aufräumens. Doch wer es ein bisschen gelassener angeht, tut nicht nur sich selbst einen Gefallen, sondern auch den Tieren und Pflanzen, die im Naturgarten leben. Motto: »Weniger ist mehr!« Denn während wir uns in unseren warmen Häusern einkuscheln, sind viele Lebewesen draußen auf sichere Winterquartiere und zuverlässige Nahrungsquellen angewiesen – und die finden sie oft genau dort, wo wir vermeintliche Unordnung sehen. Der Naturschutzbund Österreich gibt Tipps, wie du der Natur Gutes tun und dir zugleich Arbeit sparen kannst.

So müssen zum Beispiel verblühte Stauden nicht sofort zurückgeschnitten werden. In hohlen Stängeln überwintern oft Insekten und die Samenstände versorgen Vögel mit Futter. Auch Beeren wie Hagebutte, Brombeere oder Weißdorn sind für Amsel, Rotkehlchen & Co. ein Festmahl, wenn sie im Winter noch am Strauch sind. Pfaffenkäppchen setzen zusätzlich farbenfrohe Akzente mit ihren rot-orangefarbenen Früchten – hübsch anzusehen, aber nur für Vögel bekömmlich. Also bitte nicht naschen!

Reisig und Totholz

Winterwohnungen auf Zeit

Auch Äste, Zweige oder ein Stück Totholz müssen im Naturgarten nicht sofort entsorgt werden. Sorgfältig zu einem Reisighaufen geschichtet, bieten sie Igeln, Käfern und anderen Gartenbewohnern einen sicheren Unterschlupf. Vielleicht baust du ja sogar eine Mauswieselburg?

Laubhaufen

Weit mehr als nur eine hübsche Herbstdekoration

Laub ist ein wahres Multitalent: Unter einem dichten Blätterteppich finden Igel, Kröten und Insekten geschützte Verstecke, während die Blätter im Frühjahr zu wertvollem Dünger werden. Statt alles zusammenzurechen, kannst du in Beeten, unter Sträuchern oder am Rand des Rasens einfach ein paar Laubhaufen liegen lassen.

Laubfrösche wie dieses kleine Kerlchen sind zwingend auf Naturgärten mit Zugang zu Feuchtbereichen angewiesen.
Laubfrösche wie dieses kleine Kerlchen sind zwingend auf Naturgärten mit Zugang zu Feuchtbereichen angewiesen. | Foto: Josef Limberger

Kompost, Steine & Teich

Vielfalt schafft Leben

Ein Komposthaufen ist nicht nur eine perfekte Recyclingstation für Gartenabfälle, sondern auch ein beliebter Unterschlupf für Erdkröten, Regenwürmer und Insekten. Trockenmauern, Steinhaufen oder Holzstapel bieten Fledermäusen, Eidechsen und Käfern geschützte Rückzugsorte.

Sogar im Gartenteich geht das Leben im Winter weiter: Viele Amphibien und Libellenlarven verbringen hier die kalten Monate, verborgen unter Eis und Wasserpflanzen.

Lesetipps

Auch Zauneidechsen können sich in naturnahen Gärten aufhalten. Sonnige Plätze zum Aufwärmen, Asthaufen zum Verstecken und heimische Hecken für die Nahrungssuche sind für sie lebenswichtig.
Auch Zauneidechsen können sich in naturnahen Gärten aufhalten. Sonnige Plätze zum Aufwärmen, Asthaufen zum Verstecken und heimische Hecken für die Nahrungssuche sind für sie lebenswichtig. | Foto: Elisabeth Bubnik

Pflanzzeit für Frühblüher

Wer im Herbst Krokusse, Schneeglöckchen oder andere Frühblüher setzt, sorgt im folgenden Frühjahr für die ersten Bienen- und Hummelmahlzeiten – und für fröhliche Farbtupfer im noch wintergrauen Garten. Zwei meiner persönlichen Pflanzenlieblinge für den kommenden Frühling habe ich dir bereits vorgestellt:

Beide haben inzwischen ihr Plätzchen in verschiedenen Pflanzkübeln auf dem Balkon gefunden und ich kann es kaum erwarten, bis sie im nächsten Jahr zum ersten Mal ihre Blattspitzen und Blütenköpfchen aus der Erde strecken! Ich werde davon natürlich Fotos machen und diese in die oben verlinkten Artikel einfügen.

Sissis Resümee

Wenn es um den naturnahen Garten geht, ist das Motto »weniger ist mehr« eine Philosophie, die uns allen zugutekommt. Es ist eine Entscheidung, bewusst aufzuräumen und konsequent etwas liegen zu lassen, um der Natur einen echten Mehrwert zu bieten. Ein Paradebeispiel dafür ist das Zurückschneiden von Halbsträuchern oder Kräutern wie Lavendel: Wenn du die geschnittenen Stängel und verblühten Blüten klein schneidest und als Mulch auf dem Boden verteilst, schaffst du nicht nur einen natürlichen Dünger, sondern auch ein Versteck für Insekten. So können sich beispielsweise Feuerwanzen darunter verstecken und die Samen fressen.

Der schönste Garten ist in meinen Augen ohnehin der, in dem Tiere sich wohlfühlen. In unserem unteren Gartenstück leben jetzt ganz offensichtlich nicht nur Blindschleichen, sondern auch Eidechsen: Markus hat letzte Woche mindestens sieben davon gesehen. Leider konnte er sie nicht bestimmen, da sie blitzschnell verschwanden, als er die Tür öffnete. Trotzdem werden wir jetzt dafür sorgen, dass es ihnen auch weiterhin bei uns gefällt und ihnen im Herbst Winterquartiere einrichten.

Jetzt ist übrigens auch die beste Zeit, deine Vogelnistkästen zu reinigen. Blitzblank geschrubbt und frei von Parasiten, werden die Kästen zu willkommenen Übernachtungsplätzen für ein Zusammenkuscheln unserer gefiederten Freunde an frostigen Wintertagen.

Die Entscheidung, der Natur in deinem Garten mehr Raum zu geben, macht das Gärtnern nicht nur einfacher, sondern auch lohnender. Wenn du dich im Frühling wieder der Gartenarbeit widmest, wirst du einen lebendigen Garten vorfinden, der voller Leben steckt und bereit ist, gemeinsam mit dir ins neue Gartenjahr zu starten. Mehr dazu und viele weitere spannende Themen findest du in der neuen Ausgabe von »natur&land«, der ältesten Naturschutzzeitschrift Österreichs. Du kannst sie ab sofort im Onlineshop entdecken und bestellen.

Wir sehen uns im Garten!

XOXO

Sissi

[Quelle: Naturschutzbund und eigene Recherche. Artikelbild: Jana Weichelt.]