Naturgarteln im Herbst
Wenn die Gartensaison im Herbst langsam ausklingt, beginnt vielerorts das große Aufräumen. Allzu schnell greifen Gartenbesitzer zu Harke, Heckenschere und Laubsauger, um Beete und Rasenflächen penibel von welken Pflanzenresten zu befreien. Jeder Halm wird gekürzt, jedes gefallene Blatt pedantisch entsorgt. Doch ein allzu ordentlicher Garten schadet der heimischen Tierwelt.
Wer Herbstlaub, Reisig, Totholz und verblühte Stauden unberührt lässt, schenkt Wildtieren lebenswichtige Winterquartiere und reich gedeckte Tafeln. Angenehmer Nebeneffekt: Gartenfreunde ersparen sich das schweißtreibende Schneiden und Rechen. Der österreichische Naturschutzbund fordert deshalb mehr Gelassenheit beim »Herbstputz«. Denn ein aufgeräumter Garten ist ein toter Garten. Ein Naturgarten hingegen pulsiert selbst unter Frost und Schnee vor Leben, wenn wir der Wildnis ihren natürlichen Raum geben.
Rückzugsorte für Igel & Co.
Ein Haufen aus Laub und Ästen bietet sicheren Schutz
Besonders Igel sind jetzt dringend auf geschützte Rückzugsorte angewiesen. Die Stacheltiere durchstreifen die Gärten und suchen ruhige Winkel unter dichten Hecken, in tiefen Laub- und Reisighaufen oder zwischen geschichtetem Totholz. Dort bauen sie ihr Nest für den Winterschlaf.
Wer solche Verstecke im Beet duldet, muss sie bis zum Frühjahr unangetastet lassen. Jegliches Umschichten ist tabu. Besondere Vorsicht gilt bei provisorischen Grünschnitthaufen. Lasse niemals Äste, Zweige und Blätter tagelang liegen, wenn du diese später häckseln oder verbrennen willst! Denn schon nach kurzer Zeit suchen Tiere wie Igel, Kröten oder Insekten in diesen provisorischen Haufen Unterschlupf. Räumt man sie später ab, tappen die Tiere in eine tödliche Falle. Gärtner müssen rasch entscheiden: Entweder darf der Haufen dauerhaft bleiben oder das Schnittgut wandert umgehend in fest verschlossene Säcke oder Tonnen.
Laub als wertvoller Lebensraum
Welkes Blattwerk wärmt Spinnen und Käfer
Herbstlaub ist kein schnöder Abfall. Unter der lockeren Blätterschicht verbirgt sich ein eigener kleiner Kosmos. Erdkröten, Spinnen, Asseln, Tausendfüßler und zahlreiche Insekten finden dort lebensrettenden Schutz vor eisiger Kälte und Austrocknung. Auch Glühwürmchen brauchen diese feuchten, strukturreichen Bodenbereiche. Ihre Larven überwintern zwischen Laub, Pflanzenresten und anderen bodennahen Verstecken.
Clevere Gartenbesitzer transportieren die welken Blätter daher nicht mühsam ab, sondern schieben sie locker unter Sträucher, auf Beete oder in ruhige Gartenecken. Auf laute Laubsauger und Laubbläser verzichten wir der Umwelt zuliebe am besten ganz. Wer wie ich mit saurem Eichenlaub auf einem ohnehin kargen Heidesandboden kämpft, entscheidet sich vielleicht dennoch für das behutsame Absammeln der Blätter von den Beeten. Das gesammelte Laub landet dann in einer wilden Ecke des Gartens, wo es keinen Schaden anrichtet und trotzdem als wärmender Unterschlupf dient.
Nahrung für die kalte Jahreszeit
Natürliche Nahrungsquellen für die kalte Jahreszeit
Die Gartenschere darf im Herbst getrost im Schuppen bleiben. Niemand muss verblühte Stauden sofort kappen. Hohle Pflanzenstängel dienen Insekten als sicheres Winterquartier. Stehengelassene Samenstände, rote Hagebutten, Weißdornbeeren oder vergessene Äpfel am Baum decken hungrigen Vögeln den winterlichen Tisch. Naturnahe Gartenteiche sowie aufgeschichtete Reisig-, Stein- und Totholzhaufen bieten Amphibien und Wasserinsekten überlebenswichtige Verstecke. Selbst leere Nistkästen erfüllen weiterhin einen Zweck: Vögel und andere Tiere nutzen sie in frostigen Nächten als wärmende Schlafplätze.
Artenschutz beginnt vor der Haustür
Tierische Begegnungen melden und wertvolle Daten liefern
Raschelt es im Herbstlaub? Wer einen Igel, eine Erdkröte oder andere tierische Gartenbewohner entdeckt, kann aktiv die Wissenschaft unterstützen. Der Naturschutzbund ruft dazu auf, Beobachtungen samt Foto auf der Citizen-Science-Plattform Naturbeobachtung.at oder über die zugehörige App zu melden. Die gesammelten Beobachtungen liefern wertvolle Daten für wichtige Natur- und Artenschutzprojekte.
Vorfreude auf das summende Frühjahr
Krokusse und Schneeglöckchen jetzt pflanzen
Wer beim Anblick der herbstlichen Beete vom nächsten Frühling träumt, greift zu Pflanzkelle und Setzholz. Krokusse, Schneeglöckchen und andere Frühblüher gehören nun tief in die Erde. Im Frühjahr spenden ihre Blüten Bienen, Hummeln und anderen Insekten den ersten Nektar.
Auch ich kann es kaum abwarten, meinen Garten mit neuen Blumen zu füllen. Gehörte der Sommer den Stauden, schlägt nun die Stunde der Blumenzwiebeln. Meine Wahl fiel auf Frühlingskrokusse (Crocus vernus) und Kleine Traubenhyazinthen (Muscari botryoides) – ein leuchtender Mix aus Weiß, Gelb und Violett.
Daneben fiebere ich dem Zierlauch (Allium senescens) entgegen. Das Pflanzen auf meinem mageren Sandboden gerät zur gärtnerischen Herausforderung, denn der Lauch lechzt nach Nährstoffen. Deshalb bette ich die Zwiebeln in humose Erde und versorge sie regelmäßig mit organischem Dünger. Die violetten Blütenbälle sind ein Augenschmaus und versorgen überdies ab April Insekten mit kostbarem Pollen.
Nach langem Zögern bestücke ich zudem zwei Pflanzschalen mit einer nicht heimischen Zwiebelmischung. Sicher gefangen im Gefäß verwildern diese violett blühenden Insektenmagneten nicht, fangen aber dennoch jeden Blick ein. Sobald das Zwiebelpaket bei mir eintrifft, kann es losgehen.
Wir sehen uns im Garten!
XOXO
Sissi
[Quellen: Naturschutzbund und eigene Recherche. Artikelbild: Braunbrustigel (Erinaceus europaeus), kuratiert von Moorland Roamer via Adobe Stock.]