Eidechsen – Scheue Sonnenanbeter
Eidechsen sind Reptilien, gehören somit zu den wechselwarmen Tieren und lieben ausgiebige Sonnenbäder. Eine der am häufigsten verkannten Vertreter dieser Art ist die Blindschleiche, denn sie ist weder blind noch eine Schlange. Vielmehr ist sie – wie ihre Verwandten auch – eine fleißige Insektenvertilgerin. Schon allein deshalb lohnt es sich, Gärten eidechsenfreundlich zu gestalten …
In Österreich gibt es sechs Echsenarten – alle stehen unter Artenschutz. Sie bewohnen sonnige Trockenrasen, Waldränder, Geröllfelder im Gebirge oder strukturreiche Gärten. Als Reptilien gehören Eidechsen zu den wechselwarmen Tieren, da ihre Körpertemperatur stark von der Außentemperatur abhängig ist. Um ihren Körper nach kühlen Nächten wieder aufzuwärmen, genießen die Tiere gern ausgiebige Sonnenbäder.
Echsen in Österreich
- Zauneidechse (Lacerta agilis)
- Östliche Smaragdeidechse (Lacerta viridis)
- Kroatische Gebirgseidechse (Iberolacerta horvathi)
- Mauereidechse (Podarcis muralis)
- Wald- oder Bergeidechse (Zootoca vivipara)
- Westliche Blindschleiche (Anguis fragilis)
Blindschleichen sehen mehr als du denkst
Merke: Eine Schleiche ist keine Schlange!
Eine oft verkannte und mit Schlangen verwechselte Echsenart ist die Blindschleiche. Sie macht es sich gern unter Holz oder Bodenplatten gemütlich, lässt sich aber auch in Gärten mit reichen Steinstrukturen blicken. Sie bildet keine Beinpaare aus und bewegt sich schlängelnd fort – was die Assoziation mit der Schlange hervorruft.
»Im Gegensatz zu ›echten‹ Schlangen besitzen Blindschleichen jedoch Augenlieder, können also blinzeln, und haben glatte, schimmernde Schuppen, die ihnen auch ihren Namen eingebracht haben, denn sie sehen sehr wohl«, sagt Naturschutzbund-Expertin Carolina Trcka-Rojas.
Der Name der Blindschleiche leitet sich vom althochdeutschen »Plintslicho« her, was so viel wie »blendender Schleicher« bedeutet und sich auf das blendend glatte Erscheinungsbild des Reptils bezieht.
Weg mit dem Schwanz!
Der sagenumwobene Schwanzabwurf ist kein Spaß
Eidechsen sind bekannt dafür, bei Gefahr ihren Schwanz abzuwerfen. Sie besitzen an bestimmten Stellen der Schwanzwirbelsäule natürliche »Sollbruchstellen«. Bei Bedrohung oder Berührung trennt sich der Schwanz an dieser Stelle reflexartig ab. Während die Wunde rasch verheilt, bewegt sich der abgeworfene Schwanz stark, um den Angreifer abzulenken.
So faszinierend dieser Prozess auch ist, er bedeutet für die Tiere großen Stress: Der fehlende Schwanz bedeutet für sie einerseits Mobilitätsverlust andererseits aber auch den Verlust wichtiger Fettreserven. Auch wächst der Schwanz nicht mehr vollständig nach, es bildet sich ein knorpeliges Ersatzgewebe anstatt einer echten Wirbelsäule, das kürzer, dicker und dunkler gerät als der ursprüngliche Schwanz.
»Die Regeneration kostet die scheuen Sonnenanbeter sehr viel Energie, weshalb man Eidechsen nicht unnötig stressen sollte«, so Trcka- Rojas.
Leben und Sterben der Eidechsen
Eidechsen stehen auf der nationalen Roten Liste …
Während die Bergeidechse bis in hochalpine Lagen vorkommen kann, beschränkt sich der Lebensraum von Mauereidechsen auf tiefere, wärmere Regionen. Die Smaragdeidechse kommt weder in alpinen Regionen noch in West-Österreich vor, während die Zauneidechse in fast ganz Österreich verbreitet ist.
Obwohl manche Eidechsenarten in Österreich – noch – weit verbreitet sind, lauern tagtäglich Gefahren und die Tiere stehen in Österreich unter strengem Schutz. Hauptleidensdruck der stillen Reptilien ist ein starker Lebensraumverlust, da strukturreiche Habitate wie Trockensteinmauern, Hecken oder Trockenrasen immer mehr verschwinden.
