Baukünstlerin: Große Harzbiene
Unsere Wildbiene des Monats ist eine echte Bastlerin und trägt ihr benötigtes Baumaterial bereits im Namen. Mit lediglich zwölf Millimetern Körpergröße gehört die gar nicht so große Große Harzbiene (Anthidium byssinum) zu den kleineren Arten der heimischen Wildbienenwelt. Sie lebt solitär, dabei aber oft in kleinen Kolonien. Wir finden sie an strukturreichen Waldrändern, in Magerrasen, Sandheiden und auf extensiv beweideten Flächen. Außerdem lebt sie auch auf brachgefallenen Schafweiden oder in Sand- und Steinbrüchen, wo sie geeignete Nistmöglichkeiten findet.
Als Kulturfolgerin nutzt sie zunehmend naturnahe Gärten und Parks in Siedlungsnähe, sofern dort offene Bodenstellen oder Mauerspalten, hohle Pflanzenstängel oder andere Hohlräume als Nistplatz dienen können. Wichtig sind ihr sonnige, windgeschützte Standorte mit einer reichen Auswahl an Blütenpflanzen sowie Harzquellen und Pflanzenhaare, die sie zum Nestbau benötigt. Zwischen Juni und August ist sie auf Nektarsuche. Die Männchen der Großen Harzbiene patrouillieren in dieser Zeit an Blütenständen und paaren sich häufig während der gesamten Flugzeit mit den Weibchen.
Lebensweise
Das Weibchen der Großen Harzbiene baut seine Nester in der Erde, meist an sonnigen, leicht geneigten Flächen. Es gräbt dazu bis zu 15 Zentimeter lange Gänge. Die Brutzellen kleidet es sorgfältig mit Blattstreifen aus, die es mit Harz von Nadelbäumen verklebt und so stabilisiert.
Anschließend versorgt es jede Zelle mit Pollen und Nektar von Schmetterlingsblütlern – etwa vom Gewöhnlichen Hornklee (Lotus corniculatus), von der Vogel-Wicke (Vicia cracca), der Wald-Platterbse (Lathyrus sylvestris), der Bunten Kronwicke (Securigera varia) oder von der Futter-Esparsette (Onobrychis viciifolia). Als spezialisierte Art ist sie auf diese Pflanzen angewiesen.
Doch trotz aller Sorgfalt bleibt ihre Brut nicht immer unbehelligt: Gelegentlich schlüpft aus den Nestkammern nicht die eigene Nachkommenschaft, sondern die eines »Kuckucks«. So nutzt beispielsweise die Vierzähnige Kegelbiene (Coelioxys quadridentata) die mühevoll vorbereiteten Zellen, um dort ihre Eier abzulegen. Möglicherweise tut dies auch die Dunkle Zweizahnbiene (Dioxys tridentata).

So kannst du helfen
Wer die Große Harzbiene in den eigenen Garten locken möchte, kann mit einfachen Mitteln viel bewirken: Sorge für einen sonnigen, windgeschützten Bereich mit offenen Bodenstellen, am besten leicht geneigt, und verzichte dort auf Mulch oder eine dichte Bepflanzung. Pflanze reichlich Schmetterlingsblütler, denn sie liefern der Harzbiene Nahrung und sichern ihre Brut. Auch Nadelgehölze wie Kiefern oder Fichten dürfen in der Nähe nicht fehlen – ihr Harz ist für den Nestbau unverzichtbar. Lass verblühte Pflanzenstängel bis zum Frühjahr stehen und schaffe Ecken mit lockerem Sand oder lehmigem Boden. So entsteht ein echtes Bienenrefugium.
Weitere Tipps, wie du bienenfreundliche Strukturen schaffst, findest du unter anderem in den von mir vorgestellten Büchern »Mein Insektenparadies«, »Wer Schmetterlinge liebt, muss Raupen füttern«, »Biene sucht Balkon«, »Gartenmomente: Bienen- und insektenfreundlich gärtnern«, »Wildnis im Garten« und »Auf ins Beet! 30 wilde Gartenideen für Radieschenräuber und Bienenretter« oder auch online unter Deutschland summt und Wir tun was für Bienen. Schau einfach mal rein!
