Igel verstehen – Igel schützen
Am heutigen Welttierschutztag rücken wir einen unserer stacheligsten Gartenbewohner in den Fokus: den Igel. Der Herbst ist da und für unsere heimischen Igel bedeutet das Abschied nehmen vom sommerlichen Schlemmen und Herumstreifen. Jetzt beginnt die wichtige Phase der Vorbereitung auf den langen Winterschlaf. Um diese Zeit gut zu überstehen, brauchen Igel nicht nur ein ausreichendes Fettpolster, sondern vor allem auch sichere, wettergeschützte Quartiere für ihren Winterschlaf.
Wir geben wertvolle Tipps, wie du deinen Garten in ein Fünf-Sterne-Resort für Igel verwandelst und so die besten Voraussetzungen für die Überwinterung unserer stacheligen Freunde schaffst. Denn Igel sind nicht nur niedlich, sondern auch nützliche Schädlingsbekämpfer und verdienen unseren vollen Schutz!
Winterspeck und ein sicheres Schlafquartier
Für unsere kleinen stacheligen Freunde ist das Überleben im Winter an zwei wichtige Faktoren geknüpft: Sie brauchen im Herbst genügend Futter und einen frostsicheren, ungestörten Überwinterungsplatz. Ohne beides droht das Erfrieren oder Verhungern im Schlaf. Ein furchtbarer Gedanke, oder?
Der Igel – ein kleiner Gourmet
Feinschmecker auf der Jagd nach proteinreichen Krabbeltieren
Igel sind reine Insektenfresser – wahre Gourmets, wenn es um eiweißreiche Krabbeltiere geht. Damit gehören sie zur Ordnung der Eulipotyphla, zu der auch Spitzmäuse und Maulwürfe zählen. Um sich die nötige Energiereserve für den Winterschlaf anzufressen, benötigen sie eine gigantische Menge an eiweißreicher Beute – vor allem Käfer, Larven, Regenwürmer und Schnecken stehen auf dem Krabbeltiermenü.
Ihre Jagdstrategie ist dabei perfekt auf die nächtliche Suche am Boden abgestimmt, denn Igel sind Dämmerungs- und Nachtjäger:
- Supernase und feine Ohren: Während das Sehvermögen der Igel eher mittelmäßig ist – sie nehmen die Welt recht unscharf wahr, sehen aber Bewegungen gut –, sind ihr Geruchssinn und ihr Gehör sehr ausgeprägt und weitaus empfindlicher als beim Menschen. Mit der Nase stöbern sie ihre Nahrung zuverlässig in der Erde, im Gras und unter dem Laub auf.
- Eile mit Weile: Igel sind keine Sprinter. Sie suchen ihre Nahrung, indem sie gemächlich den Boden durchsuchen. Dieser »langsame« Lebensstil bringt ihnen keinen Nachteil, da sie ihre Beute durch Spürsinn finden, nicht durch Verfolgungsjagden.
Igel bevorzugen extensiv bewirtschaftete Wiesen, Waldränder und Böschungen. Und hier kommt dein Garten ins Spiel: Naturschutzbund-Expertin Carolina Trcka-Rojas betont, dass auch Totholz ein Igelmagnet ist, da es voller totholzbewohnender Insekten steckt – ein wahres Schlemmerbüffet für Igel!
Das optimale Winterschlafgewicht
Besonders Jungtiere, die spät im Jahr geboren wurden, stehen jetzt unter massivem Druck, genügend Gewicht zuzulegen. Als Faustregel gilt:
- Jungigel sollten bis zum Start des Winterschlafes (Ende Oktober/Mitte November) ein Minimalgewicht von 500 bis 600 Gramm, besser sogar 600 bis 700 Gramm, erreichen.
- Erwachsene Igel benötigen für eine sichere Überwinterung in der Regel zwischen 900 und 1.500 Gramm.
Hat ein Igel dieses »Speckpölsterchen« erreicht, ist er bereit fürs Winterquartier.
Herzschlag auf Sparflamme
Wenn die Temperaturen fallen und die Nahrungsquellen versiegen, beginnen Igel, sich auf den Winterschlaf vorzubereiten, der etwa Ende Oktober bis Mitte November einsetzt. Igel gehören neben Murmeltieren, Fledermäusen und Siebenschläfern zu den wenigen Tieren, die echten Winterschlaf halten. Das ist ein faszinierender Überlebensmechanismus, bei dem die Körperfunktionen auf ein absolutes Minimum reduziert werden, um Energie zu sparen:
- Temperatursturz: Die normale Körpertemperatur des Igels liegt bei etwa 35 Grad Celsius. Im Winterschlaf sinkt diese auf nur noch fünf bis acht Grad Celsius ab.
- Herz im Ruhezustand: Die Herzfrequenz, die im Wachzustand bei 160 bis 200 Schlägen pro Minute liegt, reduziert sich auf unglaubliche fünf bis zwölf Schläge pro Minute.
- Atemzugpause: Auch die Atmung wird extrem gedrosselt, von 40 bis 50 auf nur noch drei bis vier Atemzüge pro Minute.
