Deutschland summt auch 2026
Der Frühling lockt uns nach draußen und weckt die Vorfreude auf die kommende Gartensaison. Pünktlich dazu startet heute der bundesweite Pflanzwettbewerb »Deutschland summt!« und lenkt unseren Blick auf eine unbequeme Wahrheit – die heimische Natur kämpft ums Überleben.
Ein massives globales Artensterben prägt unsere Zeit. Die Weltnaturschutzunion IUCN warnt, dass 28 Prozent der über 166.000 bewerteten Arten vom Aussterben bedroht sind. Auch vor unserer Haustür sieht es dramatisch aus: Das Bundesamt für Naturschutz meldet, dass in Deutschland über ein Viertel der Insektenarten gefährdet ist. Bei den Bienen sind laut Rote-Liste-Zentrum sogar etwa 48 Prozent der bewerteten Arten bestandsgefährdet oder bereits ausgestorben. Es ist höchste Zeit, diesem Trend entgegenzuwirken.
Der Hauptgrund für diesen besorgniserregenden Artenschwund ist der massive Verlust natürlicher Lebensräume. Ohne Wildbienen und andere Insekten geraten sämtliche Ökosysteme ins Wanken. Fehlen diese essenziellen Bestäuber, spüren wir die Konsequenzen unweigerlich selbst. Wir müssen jetzt handeln und der Natur wertvolle Flächen zurückgeben.
Genau hier setzt die Stiftung für Mensch und Umwelt an. Mit der mittlerweile elften Runde ihrer Initiative fordert sie uns zum Mitmachen auf. Von heute an bis zum 31. Juli 2026 sind alle Naturfreunde eingeladen, ihre Gärten und Balkone in rettende Paradiese für Wildbienen und andere Insekten zu verwandeln.
Jede Fläche zählt
Vom Blumenkasten bis zum Firmengarten
Niemand muss ein weitläufiges Gartenparadies besitzen, um aktiven Naturschutz zu betreiben. Der Wettbewerb »Deutschland summt!« beweist, wie viel bereits kleine Veränderungen bewirken. Das Projekt richtet sich an Privatleute, Schulen, Kommunen und Unternehmen. Ganz gleich, ob die Fläche zwei oder 5.000 Quadratmeter umfasst – für jedes Vorhaben gibt es die passende Nische.
Die Organisatoren haben neun Kategorien ins Leben gerufen. Die Bandbreite reicht von Privatgärten und Kleingartenparzellen bis hin zu Balkonen. Auch Firmengelände, Vereinsgärten, Schulhöfe, Kita-Gärten und kommunale Flächen fließen in die Wertung ein. Jeder Quadratmeter, den wir der Natur zurückgeben, zählt.
9 Kategorien, mit denen Deutschland summt!
- Balkone, Terrassen, Dachgärten oder vertikale Gärten
- Privatgärten klein (kleiner als 500 m2)
- Privatgärten groß (größer als 500 m2)
- Firmengärten
- Kleingartenparzellen
- Schul- und Jugendclubgärten
- Kita-Gärten
- Kommunale Flächen
- Vereinsgärten, Liegenschaften von Verwaltung, Kirche etc. und Sonstige
Du siehst: Bei dieser Auswahl ist für jeden Wildbienenfreund das passende Projekt dabei. Wir alle können direkt mit anpacken und unseren Teil dazu beitragen, dass Deutschland summt!

Naturnahe Oasen
Nahrung und Nistplätze für bedrohte Bestäuber
Ein insektenfreundlicher Garten verlangt keine aufwendige Planung, sondern die Rückkehr zur heimischen Flora. Exotische Zierpflanzen bieten den Insekten meist weder Nektar noch Pollen. Wer Wildbienen helfen will, pflanzt heimische Stauden, Wildblumen und Kräuter. Sie bilden das Fundament für einen lebendigen Lebensraum.
Doch Nahrung allein reicht nicht. Insekten brauchen auch sichere Nistplätze. Struktur im Garten ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Totholz, offene Bodenstellen oder kleine Sandbereiche bieten Wildbienen ideale Rückzugsorte und Brutstätten. Ganz nebenbei erschaffen wir durch diese naturnahe Gestaltung lebendige Orte, an denen wir die Natur direkt vor der Haustür erleben.
Lesetipps für mehr Insektenglück
- Ganz einfach – Stauden
- Klein & wild
- Der KOSMOS Hummelführer
- So hilfst du Wildbienen
- Wildblumen im eigenen Garten
- Feuerwanzen sind Freunde!
- Nature Guide Insekten
- Die schönsten Duftpflanzen für deinen Garten
- Mein Insektenparadies
- Wer Schmetterlinge liebt, muss Raupen füttern
- Biene sucht Balkon
- Schritt für Schritt zum Käferglück – mit einem Käferkeller!
Gemeinsam anpacken
Warum Miteinander die Jury überzeugt
Der Wettbewerb »Deutschland summt!« rückt das soziale Miteinander in den Fokus. Die Jury bewertet nicht nur die ökologische Aufwertung der Fläche, sondern auch den Einsatz der Teilnehmenden. Wer andere für das naturnahe Gärtnern begeistert, sammelt Pluspunkte – sei es durch gemeinsame Pflanzaktionen, Informationsangebote oder Veranstaltungen.