Steckbrief
- Lateinischer Name: Anthidium byssinum PANZER, 1798
- Flugzeiten: Juni bis August
- Lebensraum: Waldränder, Magerrasen, Sandheiden, Gärten, Binnendünen, extensiv beweidete Flächen, brachgefallene Schafweiden, Sand- und Steinbrüche
- Nahrung: spezialisiert (oligolektisch)
- Nistweise: nistet unterirdisch
- Kuckucksbiene: Vierzähnige Kegelbiene (Coelioxys quadridentata LINNAEUS, 1758), möglicherweise auch Dunkle Zweizahnbiene (Dioxys tridentata NYLANDER, 1848)
- Gefährdung: weitverbreitet, mäßig häufig, gilt deutschlandweit als gefährdet, in mehreren Bundesländern – so zum Beispiel in Berlin und Niedersachsen – stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht
- Besonderheiten: nistet in selbstgegrabenen Brutgängen, ausgekleidet mit Blattstreifen und Nadelbaumharz
Bienenliteratur
- Amiet, Felix & Krebs, Albert: Bienen Mitteleuropas – Gattungen, Lebensweise, Beobachtung. Haupt Verlag, Bern 2012.
- Bellmann, Heiko & Helb, Matthias: Bienen, Wespen, Ameisen. Kosmos Verlag, Stuttgart 2017.
- Hemmer, Cornelis & Hölzer, Corinna: Wir tun was für Bienen. Wildbienengarten, Insektenhotel und Stadtimkerei. Kosmos Verlag, Stuttgart 2017.
- Løken, Astrid: Studies on Scandinavian Bumble Bees (Hymenoptera, Apidae). Norsk ent. Tidsskr. 20: 1–218 1973.
- Michener, Charles Duncan: The Bees of the World. Johns Hopkins University Press, Baltimore 2007.
- Scheuchl, Erwin & Willner, Wolfgang: Wildbienen ganz nah – Die 100 häufigsten Arten schnell und sicher unterschieden. Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim 2024.
- Scheuchl, Erwin & Wolfgang Willner: Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas: Alle Arten im Portrait. Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co., Wiebelsheim 2016.
- Westrich, Paul: Die Wildbienen Deutschlands, 2. Auflage, 1.700 Farbfotos. Ulmer-Verlag, Stuttgart 2019.
- Wiesbauer, H.: Wilde Bienen – Biologie–Lebensraumdynamik von über 470 Wildbienen Mitteleuropas, 2. Auflage. Eugen Ulmer KG, Stuttgart 2017.
Sissis Resümee
Das Fazit unserer eigenen Beobachtungen lässt uns einen nachdenklichen Blick auf die Lage der Großen Harzbiene (Anthidium byssinum) werfen. Während die Art in den Schweizer Alpen sogar bis auf 2.300 Meter Höhe zu finden ist und auch in Österreich grundsätzlich verbreitet sein dürfte, steht sie doch beispielhaft für die Herausforderungen, denen unsere Wildbienen tagtäglich begegnen. Ihre Existenz hängt von geeigneten Lebensräumen ab, was ihren Bestand vielerorts gefährdet.
Umso bitterer ist der Gedanke an die rigorosen Eingriffe in unserer unmittelbaren Umgebung: Die Kahlschläge in zwei Nachbargärten im letzten Jahr, bei denen leider auch Nadelbäume fielen, sind ein trauriges Zeichen für den fortschreitenden Verlust von Struktur und Ressourcen. Gerade Nadelbäume sind für Harzbienen, die Baumharz für den Nestbau benötigen, ein unverzichtbarer »Baustoff«.
Die jüngste Fällung des prachtvollen Nadelbaumes auf einem weiteren Nachbargrundstück setzt diesem Negativtrend leider die kümmerliche Krone auf. Mit dem Verlust dieser lebenswichtigen Ressourcen und Nistmöglichkeiten ist leider nicht damit zu rechnen, dass sich die kleine Große Harzbiene in unserem Garten blicken lässt. Trotzdem ist unser persönliches Engagement für die Artenvielfalt ein wichtiger Beitrag, um vielleicht an anderer Stelle ein kleines Refugium zu schaffen. Erste Pläne für das kommende Frühjahr sind bereits gemacht, im Mittelpunkt werden Hummeln stehen.
Wir sehen uns im Garten!
XOXO
Sissi
[Quelle: Stiftung für Mensch und Umwelt und eigene Recherche. Grafik: Dominik Jentzsch via Stiftung für Mensch und Umwelt. Artikelbild: Ein Weibchen der Großen Harzbiene (Anthidium byssinum) holt Harz an der Waldkiefer (Pinus sylvestris) für den Nestbau, fotografiert von Roland Günter.]