Welche Hummel brummt denn da?
Hummeln spielen als Wildbienen eine bedeutende Rolle bei der Bestäubung Hunderter Wild- und Nutzpflanzen. Bisher wurden 45 Hummelarten in Österreich nachgewiesen – drei davon sind jedoch inzwischen ausgestorben und fünf weitere vom Aussterben bedroht (Deutschland: etwa 31 bis 36 verschiedene Hummelarten, Schweiz: rund 40 verschiedene Hummelarten). Basis für den Schutz der dicken Brummer sind aktuelle Nachweisdaten. Daher bittet der österreichische Naturschutzbund, Hummelbeobachtungen auf www.naturbeobachtung.at oder der gleichnamigen App zu teilen.
»Insgesamt sind in Österreich, Deutschland und der Schweiz mehr als ein Sechstel des weltweiten Hummelbestandes beheimatet«, sagt Naturschutzbund-Hummelexperte Johann Neumayer. »Hummeln kommt – wie allen Bienenarten – aufgrund ihrer Bestäubungskünste von Wild- und Nutzpflanzen eine Schlüsselfunktion in Landökosystemen zu. Als Blütenbesucher brauchen sie ein reichhaltiges Blütenangebot über die ganze Saison und ausreichend Nistplätze. In arten- und strukturreichen Landschaften sowie Naturgärten fühlen sich Hummeln besonders wohl«, so der Experte.
Lebensweise der Hummeln
Als eusoziale Bienen mit einjährigem Nestzyklus legen die meisten Hummelarten Honigreserven für Schlechtwetterperioden an. Eusozial oder auch ultrasozial bezeichnet Tiere, die eine besonders intensive Form des sozialen Zusammenlebens pflegen (Staatenbildung). Die Jungköniginnen überwintern einzeln, so investieren Hummeln ihre gesamte Energie in viele und gut ernährte Jungköniginnen. Honigbienen hingegen überwintern als Staat und konzentrieren ihre Energie auf große Reserven an Honig, welchen die Imker dann abschöpfen können.
Hummeln fliegen im Gegensatz zu Honigbienen auch bei relativ kalten Temperaturen aus und zählen in kühlen Gefilden wie der Arktis oder den Alpen zu den wichtigsten Bestäubern. Die Fähigkeit, durch Muskelzittern ihre Körperwärme zu erhöhen, erlaubt ihnen, die Nesttemperatur unabhängig von der Außentemperatur zu erhalten, vorausgesetzt es gibt genug Vorräte an Energie, sprich Honig.
Interessanter Sidefact: In einer Studie konnte nachgewiesen werden, dass Hummelköniginnen beim Überwintern bis zu einer Woche unter Wasser überleben können. Erstaunlich, oder? Zum Vergleich: Apnoetaucher wie die Deutsche Heike Schwerdtner oder der Franzose Stéphane Mifsud erreichen beim Zeittauchen Rekorde von 9:07 bzw. 21:35 Minuten. Beeindruckend, keine Frage, aber nichts im Vergleich zur Überlebensfähigkeit einer Hummel.
Neben den staatenbildenden Hummelarten gibt es die Kuckuckshummeln, die keine eigenen Nester anlegen, sondern als Sozialparasiten in die Nester anderer Hummeln unbemerkt eindringen, um dort Eier zu legen und die eigenen Larven von fremden Arbeiterinnen aufziehen zu lassen.
Nicht zuletzt sind Hummeln stolze Besitzer von »Stinkefüßen«: Sie sondern über ihre Beinchen einen Duftstoff ab, wodurch sie und andere wissen, dass eine Blüte schon besucht wurde. Dabei geht es also nicht um die Markierung eines Reviers, sondern darum, erfolgreicher und effizienter Nahrung zu sammeln. Achte im eigenen Garten oder auf dem Balkon mal darauf!
