Froschretter gesucht!
Der Winter hält das Land noch fest im Griff. Raureif überzieht die Äcker und der Atem bildet kleine Wolken in der kalten Luft. Doch tief unter der gefrorenen Krume regt sich bereits das Leben. Die Natur wartet nicht auf den Kalender. Sobald die Temperaturen auch nur ein wenig steigen, beginnt das große Krabbeln. Tausende Frösche, Kröten, Unken, Molche und Salamander erwachen aus ihrer Winterstarre.
Sie folgen einem uralten, unwiderstehlichen Ruf. Ihr Ziel ist das Laichgewässer, die Wiege der nächsten Generation. Doch dieser Weg führt heute oft direkt in den Tod. Asphaltbänder zerschneiden ihre Wanderrouten. Scheinwerfer blenden, Reifen drohen. Genau hier kommst du ins Spiel. Der Naturschutzbund Österreich sucht dich. Er braucht deine Hände, deine Zeit und dein Herz für eine der unmittelbarsten Rettungsaktionen, die unsere Natur zu bieten hat. Und da Amphibienschutz keine Grenzen kennt, gibt’s von uns obendrein auch die wichtigsten Anlaufstellen für Deutschland und die Schweiz.
Klick dich zum Lebensretter
Hilfe muss einfach sein. Deshalb macht es dir der Naturschutzbund leicht. Auf einer digitalen Landkarte leuchten die Einsatzorte in ganz Österreich auf. Dort siehst du sofort, an welcher Straße Not am Mann ist. Oder sollte ich sagen: am Frosch? Per Mausklick meldest du dich bei der Froschklaub-Börse an. Du wählst deine Strecke. Du bestimmst deine Tage. Regionale Koordinatoren weisen dich ein und vernetzen dich mit den Zaunbetreuern vor Ort. So wird aus gutem Willen konkrete Hilfe.
Hier können alle Strecken eingesehen werden und mit nur zwei Klicks geht es direkt zur Anmeldung.
Zäune, Kübel und helfende Hände
Sobald die Nächte milder werden, erwachen die ersten Pioniere. Springfrosch (Rana dalmatina), Grasfrosch (Rana temporaria) und Erdkröte (Bufo bufo) marschieren bereits ab Mitte Februar los. Doch die Straßen versperren den Weg. Die Lösung ist ebenso simpel wie genial: die Zaun-Kübel-Methode. Grüne Barrieren säumen die Fahrbahnen. Dahinter verbergen sich eingegrabene Eimer. Die Tiere wandern am Hindernis entlang und plumpsen hinein. Dort warten sie auf dich. Du hebst sie aus der Falle und trägst sie sicher auf die andere Seite. Ganz einfach, oder? Dabei können sogar größere Kinder mitmachen und so Amphibien hautnah erleben.
Daten sammeln für die Zukunft
Neben diesem »Taxidienst« wirst du auch zum Forscher! Denn wer blind sammelt, hilft nur halb. Du bestimmst die Art. Du erkennst im besten Fall auch das Geschlecht. Aber keine Bange, du musst jetzt kein Froschstudium absolvieren! Jede Notiz in deinem Protokoll hilft den Experten, die Bestände zu verstehen. Nur so leiten diese die richtigen Schutzmaßnahmen ab. Diese Arbeit fordert dich. Die Eimer verlangen tägliche Kontrolle, oft mehrmals, bei Wind und Wetter. Doch Carolina Trcka-Rojas vom Naturschutzbund verspricht: Dein Einsatz ist unverzichtbar. Du erlebst Amphibien hautnah und leistest einen wertvollen Beitrag gegen das Artensterben.
»Froschklauben ist eine wichtige und schnell realisierbare Akutmaßnahme im Amphibienschutz. Genügend engagierte Helfer sind dabei für uns und unsere Regionalkoordinatoren unverzichtbar. Herzlichen Dank an alle Froschklauber, die sich in ihrer Freizeit tatkräftig für das Leben von Frosch und Co. einsetzen!«
Carolina Trcka-Rojas, Leiterin des Netzwerkes Amphibienschutz beim Naturschutzbund Österreich
Deine Mission startet hier
Naturschutz hört nicht am Grenzzaun auf: Frösche kennen keine Schlagbäume. Ganz gleich, wo du wohnst, die Tiere brauchen dich. Auch in Österreichs Nachbarländern sind Jahr für Jahr Helfer unterwegs, um dem stillen Sterben auf dem Asphalt ein Ende zu setzen.
Ich habe dir hier die wichtigsten Anlaufstellen im deutschsprachigen Raum herausgesucht. Dort findest du lokale Gruppen, Termine und Karten für deinen Einsatz.