Doch auch die Klimakrise und Extremwetterereignisse lassen viele Eidechsenpopulationen schwinden: Während die Mauereidechse als wärmeliebende Generalistin mehr und mehr an Gebiet gewinnt, verlieren andere Arten wie beispielsweise die Zauneidechse, die Östliche Smaragdeidechse und die Kroatische Gebirgseidechse an Habitaten.
Etymologie
Das Wort »Eidechsen« setzt sich nicht etwa aus »Eid« und »Echsen« zusammen, sondern aus »Ei« (urgermanisch: agi, awi = »schlangenartig«) und »dechsen« (urgermanisch: þahsjō(n) = »spindelförmig«).
Eidechsen kennen, melden und schützen
Eidechsen lieben naturnahe, strukturreiche Habitate. Wer seinen Garten also dementsprechend anlegt, kann sich bald über den Besuch der Sonnenanbeter freuen. Mit nur wenigen kleinen Anpassungen kannst du den eigenen Garten in ein Refugium für Eidechsen verwandeln:
Empfehlenswert ist es, Stein- und Totholzhaufen sowie Holzstapel liegen zu lassen. Heimische Heckengehölze, speziell dornenreiche Arten wie die Schlehe, dienen als Verstecke gegen Fressfeinde. Ebenfalls empfohlen werden seltenes Mähen und das Stehenlassen von »wilden Ecken« als Rückzugsorte für die schillernden Sonnenfreunde, die es einem danken, indem sie sämtliche »Schädlinge«, sprich: lästige Insekten fressen.
- Lesetipp: So baust du eine Eidechsenburg
Eidechsen knipsen – Eidechsen schützen
Der Naturschutzbund sucht gemeinsam mit Global2000 im Projekt BIOM-Garten nach Amphibien und Reptilien in Österreichs Gärten. Also bei einer Eidechsenbeobachtung unbedingt dein Handy zücken, drauflosknipsen und die Fotos auf Naturbeobachtung.at mit dem Kommentar »BIOM-Garten«* teilen und so zum Schutz der bedrohten Tiere beitragen! Gut zu wissen: Das Projekt wird durch den Biodiversitätsfonds des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie gefördert.
Sissis Resümee
Rechtzeitig zum Welttag der Eidechse am 14. August tauchen wir ein in die faszinierende Welt dieser schönen Reptilien. Gut zu wissen: Echte Eidechsen (Lacertidae) sind zwar Echsen (Lacertilia), aber nicht alle Echsen sind Eidechsen. Ein gutes Beispiel für vielerlei Missverständnisse ist auch die Blindschleiche: Obwohl sie auf den ersten Blick wie eine Schlange aussieht und sich schlängelnd fortbewegt, besitzt sie glatte, schimmernde Schuppen und bewegliche Augenlider. Das unterscheidet sie deutlich von echten Schlangen (Serpentes). Außerdem müssen sie zum Züngeln ihr Maul öffnen, Schlangen nicht.
Die Blindschleiche und ihre Verwandten, die Eidechsen, sind ungemein nützlich für unser Ökosystem, da sie lästige Insekten fressen und somit als natürliche Schädlingsbekämpfer fungieren. Auf diese Weise tragen sie entscheidend zum ökologischen Gleichgewicht deines Gartens bei. Ein Grund mehr also, deinen eigenen Garten eidechsenfreundlich zu gestalten!
Zwar hat nicht jeder von uns den Raum oder die Möglichkeiten zum Bau einer Eidechsenburg, aber oft genügt es schon, auf den Einsatz von Pestiziden und Mährobotern zu verzichten und abwechslungsreiche Strukturen mit vielen Verstecken in deinem naturnahen Garten zu schaffen, damit sich die filigranen Tiere wohlfühlen.
Ich freue mich immer, wenn ich sehe, wie sich unsere Arbeit auszahlt. Erst vor wenigen Tagen schlängelte sich ein junges Exemplar einer Blindschleiche entspannt über unsere Terrasse und verschwand gemächlich im unteren Teil unseres Gartenumschwungs. Dort, wo große Felsbrocken und wilde Ecken mit Totholz, krautiger Vegetation und Hecken sowie Laub- und Komposthaufen den Tieren sichere Rückzugsorte bieten, können sie sich ungestört tummeln. Ein Anblick, der mein Gärtnerherz höher schlagen lässt.
Wir sehen uns im Garten!
XOXO
Sissi
[Quelle: Naturschutzbund und eigene Recherche. Artikelbild: Bergeidechse (Zootoca vivipara), kuratiert von Dominik Moser.]