Eingriffeliger Weißdorn (Crataegus monogyna)

Klimabaum: Eingriffeliger Weißdorn

Der Eingriffelige Weißdorn (Crataegus monogyna) ist eines der wertvollsten Gehölze für unsere heimische Tierwelt. Unsere Pflanze des Monats wird als Großstrauch oder Kleinbaum bis zu neun Meter hoch – und im Alter auch breit. Damit ist der Weißdorn natürlich nicht für den Balkon geeignet. Er mag halbschattige bis sonnige Standorte mit kalkigem Boden, ist ansonsten aber anspruchslos. Da ihm Trockenheit wenig ausmacht, qualifiziert sich der Weißdorn durchaus als Klimabaum. Er ist nicht nur solitär, sondern auch als Heckenpflanze eine große Bereicherung für jeden Garten.

Von anderen Weißdornarten ist der Hagedorn, wie er auch genannt wird, schwer zu unterscheiden. Mit dem Zweigriffeligen Weißdorn bildet er ab und an Hybride. Ab Mitte/Ende Mai öffnen sich zahlreiche Blüten. Sie riechen fischig und ziehen neben Bienen und Käfern vor allem Fliegen als Bestäuber an.

Nutzen für die Tierwelt

Der Weißdorn hat in allen Pflanzenteilen viel für die Tierwelt zu bieten. Für rund 80 Schmetterlingsarten bieten die Blätter Raupenfutter, zahllose weitere und teils unscheinbare Insektenarten leben ebenfalls an und auf ihm. Die Beeren werden ab September reif und bleiben den ganzen Winter an der Pflanze. Sie bieten damit vielen Vögeln über den Winter Nahrung, die so wiederum für die Verbreitung des Weißdorns sorgen. Außerdem brüten sie gern in seinen dornigen Ästen, die verhindern, dass Räuber wie beispielsweise freilaufende Katzen zu den Nestern klettern. Bei jungen Trieben schützen die Dornen den Weißdorn vor Verbiss.

Der Weißdorn ist beliebt bei einer Vielzahl von Insekten
Der Weißdorn ist beliebt bei einer Vielzahl von Insekten | Foto: Chmutphoto

Zu Unrecht verfemt

Trotz seiner vielen Vorzüge ist der Weißdorn in einigen deutschen Kleingartenanlagen das Pflanzen von Weißdorn untersagt. Begründet wird dies damit, dass er Zwischenwirt für den Feuerbrand ist, eine bakterielle Gehölzkrankheit. Diese kann auch andere Rosengewächse wie Quitten, Äpfel und Birnen befallen. Zahlreiche weitere Kernobstgehölze, die in Kleingartenanlagen vorhanden sind, zählen ebenfalls zu den Wirten. Weißdorn ist jedoch ohnehin in Deutschland, Österreich und der Schweiz weit verbreitet, Feuerbrandherde sind hingegen meist lokal begrenzt.

Aufgrund seines Wertes als Nahrungs- und Schutzgehölz für die Tierwelt und des Potenzials, das Kleingärten für die biologische Vielfalt haben, sollte dieses Verbot dringend überdacht werden!

Mit seinen ausladenden Ästen und seiner Blütenfülle ist der Weißdorn eine Zierde für jeden Frühlingsgarten
Mit seinen ausladenden Ästen und seiner Blütenfülle ist der Weißdorn eine Zierde für jeden Frühlingsgarten | Foto: hjschneider

Rezept für fruchtiges Weißdorn-Gelee

Uns Menschen schmecken seine kleinen beerenartigen Früchte mit Steinkern nur mäßig bis gar nicht. Ihre Inhaltsstoffe werden jedoch für einige pharmakologischen Produkte genutzt, die als Antioxidantien wirken und gut für das Herz sein sollen. Außerdem eignen sie sich zur Herstellung von Gelee, Marmelade, Sirup oder Saft. Weißdornbeeren gelieren hervorragend und lassen sich gut mit anderen Früchten kombinieren, da ihr Eigengeschmack recht mild ist.