Deutschland
In Deutschland organisieren vor allem BUND und NABU den Widerstand gegen den Straßentod. Sie pflegen Hunderte Zäune im ganzen Land. Auf ihren Webseiten findest du interaktive Karten und Kontakte zu den Ortsgruppen zwischen Alpen und Nordsee.
Österreich
Der österreichische Naturschutzbund steuert den Einsatz zentral. Auf der digitalen »Froschklaub-Börse« siehst du alle aktiven Zäune. Du wählst deine Strecke und deine Schicht bequem per Mausklick.
Schweiz
In der Schweiz laufen die Fäden bei der karch zusammen. Das ist die Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz. Sie arbeitet wissenschaftlich fundiert und vernetzt die Kantone. Pro Natura, die größte Naturschutzorganisation der Schweiz, betreut ebenfalls viele Zäune. Am besten schaust du direkt bei der Sektion deines Kantons vorbei.
Checkliste für deine Ausrüstung
Dein Einsatz im Namen des Amphibienschutzes verlangt ein klein wenig Vorbereitung. Draußen ist es dunkel, nass und kalt. Mit der folgenden Ausrüstung bleibst du warm, sicher und effektiv:
- Eimer: Meist stehen Auffangbehälter bereit. Ein eigener Transporteimer erleichtert aber den Weg über die Straße. Wichtig: Er muss sauber und vollkommen frei von Spülmittelresten sein. Praktisch sind Eimer mit Deckel wie der PEPPRIG vom Schweden.
- Gummistiefel: Der Matsch kennt keine Gnade. Nur absolut dichtes Schuhwerk hält deine Socken trocken und die Laune oben.
- Latex- oder Vinylhandschuhe: Sie schützen die empfindliche Schleimhaut der Amphibien vor deinen Hautfetten – und deine Finger auch ein bisschen vor Kälte. Warme Handschuhe kann ich nicht empfehlen, da du mit diesen meist nicht behutsam genug zufassen kannst.
- Regenhose: Du wirst knien. Du wirst dich bücken. Eine robuste Überhose schützt deine Klamotten und dich vor Nässe und Schmutz.
- Schreibzeug: Du bist auch Forscher. Notiere Art und Anzahl deiner Schützlinge. Deine Daten entscheiden über künftige Schutzmaßnahmen. Wasserfestes Schreibzeug findest du im Taucherbedarf.
- Socken: Warme Wandersocken sind ein Muss! Sie verhindern, dass du dir in den Gummistiefeln Blasen oder kalte Füße holst. Ich empfehle hier Socken von X-BIONIC.
- Stirnlampe: Du brauchst beide Hände für die Tiere. Das Licht folgt deinem Blick und leuchtet den Boden aus. Pack unbedingt Ersatzakkus ein!
- Warnweste: Deine Lebensversicherung auf dem Asphalt. Du machst dich für Autofahrer unübersehbar. Ohne sie betrittst du besser keine Straße.
Damit bist du perfekt gerüstet. Fehlt nur noch der erste milde Regen, dann kann es losgehen!
Sissis Resümee
Ich liebe diese Nächte im Vorfrühling! Es riecht nach feuchter Erde und modrigem Laub. Wenn ich in den Eimer greife, spüre ich die kühle, glatte Haut einer Erdkröte. Sie blickt mich mit ihren goldenen Augen an. In diesem Moment zählt nichts anderes. Ich bin kein bloßer Beobachter der Natur. Ich greife ein. Ich trage dieses kleine, pochende Leben über den tödlichen Asphalt und setze es behutsam im feuchten Gras ab.
Wir Menschen haben diese Barrieren gebaut. Wir zerschneiden die Lebensräume der Amphibien mit unseren Straßen. Deshalb sehe ich es als unsere Pflicht an, die Schäden zu begrenzen. Wir müssen den Schaden reparieren, den unsere Mobilität anrichtet. Jeder getragene Frosch ist eine kleine Wiedergutmachung. Es ist ein bescheidener Dienst, sicher. Aber für jedes gerettete Tier bedeutet er die ganze Welt.
Also zögere nicht. Schnappe deine alten Gummistiefel. Pack die Taschenlampe ein. Melde dich an! Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, Teil dieser massenhaften Wanderung zu sein. Du wirst frieren, du wirst schmutzig werden. Aber wenn du den ersten Springfrosch sicher am Wasser absetzt und er mit einem leisen »Platsch« in die Freiheit taucht, weißt du: Es hat sich gelohnt.
Wir sehen uns in der Nacht!
XOXO
Sissi
[Produktempfehlungen erfolgen rein redaktionell und unabhängig. Alle Preisangaben ohne Gewähr. Produktverfügbarkeiten und Preise können im DACH-Raum variieren. Quelle: Naturschutzbund und eigene Recherche. Artikelbild: Springfrosch (Rana dalmatina), Foto kuratiert von Oleh Marchak via Adobe Stock.]