Natur des Jahres 2026
Die Wahl der »Natur des Jahres« in Österreich ist immer ein Highlight. Sie lenkt unseren Blick auf das Verborgene, das Schöne und manchmal auch auf das Problematische. Auch für das Jahr 2026 stehen die Gewinner fest. Sie stammen aus allen Reichen des Lebens: Tiere und Pflanzen, Moose, Flechten und Pilze und sogar winzige Einzeller und Mineralien. Manche kennst du aus dem eigenen Garten, andere verbergen sich tief im Schlamm. Ich stelle dir heute einige der faszinierendsten Preisträger vor.
Warum dieser ganze Aufwand? Experten aus Tier- und Naturschutz holen mit der Ernennung zu den Arten des Jahres unsere stillen Helden ins Rampenlicht. Oft übersehen wir das Außergewöhnliche oder verkennen seinen Wert. Vielen dieser Arten steht das Wasser bis zum Hals. Diese Wahl öffnet uns die Augen für den Reichtum, der direkt vor unserer Haustür liegt. Wir sollen staunen, verstehen und schützen.
Jäger im Pelz und Rufer mit Haube
Naturfreunde aus ganz Österreich durften im Internet abstimmen und kürten einen flinken Räuber zum Liebling. Das Mauswiesel (Mustela nivalis) holte sich den Titel »Tier des Jahres«. Es huscht so schnell durchs Gras, dass unser Auge kaum folgen kann. Ihm zur Seite steht ein gefiederter Punk: der Kiebitz (Vanellus vanellus). Du erkennst den »Vogel des Jahres« sofort an seiner spitzen Federhaube am Hinterkopf. Er verteidigt sein Revier lautstark und mit vollem Körpereinsatz.
- Lesetipp: Kiebitz-Population verdoppelt

Glanz im Regen und Kunst im Netz
Lackschwarz schimmert er im Nieselregen: der Alpensalamander (Salamandra atra). Er liebt das raue Wetter der Berge. Unsere österreichischen Nachbarn nennen ihn deshalb auch liebevoll »Bergmandl« oder »Regenmandl«. Er bringt seine Jungen lebend zur Welt – eine echte Besonderheit in den kargen, unwirtlichen Gebirgszonen. Damit verdient er sich den Titel »Lurch des Jahres«.

Weniger Sympathie, aber viel Respekt heimste die Streifenkreuzspinne (Mangora acalypha) ein. Sie webt Netze von perfekter Symmetrie, gleich einem Wagenrad. Als »Spinne des Jahres« tritt sie aus dem Schatten hervor und wirbt um deine Bewunderung.

Zarte Blüten und trügerisches Grün
Auf der Wiese geht es romantisch zu! Die Wiesenglockenblume (Campanula patula) neigt anmutig ihr zartlila Köpfchen, als würde sie sich über den Titel »Blume des Jahres« freuen. Leider sehen wir sie immer seltener. Dagegen leuchtet die als »Flechte des Jahres«, die Pazifische Leuchterflechte (Candelaria pacifica), in grellem Gelb. Zusammen mit dem »Moos des Jahres«, dem nach dem historischen Herzogtum Mecklenburg (Megalopolis) benannten Mecklenburgischen Schnabeldeckelmoos (Rhynchostegium megapolitanum) beweist sie: Wahre Schönheit braucht keine Größe.

Vorsicht ist jedoch beim »Alien des Jahres 2026« geboten. Der Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) steht in vielen Gärten und glänzt fettgrün. Doch er täuscht uns: Er bietet Insekten keine Nahrung und verdrängt heimische Wildpflanzen. Wir müssen diesen Eindringling wissenschaftlich fundiert entzaubern, auch in Deutschland und der Schweiz! Ganz nach dem Motto: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.

Atemwunder und Bodenmonster
Im Wasser schwimmt ein skurriler Überlebenskünstler. Der vom Aussterben bedrohte Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis) trägt markante Bartfäden wie einen Schnurrbart. Spannend: Ihm geht nie die Luft aus, denn er atmet notfalls einfach durch den Darm. Der Titel »Wassertier des Jahres« verhilft dem faszinierenden Knochenfisch hoffentlich zu mehr Aufmerksamkeit.