Hier ist ein schnelles und einfaches Rezept für ein Weißdorn-Gelee, das ich mit einem harmonischen Partner wie Apfel- oder Holundersaft empfehle, um den fruchtigen Geschmack zu verstärken:

Zutaten für eine Portion:

  • 400 bis 500 Gramm frische Weißdornbeeren
  • 200 bis 250 Milliliter Apfelsaft oder eine Mischung aus Apfel- und Holundersaft
  • Saft einer halben Bio-Zitrone
  • Bio-Gelierzucker deiner Wahl (3:1 oder 2:1, abhängig von der Menge des gewonnenen Fruchtmuses)

Zubereitung des fruchtigen Weißdorn-Gelees

  1. Wasche die Weißdornbeeren und entferne alle Stiele und Blätter.
  2. Gib die Beeren zusammen mit dem Apfelsaft oder der Saftmischung in einen Topf, sodass die Beeren gut bedeckt sind. Lasse das Ganze aufkochen und dann rund zehn bis 15 Minuten köcheln, bis die Beeren sehr weich sind.
  3. Püriere die Masse grob und streiche das Fruchtmus anschließend durch ein feines Sieb oder eine »Flotte Lotte«, um die Kerne vollständig zu entfernen. Hinweis: Hieraus entsteht das Gelee.
  4. Wiege das gewonnene Fruchtmus ab und gib es mit dem Gelierzucker und dem Zitronensaft zurück in den Topf. Halte dich dabei an das Mischverhältnis des verwendeten Gelierzuckers (zum Beispiel 300 Gramm Fruchtmus zu 100 Gramm Gelierzucker bei 3:1).
  5. Bringe die Mischung unter Rühren zum Kochen und lasse sie – je nach Packungsanweisung – drei bis fünf Minuten sprudelnd kochen, bis sie geliert.
  6. Fülle das heiße Gelee sofort randvoll in vorbereitete, sterilisierte Gläser, verschließe diese fest und stelle sie kurz auf den Kopf.
  7. Auskühlen lassen – fertig!

So erntest du Weißdornbeeren

Die Ernte des Weißdorns ist zwar nicht ohne Dornen, aber sie ist lohnend und zeitlich gut einzugrenzen. Die Früchte des Eingriffeligen Weißdorns reifen im Herbst. Hauptsaison für die Beeren ist von September bis in den Oktober hinein. Sie sind erntereif, wenn sie eine tiefrote bis leuchtend rote Farbe angenommen haben und voll ausgereift sind. Kenner empfehlen, die Beeren erst nach dem ersten leichten Frost zu ernten: Der Frost baut einen Teil der Gerbstoffe in den Früchten ab, was sie süßer und geschmacklich milder macht.

Extratipp für die Natur: Lasse immer einen Großteil der Beeren am Strauch hängen! Sie dienen Vögeln wie dem Dompfaff, dem Kernbeißer und vielen anderen als wichtige und langlebige Winternahrung.

Sissis Resümee

Der Eingriffelige Weißdorn (Crataegus monogyna) ist für mich eine echte Herzensangelegenheit. In meinen Kindertagen im Ruhrgebiet wuchs er gefühlt an jeder Ecke. Heute sehe ich ihn leider fast nur noch in der freien Natur – ein Trend, der mich als Gartenfreundin wirklich traurig stimmt.

Es ist bedauerlich, wie dieses wertvolle Wildgehölz in unseren Gärten zugunsten oft pflegeintensiver und ökologisch nutzloser Exoten, vor allem aus dem asiatischen Raum, in Vergessenheit geraten ist. Dabei ist der Weißdorn ein wahrer Segen für die heimische Tierwelt: Er bietet Raupenfutter für rund 80 Schmetterlingsarten, nahrhafte Beeren für Vögel im Winter und zudem sichere Brutplätze in seinen dornigen Ästen.

Und auch für uns Menschen hat der Weißdorn etwas zu bieten! Während die kleinen, beerenartigen Früchte zwar nur mäßig bis gar nicht schmecken, wie oben schon angemerkt, stecken darin Inhaltsstoffe, die pharmakologisch genutzt werden, etwa als Antioxidantien und zur Unterstützung des Herzens.

Und auch in der Küche können die Beeren überzeugen: Sie eignen sich zur Herstellung von Gelee, Marmelade, Sirup oder Saft. Ich wünsche mir, dass wir diesem anspruchslosen, trockenheitsresistenten Klimabaum wieder den Platz in unseren Gärten einräumen, den er für unsere heimische biologische Vielfalt verdient. Unser Garten ist zu klein und nicht tiefgründig genug. Aber vielleicht hast du ja ein hübsches Plätzchen für ihn?

Wir sehen uns im Garten!

XOXO

Sissi

[Quelle: Markus Schmidt für die Stiftung für Mensch und Umwelt und eigene Recherche. Artikelbild: Eingriffeliger Weißdorn (Crataegus monogyna) in der Blüte, kuratiert von LFRabanedo via Adobe Stock.]