Während dieser Zeit verliert der Igel rund 30 Prozent seines Körpergewichts. Das Fettpolster dient nun als einzige Energiequelle. Daher ist das anfänglich hohe Gewicht so entscheidend.

Wenn Igel noch wach sind …
Wann du handeln musst
Sobald Igel genug Gewicht zugelegt haben, suchen sie ein geeignetes sicheres und frostfreies Versteck für ihren Winterschlaf. Ideal sind ungestörte Bereiche mit einer möglichst gleichbleibenden Temperatur. Der Winterschlaf unserer Igel beginnt meistens zwischen Ende Oktober und Mitte November. Findest du im späten November oder gar im Dezember einen aktiven Igel im Garten, kann das ein Alarmzeichen sein:
- Spätgeborene Jungtiere: Sie haben es meist nicht geschafft, sich rechtzeitig das nötige Gewicht anzufressen und sind auf verzweifelter Futtersuche.
- Kranke oder verletzte Tiere: Sie konnten keinen sicheren Schlafplatz finden oder wurden durch Krankheit geschwächt.
In beiden Fällen ist die Überlebenschance für die Tiere im Freien gering.
Wichtig: Als Wildtiere stehen Igel unter Schutz! Du darfst sie nicht einfach aus der Natur entnehmen. Wenn du glaubst, ein Igel braucht Hilfe, kontaktiere sofort eine Igelstation oder das Igelzentrum in deiner Nähe. Diese erfahrenen Fachleute wissen, wie man hilfsbedürftige Igel korrekt aufpäppelt und im Frühjahr wieder auswildert.
Bei gefundenen Igeln solltest du immer zuerst telefonisch Kontakt aufnehmen, um eine Aufnahme abzusprechen und die korrekten Erste-Hilfe-Maßnahmen zu erfragen!
Nützliche Links für Igelfreunde
- aktion tier Igelzentrum Niedersachsen
- Pro Igel Deutschland
- Igelhilfe Österreich
- Igelzentrum Zürich
- Pro Igel Schweiz
So wird dein Garten zum Igelparadies
Gefahren erkennen und vermeiden
Igel fühlen sich in naturnahen Gärten am wohlsten. Du kannst ihnen mit einfachen Schritten enorm helfen – und gleichzeitig deinen Garten auch für andere Tiere sicherer machen.
1. Freier Lauf für freie Igel
Igel legen auf ihrer nächtlichen Suche nach Nahrung und Partnern weite Strecken zurück, oft bis zu sechs Kilometer pro Nacht. Deine Zäune dürfen dabei keine unüberwindbare Barriere darstellen.
- Schaffe Schlupflöcher: Achte darauf, dass in Zäunen oder Mauern Durchgänge von wenigsten 10×10 Zentimetern vorhanden sind. Das ist die »Igel-Highway-Regel Nummer 1«. So können Igel von Garten zu Garten wandern und neue Futtergebiete erschließen.
- Gestalte wilde Ecken: Höhere Grasbereiche und ein bisschen »Wildnis im Garten« bieten nicht nur Verstecke, sondern auch eine reichhaltige Quelle an Insektennahrung.
- Baue einen Käferkeller aus Totholz: Eine leckere Anlaufstelle für Igel ist ein Käferkeller, in dem sie viele kleine Krabbler finden, siehe auch: Schritt für Schritt zum Käferglück – mit einem Käferkeller! Die Käfer finden das zwar vermutlich weniger lustig, aber du kannst sicher sein, dass genügend Käfer die Futtersuche der Igel überleben. Und das ist halt Natur: Fressen und Gefressenwerden.
2. Das perfekte Winterquartier
Das perfekte Winterquartier muss frostfrei und ungestört sein. Sie gehören damit – wie Murmeltiere oder Fledermäuse – zu den wenigen Tierarten, die in einen Zustand tiefer Ruhe verfallen, bei dem die Körpertemperatur und die Herzfrequenz drastisch sinken.
- Der kuschelige Unterschlupf: Lass große Laub- und Reisighaufen in einer ruhigen, geschützten Gartenecke liegen. Sie bieten ideale natürliche Nistmaterialien, mit denen Igel ihre Nester bauen können. Das Laub isoliert und durch die langsam verrottenden Blätter entwickelt sich Wärme, sodass der Frost nicht in den Haufen eindringen kann.
- Igelhaus: Alternativ kannst du ein spezielles Igelhaus aufstellen und mit Laub, Stroh oder zerkleinertem Zeitungspapier befüllen. Das Igelzentrum Zürich bietet auf seiner Website eine Anleitung an, mit deren Hilfe du kostengünstig selbst ein Igelhaus bauen kannst.
- Kein Feuer: Verbrenne niemals Reisig- oder Laubhaufen, ohne sie vorher vorsichtig mit einer Mistgabel Schicht für Schicht umzusetzen. Igel suchen sich hier sehr gern ihre Quartiere!
