Eulen – Lautlose Nachbarn
In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind zehn Eulenarten heimisch. Was unsere scheuen Nachbarn so besonders macht und was sie fürs (Über-)Leben brauchen verrät der Naturschutzbund zum Internationalen Ehrentag der Eule am 4. August.
Menschen und Eulen haben eine komplizierte Beziehung. Legenden von Eulen als »Todesboten« beeinflussten die negative Haltung der Menschen und so wurden insbesondere der Uhu und die Schleiereule lange Zeit vom Menschen verfolgt. Die Konsequenz dieses Aberglaubens? Der Uhu war im 19. und 20. Jahrhundert in fast ganz Europa ausgestorben. Auch der Habichtskauz verschwand Mitte des 20. Jahrhunderts. In jüngerer Zeit nahmen für die Jäger der Nacht vor allem der Lebensraumverlust durch die Intensivierung der Landwirtschaft und die Gefahr durch den Straßenverkehr zu.
Unsere heimischen Eulen
- Habichtskauz (Strix uralensis)
- Raufußkauz (Aegolius funereus)
- Schleiereule (Tyto alba)
- Sperlingskauz (Glaucidium passerinum)
- Steinkauz (Athene noctua)
- Sumpfohreule (Asio flammeus)
- Uhu (Bubo bubo)
- Waldkauz (Strix aluco)
- Waldohreule (Asio otus)
- Zwergohreule (Otus scops)
Kleines Eulenwissen
Schleiereule
Die Schleiereule (Tyto alba) zählt in Mitteleuropa zu den sogenannten Kulturfolgern. Sie profitiert also vom menschlichen Kulturbereich und fühlt sich in diesem Lebensraum wohl. Doch auch das hat seine Grenzen! Als »Wohnung« wählt sie gern Kirchtürme und das Gebälk von Scheunen. Doch viele dieser sicheren Brutorte wurden zunehmend verschlossen und unzugänglich gemacht. Als Mäusejägerin ist ihr Jagdgebiet offenes Kulturland mit ganzjährig kurzer Vegetation.
Steinkauz
Der nur etwa amselgroße Steinkauz (Athene noctua) nutzt besonders gern Streuobstwiesen als Lebensraum. Als Bruthöhle dienen ihm Baumhöhlen, zuweilen aber auch Mauerlöcher oder Gebäudenischen. Scheunen und Ställe bieten ihm im Winter Schutz.
Uhu
Die größte und besonders imposante heimische Eulenart, der Uhu (Bubo bubo), zählt zwar nicht zu den Kulturfolgern, konnte aber in jüngerer Zeit auch in menschengemachten Strukturen wie leerstehenden Gebäuden, Steinbrüchen und Mülldeponien beobachtet werden. Meist ist er aber in schwer zugänglichen Hängen und Felswänden anzutreffen. Ein Uhu kann auch in freier Wildbahn mehr als 25 Jahre alt werden.
Waldkauz
Für den Waldkauz (Strix aluco), die häufigste Eule Europas, genügen oft schon ein paar (Laub-)Bäume in einem Gebiet, in dem es nicht allzu viel Schnee gibt. Er kommt auch in Parks und Gärten vor. Bei der Nahrung ist der Waldkauz ebenso wenig wählerisch, wobei die Hauptbeute wohl die Mäuse sind.
Waldohreule & Sumpfohreule
Die Waldohreule (Asio otus) ist mit ihrer etwas geringeren Körpergröße und Gewicht dem Waldkauz unterlegen. Sie nutzt Wälder mit offenen Flächen und Felder mit Feldgehölzen. Optisch kann man die Waldohreule mit der selteneren Sumpfohreule (Asio flammeus) verwechseln. Diese ist jedoch keine Waldbewohnerin. Sie lebt in Österreich nur im Osten und liebt weitläufige, offene Gras- und Heidelandschaften oder Brachflächen. Im Gegensatz zur Waldohreule hält sich die Sumpfohreule auch tagsüber nicht auf Bäumen auf. Sie steht stattdessen am Boden. Auch ihr Nest befindet sich am Boden oder in selbst gegrabenen Höhlen.
Zwergohreule
Die nicht einmal 100 Gramm schwere Zwergohreule (Otus scops) ist vor allem im Mittelmeerraum beheimatet. In extensiv bewirtschafteten, strukturreichen Kulturlandschaften der wärmeren Regionen fühlt sie sich auch in unseren Gefilden wohl. Sie benötigt Ansichtswarten (Hecken, Einzelbäume), Nisthöhlen und ihre Lieblingsbeute: große Heuschrecken. Eine weitere Besonderheit ist, dass sie die einzige heimische Eule ist, die nach der Brutzeit in den warmen Süden zieht. Die meisten Individuen überwintern in Afrika südlich der Sahara.
Weitere Eulenarten
Die Eulenarten, die man wohl mit der geringsten Wahrscheinlichkeit in der Nähe von menschlichen Siedlungen antreffen kann, sind der Raufußkauz (Aegolius funereus), der Habichtskauz (Strix uralensis) und der Sperlingskauz (Glaucidium passerinum). Das Zuhause des Raufußkauzes sind montane Nadel- und Mischwälder.
