Wer genau hinsieht, entdeckt verwunschen wirkende Wildnis

Nagelfluhkette – Wildnis mit Gleisanschluss

Wenn ich ans Allgäu denke, steigt mir der Geruch von nassem Kalkstein und frischen Bergkräutern in die Nase. Doch dieses Gebirge lässt die übliche Postkartenidylle weit hinter sich. Es trägt seinen Charakter schon im Namen: Nagelfluh. Das Gestein wirkt, als hätten Riesen unzählige Kiesel wie Nägel in den Fels getrieben. Genau diese wilde, raue Schönheit zwischen dem Allgäu und dem Bregenzerwald erhält nun eine ganz besondere Auszeichnung. Nach vier Jahren Pause nimmt die Kooperation »Fahrtziel Natur« endlich wieder ein neues Gebiet in ihren exklusiven Kreis auf: den Naturpark Nagelfluhkette.

Wir feiern damit im Jahr 2026 ein doppeltes Fest. Zum 25-jährigen Jubiläum der Initiative setzen BUND, NABU, VCD und die Deutsche Bahn ein starkes Signal für den Umweltschutz. Sie fördern gemeinsam einen Tourismus, der die Landschaft nicht verbraucht, sondern bewahrt. Der Naturpark Nagelfluhkette passt perfekt in dieses Portfolio. Er lebt den Spagat zwischen Schutz und Nutzung jeden Tag. Hier atmet die Natur auf, während der Mensch staunt.

Olaf Bandt, der Vorsitzende des BUND, sieht darin einen klaren Beleg für das beständige Engagement der Schutzgebiete. Wer diese Berge besucht, entscheidet sich bewusst für das Ursprüngliche. Du findest hier keine künstlichen Erlebniswelten. Stattdessen wartet ein wildes Mosaik aus Felsen, Alpweiden, Mooren und Bergmischwäldern auf dich. Es ist eine Einladung, die Wanderschuhe zu schnüren und die Hektik des Alltags im Tal zurückzulassen.

Wo der Steinadler kreist

Die Artenvielfalt in diesem Gebirge raubt mir den Atem. Wenn du leise auftrittst, entdeckst du vielleicht das seltene Birkhuhn im Unterholz. Über den Graten zieht der Steinadler seine majestätischen Kreise. Er ist ein König der Lüfte, der absolute Ruhe für seine Brut benötigt. Auf den Bergmatten leuchten im Sommer die gelben Blüten der Arnika und das zarte Rosa der Steinnelke. Diese Schätze verlangen unseren Respekt. Nur wenn wir die Lebensräume sichern, wachsen die Populationen dieser bedrohten Arten. Der Naturpark lenkt unsere Schritte deshalb so, dass wir die Natur genießen, ohne sie zu stören.

Mit ein bisschen Glück erblickst du vielleicht einen Adler über der Nagelfluhkette
Mit ein bisschen Glück erblickst du vielleicht einen Adler über der Nagelfluhkette | Foto: Paul Meixner

Stressfrei ins Gipfelglück

Früher bedeutete die Fahrt in die Berge oft Stau und Stress. Das gehört der Vergangenheit an. Immenstadt fungiert als das ideale Eingangstor zum Naturpark. Züge aus Ulm, München und Augsburg rollen hier im Takt ein und bringen dich entspannt ans Ziel. Dr. Michael Peterson von der Deutschen Bahn verspricht sogar noch mehr Komfort: Künftig gleitet der hochmoderne ICE L auf der Strecke und verbindet Nordrhein-Westfalen ein Mal täglich völlig umsteigefrei mit den Alpen. Der Urlaub beginnt also nicht erst am Hotelparkplatz, sondern bereits beim Einsteigen in den Waggon.

Immenstadt ist das Eingangstor zum Naturpark Nagelfluhkette
Immenstadt ist das Eingangstor zum Naturpark Nagelfluhkette | Foto: Paul Meixner

Freie Fahrt mit dem MOBIL PASS ALLGÄU

Vor Ort angekommen, bleibt der Autoschlüssel im Koffer. Landrätin Indra Baier-Müller setzt mit dem »MOBIL PASS ALLGÄU« ein Ausrufezeichen für die Verkehrswende. Als Gast nutzt du Busse und Bahnen im gesamten Allgäu bis hinunter zum Bodensee kostenlos. Das nenne ich echte Freiheit! Du wanderst über einen Grat, steigst im nächsten Tal ab und nimmst den Bus zurück. Keine Parkplatzsuche, keine Gebühren. Rolf Eberhardt, der Leiter des Naturparks, betrachtet diese sanfte Mobilität zu Recht als Schlüssel für die Zukunft der Region.

Felsen, Alpweiden, Seen: Der Naturpark Nagelfluhkette ist neues Fahrtziel Natur
Felsen, Alpweiden, Seen: Der Naturpark Nagelfluhkette ist neues Fahrtziel Natur | Foto: Paul Meixner

Sissis Resümee

Spürst du auch bereits das Kribbeln in den Waden? Die Vorstellung, diese »Nägel« im Fels selbst zu ertasten, lässt zumindest mich nicht los. Die Nagelfluhkette beweist uns eindrücklich, dass wir keine Flugreisen brauchen, um Wildnis zu erleben. Das Abenteuer liegt direkt vor unserer Haustür, erreichbar mit einer einzigen, entspannten Bahnfahrt. Diese Berge fordern uns heraus, sie zu erwandern und zugleich ihre Stille zu wahren.

Es ist ein Geben und Nehmen. Wir nutzen die gut ausgebauten Wege und die öffentlichen Verkehrsmittel. Im Gegenzug schenkt uns die Natur unvergessliche Momente zwischen Mooren und Felswänden. Dieses Gleichgewicht zu halten, ist die große Kunst des modernen Reisens. Der Naturpark Nagelfluhkette meistert sie mit Bravour und Leidenschaft.

Pack deinen Rucksack. Nimm das Fernglas mit für den Adler und gute Wanderschuhe für den Fels. Der Zug nach Immenstadt wartet schon auf dich. Entdecke dieses neue »Fahrtziel Natur« und werde Teil einer Bewegung, die Erholung und Naturschutz untrennbar miteinander verwebt.

Wir sehen uns am Gipfelkreuz!

XOXO

Sissi

[Quelle: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und eigene Recherche. Artikelbild: Wer genau hinsieht, entdeckt verwunschen wirkende Wildnis, Foto kuratiert von Paul Meixner.]