3. Gefahrenfallen entschärfen
Unter Umständen hält dein Garten leider auch tückische Gefahren für Igel bereit:
- Mähroboter & Motorsensen: Lass Mähroboter nur tagsüber und unter Aufsicht laufen, wenn du nicht besser gleich darauf verzichtest. Igel sind nachtaktiv und rollen sich bei Gefahr zusammen – das ist bei den scharfen Klingen tödlich! Kontrolliere Hecken und hohes Gras vor dem Einsatz von Freischneidern.
- Laubbläser & -sauger: Verzichte auf diese Geräte! Sie saugen oder pusten die lebenswichtigen Insekten (Igelnahrung) weg und können Igel verletzen oder ihre Nester zerstören. Ein zusammengerollter Igel wird leicht übersehen. Nutze lieber den Laubrechen. Auch deine Nachbarn werden es dir danken, wenn du auf diese »Lärmmaschinen« verzichtest.
- Gartenteiche & Pools: Biete Ausstiegshilfen an, beispielsweise ein schräg eingelegtes Brett mit Querstreben. Igel können schwimmen, doch bei steilen Ufern kommen sie oft nicht aus dem Wasser heraus und ertrinken elendiglich.
- Achtung, Falle! Kontrolliere vor dem Winter Kellerschächte, Lichtgräben und tiefe Regentonnen. Diese können für Igel zu gefährlichen Fallen werden. Sichere sie mit einem Gitter oder schaffe auch hier eine flache Ausstiegshilfe , beispielsweise ein schräg eingelegtes Brett.
- No-Go Chemiekeule: Verzichte vollständig auf Pestizide wie Schneckenkorn oder andere Giftköder. Sie töten nicht nur die Beutetiere, sondern vergiften auch deren natürliche Fressfeinde – wie den Igel.

Daten teilen, Igel schützen
Citizen Science im Namen der Igel
Du kannst zum aktiven Igelschutz beitragen, indem du deine Beobachtungen teilst. So freut sich zum Beispiel der Naturschutzbund Österreich über jedes Igelfoto, das du auf seiner Plattform Naturbeobachtung.at oder der gleichnamigen App teilst. Die gesammelten Daten helfen den Experten dabei, Schutzmaßnahmen zu entwickeln und unsere stacheligen Freunde besser zu verstehen.
Sissis Resümee
Die Vorbereitung des Gartens für unsere stacheligen Mitbewohner ist aktive Tierliebe und Naturschutz. Gerade jetzt im Herbst kommt es auf jedes Detail an – von der Bereitstellung großer Laubhaufen bis zum Verzicht auf Mähroboter. Es liegt in unserer Hand, Igeln die nötigen Futterreserven und sicheren Unterschlupf für den Winterschlaf zu schenken. Schon mit ein paar einfachen Maßnahmen kannst du einen großen Beitrag zum Schutz der Igel leisten und ihnen helfen, gesund und munter im nächsten Frühjahr wieder aufzuwachen!
Wie wichtig schnelle Hilfe sein kann, musste ich diesen Sommer selbst erleben: Innerhalb nur einer Woche fand ich auf meiner Terrasse im Vorgarten gleich zwei untergewichtige, kranke Igelkinder. Es war ein traumatisches Erlebnis, diese kleinen, hilflosen Wesen in so schlechtem Zustand zu sehen. Die Angst um ihr Überleben war riesig. Umso größer war die Erleichterung, als ich die kleinen Patienten beim Tierschutzzentrum abgeben bzw. vom Tierrettungsdienst abholen lassen konnte. Dieses Erlebnis hat mir noch einmal gezeigt: Bei kranken oder untergewichtigen Igeln gilt immer: Nicht selber pflegen, sondern sofort Profis einschalten!
Noch besser ist es natürlich, wenn die Igel in deinem Garten gar nicht erst in Not geraten. In unserem Fall war es wohl so, dass die Igelmutter gestorben oder gefressen worden ist, sodass die Igelkinder von ihr nicht mehr gepflegt werden konnten. Sie waren nicht nur untergewichtig (unter 200 Gramm!), sondern auch vollkommen verfloht, von Fliegeneiern übersät und hatten überdies auch noch Durchfall. Schlechte Überlebensbedingungen und definitiv ein Fall für den Tierarzt. Seit dieser Erfahrung habe ich immer eine geeignete Transportkiste im Haus. Sicher ist sicher. Und auch sonst setze ich alles daran, unseren Garten igelsicher zu machen.
Mach auch du deinen Garten zum Vorbild: Schaffe wilde Ecken, lasse Laub liegen und verzichte auf unnötige Ordnung. Nur so gibst du dem Igel, was er am dringendsten braucht: ein sicheres Zuhause. Hast du schon einen gemütlichen Laubhaufen für deine stacheligen Nachbarn vorbereitet?
Wir sehen uns im Garten!
XOXO
Sissi
[Redaktioneller Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig aktualisiert und ergänzt. Quelle: Naturschutzbund und eigene Recherche. Artikelbild: Braunbrustigel (Erinaceus europaeus), kuratiert von Piotr Krzeslak via Adobe Stock.]