Die zweitgrößte Eule unserer Heimat, der Habichtskauz, starb vermutlich Mitte des 20. Jahrhunderts in Österreich aus. Grund war wohl der Mensch. Dank Wiederansiedelungsprojekten kommt der Waldbewohner in geringer Anzahl wieder vor. Die kleinste unserer heimischen Eulen ist der Sperlingskauz. Er ist nur so groß wie ein Spatz und lebt in Bergwäldern.
Spannend: »Es kam auch schon vor, dass sich die eine oder andere Schneeeule oder eine Sperbereule aus dem Norden bis nach Österreich vorgewagt hat. Doch das bleibt wohl auch eine Ausnahme«, sagt Naturschutzbund-Expertin Katharina Neugebauer.

Eulen sind gern Nachmieter
Die meisten Eulen bauen ihre Nester nicht selbst. Viele Arten sind auf Baumhöhlen angewiesen. Einen guten Dienst leisten hier Spechte, deren Höhlen schnell »Nachmieter« finden. Das ist einer der vielen Gründe, warum alte Bäume so wertvoll für die Natur sind.
Manche Eulenarten kannst du auch mit speziellen Eulennistkästen unterstützen. Darunter zum Beispiel die Schleiereule, die Zwergohreule oder den Steinkauz.
»Wie so oft bei den Vögeln ist es auch bei den Eulen meist einfacher, sie zu hören als zu sehen zu bekommen. Viele der heimischen Eulenarten balzen im Winter. Daher ist das die beste Jahreszeit, um sich auf die Suche nach ihnen zu begeben«, so Neugebauer.
Mit der Brut beginnen Eulen dann meist bereits im Februar oder März. Eine Ausnahme macht hier die Zwergohreule, die zu dieser Zeit noch im heißen Afrika unterwegs ist. Bis auf den Sperlingskauz und die Sumpfohreule jagen alle heimischen Eulen bei Dämmerung oder in der Nacht. Eine schlafende Eule tagsüber zu entdecken ist beinah ein Ding der Unmöglichkeit und verlangt ein geschultes Auge.
Eulen schützen und unterstützen
Eulen sind aus vielen Gründen faszinierende Tiere. Ihr lautloser Flug, ihr beeindruckendes Seh- und Hörvermögen und ihre Schönheit sind nur einige davon. Leider sind viele von ihnen gefährdet und ihre Anzahl wird sich ohne gezielten Schutz weiterhin verringern.
Alle, die Österreich in den Genuss einer seltenen Eulenbeobachtung kommen, bittet der Naturschutzbund, diese via Foto auf seiner Citizen-Science-Plattform Naturbeobachtung.at oder der gleichnamigen App zu teilen. So kann jeder ganz einfach zum Schutz der geheimnisvollen Schönen beitragen.
Gut zu wissen: Gemeinsam mit Fressnapf und seiner Dachinitiative »Tierisch engagiert« rückt der Naturschutzbund seit 2019 den Schutz von Wildvögeln im urbanen Raum in den Fokus. Heuer holen Naturschutzbund und Fressnapf Eulen – als wenig bekannte Vogelarten im Siedlungsraum – vor den Vorhang.
Sissis Resümee
Eulen faszinieren mich seit meiner Kindheit. Genau genommen seit dieser einen Campingnacht, in der mich der Ruf eines Käuzchens im nahen Wald geweckt hat und ich später einige der faszinierenden nächtlichen Jäger im Dortmunder Tierpark sowie im Vogelpark Walsrode aus der Nähe beobachten konnte.
Die hautnahe Begegnung mit diesen Wesen erlebte ich letztes Jahr mit meinen »Wilden Weibern« bei einer Eulenwanderung in der Westschweiz. Wir wanderten mit verschiedenen Eulen und ihren Betreuern durch den Wald und erfuhren dabei allerlei Wissenswertes und Unterhaltsames über diese wundersamen Geschöpfe. Unvergessen ist Käuzchen Mimi, das sanft und federleicht auf meiner Hand und meiner Schulter saß und für das Foto auf unserer Startseite posierte. Es war ein zauberhafter Tag, der mich tief bewegt hat.
Jeder von uns kann dazu beitragen, unsere lautlosen Nachbarn zu unterstützen. Ein alter Baumbestand ist wertvoll für Eulen, denn viele Arten nutzen Baumhöhlen, die sie nicht selbst anlegen können. Du kannst die Eulen in deinem Garten auch mit Nistkästen und einem naturnah gestalteten Garten unterstützen, der attraktiv für ihre Beutetiere ist. Oder du übernimmst eine Eulenpatenschaft, die von Zoos, Vogelparks und vielen Naturschutzverbänden angeboten wird.
In unserem Garten gibt es leider keine Eulen und auch keine Möglichkeit, ihnen »Wohnraum anzubieten«. Ab und zu können wir in der Dämmerung jedoch ihre Schatten am Himmel beobachten – kostbare Momente für jeden Tierfreund.
Wir sehen uns im Garten!
XOXO
Sissi
[Quelle: Naturschutzbund und eigene Recherche. Artikelbild: Steinkauz (Athene noctua), kuratiert von Mark Hunter via Adobe Stock. Foto der Schleiereule (Tyto alba): Hans Galder.]