Die Teilnahme ist kinderleicht, auch ohne großes Vorwissen. Interessierte laden eine Kurzbeschreibung ihrer Aktion samt Vorher-Nachher-Fotos auf der Wettbewerbsplattform hoch. Dort dokumentieren sie die frischen Flächen mit ihren heimischen Pflanzen und naturnahen Strukturen. Auf die Gewinner warten Trophäen, Urkunden und Sachpreise.
So urteilt die Fachjury
Vier Kriterien für siegreiche Wildbienenparadiese
Wer am Ende auf dem Siegertreppchen stehen möchte, muss in vier Bereichen überzeugen. Die Jury legt bei der Bewertung klare Maßstäbe an:
- Pflanzenwahl: Exoten haben das Nachsehen. Heimisch, vielfältig und reich an Nektar müssen die Gewächse sein.
- Lebensräume: Struktur bietet Sicherheit. Die Juroren suchen gezielt nach Totholzhaufen, Trockenmauern, kleinen Teichen, wilden Ecken oder Sandlinsen.
- Dokumentation: Die Freude an der Arbeit muss sichtbar sein. Die Jury verlangt mindestens zwei Vorher-Nachher-Übersichtsbilder aus der Distanz. Menschen in Aktion auf den Fotos sind Pflicht, reine Nahaufnahmen von Blüten und Bienen dienen lediglich als Ergänzung.
- Außenwirkung: Wer sein Projekt bekannt macht, sammelt wertvolle Pluspunkte. Das Spektrum reicht von lokaler Pressearbeit und Social-Media-Kampagnen über gemeinsame Pflanzaktionen mit der Nachbarschaft bis hin zur feierlichen Einweihung mit dem Bürgermeister.
Die Initiatoren
Berliner Stiftung bringt Natur in die Stadt
Hinter dem Wettbewerb »Deutschland summt!« steht die Stiftung für Mensch und Umwelt. Die gemeinnützige Berliner Organisation engagiert sich bundesweit dafür, graue urbane Räume wieder aufblühen zu lassen. Damit fördert sie nachhaltig die biologische Vielfalt.
Dabei agiert das Team keineswegs nur vom Schreibtisch aus. Als zertifizierter Naturgartenfachbetrieb hat sich die Stiftung in den vergangenen Jahren einen Namen bei der naturnahen Gestaltung von Freiflächen im Wohnungsbau gemacht. Sie beweist täglich, dass angewandter Naturschutz selbst mitten in der Stadt funktioniert.
Auch Landbewohner dürfen sich von der Aktion ausdrücklich angesprochen fühlen! Paradoxerweise summt es in unseren Metropolen heute oft lauter als auf dem Dorf. Weite Teile der ländlichen Gebiete sind von landwirtschaftlichen Monokulturen geprägt. Diese »grünen Wüsten« bieten Wildbienen kaum noch Nahrung. Umso wertvoller sind naturnahe Privatgärten auf dem Land. Sie bilden rettende Oasen in einer ansonsten artenarmen Umgebung.
Vorfreude auf 2027
Warum ich erst im nächsten Jahr mitmache
Es ist wie verhext. Seit Jahren verfolge ich den Wettbewerb »Deutschland summt!« und nehme mir fest vor, mein eigenes grünes Reich ins Rennen zu schicken. Doch das Leben durchkreuzte diese Pläne. Mein Münchner Garten war schlicht zu klein für ein echtes Wildbienenparadies. Als ich neu Anlauf nahm, bremste uns die Corona-Pandemie aus.
Die vergangenen fünf Jahre verbrachte ich in der Schweiz – umgeben von herrlicher Natur, aber eben außerhalb des Einzugsgebiets. Ich lernte hier viel über die heimische Flora im DACH-Raum, konnte meine Pflanzideen aufgrund der Gartenbedingungen jedoch nur zum Teil in die Tat umsetzen.
Auch in diesem Jahr bleibt die Teilnahme ein Traum. Mitten im Sommer ziehe ich erneut um. Umzugskartons und frische Wildblumenbeete vertragen sich schlecht. Doch die Pläne reifen, zumal ein weiteres Highlight wartet: Wer bei »Deutschland summt!« mitmacht, kann zusätzlich am Fotowettbewerb »Mein Gartenparadies« teilnehmen. Diese Kombination reizt mich enorm!
Wenn die Kisten ausgepackt sind und der neue Garten vor mir liegt, zählen keine Ausreden mehr. Im Jahr 2027 bin ich sicher dabei – mit Schaufel, hübschen heimischen Stauden und viel Leidenschaft für unsere brummenden und summenden Mitbewohner.
Wir sehen uns im Garten!
XOXO
Sissi
[Quellen: Stiftung für Mensch und Umwelt und eigene Recherche. Artikelbild: Beliebte Brummer – Hummeln erobern unsere Gärten im Sturm. Was viele Naturfreunde jedoch überrascht: Auch diese flauschigen Flieger zählen zu den Wildbienen, Foto kuratiert von Iván Vieito García via Adobe Stock.]