Wie du Hummeln unterstützen kannst
- Kontinuierliches Blütenangebot: Weiden, Taubnesseln, Beinwell, Klee-, Platterbsen- und Wickenarten, Salbei, Herzgespann und viele weitere heimische Pflanzen sind die Nahrungsbasis für Hummeln zu allen Jahreszeiten. Wer eine Wiese sein eigen nennt, sollte diese nur abschnittsweise mähen, damit immer genug Blüher vorhanden bleiben.
- Geeignete Nistplätze: Wer Hummeln liebt, kann Mäuse nicht hassen! Viele Hummeln nisten gern in Mäusenestern, die wiederum strukturreiche, nicht perfekt aufgeräumte Gärten mit vielen Früchten im Jahreskreis schätzen. Alternative Nistplätze für die dicken Brummer sind dichte Grasbüschel oder Moospolster – wilde Ecken in Gärten sind echte Hummelparadiese.
Artenschutz leicht gemacht Nicht zuletzt kannst du die dicken Brummer unterstützen, indem du entdeckte Hummeln fotografierst und die Bilder auf der Citizen-Science-Plattform des Naturschutzbundes oder der gleichnamigen App hochlädst. Das kannst du übrigens auch als Urlauber in Österreich tun! So sammeln sich Daten über die heimische Tier- und Pflanzenwelt. Experten wie Johann Neumayer werten diese aus und leiten daraus Schutzmaßnahmen ab. Die bisher eingegangenen Hummeldaten haben beispielsweise maßgeblich bei der Erstellung der »Roten Liste der Hummeln Österreichs« geholfen.
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Sissis Resümee
In einer Welt, in der meist die Bienen im Mittelpunkt stehen, verdienen auch ihre pelzigen Verwandten unsere volle Aufmerksamkeit. Denn die Hummeln sind die eigentlichen Helden des Frühjahrs, da sie mit ihrem dichten »Haarkleid« und ihrer Widerstandsfähigkeit gegen Kälte schon dann losbrummen, wenn andere Bestäuber noch ruhen. Doch leider sind auch die fleißigen Frühstarter bedroht! Intensive Landwirtschaft, Pestizide und der Verlust von blühenden Lebensräumen gefährden ihre Existenz, was den Fortbestand unserer Ökosysteme infrage stellt. Wo wären wir ohne Hummeln?
Die gute Nachricht ist, dass jeder von uns zum Hummelretter werden kann. Schon kleine Taten machen einen großen Unterschied. Indem du heimische Wildpflanzen im Garten oder auf dem Balkon anpflanzt, bietest du den unermüdlichen Helfern dringend benötigte Nahrungsquellen. Parallel dazu ist der Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel und das Anlegen kleiner, ungestörter Ecken mit Totholz entscheidend, um den Tieren sichere Nistplätze zu schaffen. Darüber freuen sich auch andere Insekten, so zum Beispiel die Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea) und viele selten gewordene Käferarten.
Letztlich ist das Engagement für Hummeln eine Investition in unser aller Zukunft. Wo Hummeln summen und bestäuben, gedeiht die Natur und wächst unsere Nahrung. Es ist eine einfache, aber wirkungsvolle Maßnahme, welche die Vielfalt unserer Landschaften stärkt. Sorgen wir also gemeinsam dafür, dass das beruhigende Brummen der Hummeln auch weiterhin unser Leben begleitet und unsere Welt ein Stück bunter macht.
Noch zwei Tipps zum Schluss: Die Hummeln in unserem Garten lieben insbesondere Borretsch, Lavendel, Malve, Hibiskus, Ringelblumen, Schnittlauch und Thymian. Vor allem der Gartenhibiskus (Hibiscus syriacus) ist Jahr für Jahr ein wahrer Hummelmagnet. Du musst also weder auf Blütenträume noch auf Küchenkräuter verzichten, wenn du Hummeln unterstützen möchtest.
Wir sehen uns im Hummelreich!
XOXO
Sissi
[Quellen: Naturschutzbund Österreich und eigene Recherche. Artikelbild: Erdhummel (Bombus terrestris), kuratiert von Naturschutzbund/WolfgangSchruf.]