Ein Winzling heimste den Titel »Einzeller des Jahres« ein: der Kraken (Kraken carinae). Dieses auch »Monster unter den Mikroben« genannte faszinierende Tierchen lauert im Erdboden geduldig auf Beute. In jedem Gramm Erde leben Hunderte dieser Einzeller und schnappen sich vorbeiziehende Bakterien. Ein wilder Mikrokosmos direkt unter unseren Füßen!
Arten des Jahres 2026 für Österreich
Alle Arten im Überblick
| Kategorie | Art | Ernannt durch |
| Blume / Pflanze | Wiesen-Glockenblume | Naturschutzbund, Flora Austria, Univiversität Wien |
| Flechte | Pazifische Leuchterflechte | Naturschutzbund, BLAM |
| Fledermaus | Kleiner Abendsegler | BatLife Europe |
| Pilz | Zweisporige Stachelspor-Koralle | Österreichische Mykologische Gesellschaft |
| Insekt | Warzenbeißer | Naturschutzbund, Österreichische Entomologische Gesellschaft |
| Moos | Mecklenburgisches Schnabeldeckelmoos | Naturschutzbund, BLAM |
| Alien (invasiv) | Kirschlorbeer | Naturschutzbund |
| Nutztierrasse | Mangaliza-, Turopolje-Schwein & Tux-Zillertaler Rind | ARCHE Austria |
| Lurch | Alpensalamander | DGHT, ÖGH, info fauna, NABU |
| Spinne | Streifenkreuzspinne | Naturhistorisches Museum Wien, AraGes, ESA |
| Streuobstsorte | Traxleder Apfel | ARGE Streuobst Österreich |
| Tier | Mauswiesel | Naturschutzbund (Online-Wahl) |
| Vogel | Kiebitz | BirdLife |
| Wassertier | Schlammpeitzger | Österreichischer Fischereiverband und andere |
| Weichtier | Kleine Walddeckelschnecke | Naturschutzbund, Haus der Natur Salzburg |
| Höhlentier | Salzburger Höhlenflohkrebs | Verband Österreichischer Höhlenforschung |
| Mineral | Epidot | AG Mineral des Jahres |
| Einzeller | Kraken | Gesellschaft für Eukaryotische Mikrobiologie |
Sissis Resümee
Bühne frei für die Natur des Jahres! Die Liste der Auserwählten ist lang und bunt. Jede Organisation kämpft leidenschaftlich für ihren Schützling, um Bewusstsein für bedrohte Arten und ihre Lebensräume zu schaffen. Das ist ehrenwert. Doch wenn du genau hinsiehst, entdeckst du ein verwirrendes Mosaik: Mal wählen wir gemeinsam für den ganzen deutschen Sprachraum, oft aber kocht jedes Land sein eigenes Süppchen. Deutschland, Österreich und die Schweiz driften auseinander. Das verwässert die Botschaft unnötig.
Gemeinsam könnten wir wesentlich mehr Wucht entfalten. Warum einigen wir uns nicht öfter? Der Natur sind unsere Grenzpfähle völlig egal. Ein Kiebitz fragt nicht nach dem Reisepass und auch dem Moos ist die Staatsbürgerschaft schnuppe. Wenn Wien, Berlin und Bern mit einer Stimme sprechen, hört die Öffentlichkeit wirklich zu. Ein gemeinsamer »Held des Jahres« für den gesamten DACH-Raum strahlt heller und lauter als drei nationale Einzelkämpfer. Wir verschenken hier wertvolle Schlagkraft.
In meinen Augen brauchen wir keinen Flickenteppich, sondern eine starke Stimme für den Artenschutz. Lass uns diese Kleinstaaterei beenden! Natürlich haben lokale Eigenheiten ihren Reiz. Aber bei den großen Themen – ob Insekt, Vogel oder Pflanze – müssen wir unsere Kräfte bündeln. Nur so dringen wir durch den Lärm des medialen Alltags. Ich wünsche mir für die Zukunft mehr Mut zur Einigkeit. Denn Naturschutz kennt keine Grenzen – und unsere Kommunikation sollte das auch nicht.
XOXO
Sissi
[Quelle: Naturschutzbund und eigene Recherche. Artikelbild: Das Mauswiesel (Mustela nivalis) ist »Tier des Jahres«. Foto kuratiert von Stefan Weber via Naturschutzbund Österreich.]