Das Leben der Schmetterlinge
Der Sommer, der sich aktuell wieder von seiner schönsten Seite zeigt, ist auch die Hochsaison der Schmetterlinge. Am spannendsten am Schmetterlingsleben ist die aufwändige Metamorphose der Falter. Wer unsere flatternden Freunde schützen möchte, kann dies beispielsweise über die Naturschutzbund-Plattform Naturbeobachtung.at oder die gleichnamige App tun.
Wunder der Metamorphose
Vom Ei zum filigranen Falter
Die Entwicklung des Schmetterlings beginnt beim Ei. Die Eier sind in Größe, Farbe, Oberfläche und Form so unterschiedlich wie die Falter selbst. Die weiblichen Schmetterlinge legen ihre Eier meist gezielt an für die Raupen wichtigen Futterpflanzen ab. Ob Eier einzeln oder in Gruppen »angeklebt« werden, ist von der jeweiligen Art abhängig. Auch die Dauer der Entwicklung im Ei kann artabhängig von einigen Tagen bis hin zu mehreren Wochen dauern.
Aus dem Ei schlüpft die Raupe, deren Lieblingsbeschäftigung das Fressen ist. Sie besitzt kräftige beißend-kauende Mundwerkzeuge; Fühler und Augen sind nur reduziert vorhanden. Der Rumpf besteht aus gleichmäßig aneinandergereihten Segmenten. Das Aussehen der Raupe kann von Art zu Art sehr unterschiedlich sein: Es gibt behaarte, glatte, stachelige sowie fast einfarbige oder bunte Tiere.
Um wachsen zu können, häuten sich die Raupen während ihrer Entwicklung mehrfach, bis sie sich am Ende des Raupenstadiums in eine wenig bewegliche Puppe verwandeln. Bei Tagfaltern sind die Puppen von einer schützenden Hülle umgeben und an Ästen, Halmen oder Stängeln befestigt. Die Raupen der übrigen Schmetterlingsfamilien verpuppen sich entweder frei im Boden oder spinnen einen Kokon aus Seide in der Erde oder an Bäumen, der sie vor ungebetenen Eindringlingen schützt.
Im Puppenstadium findet ein vollständiger Umbau statt und die Organe der adulten Tiere werden angelegt. Die Entwicklung zum Schmetterling kann von wenigen Tagen bis zu mehreren Jahren dauern.
»Das Schlüpfen des Schmetterlings ist ein enormer Kraftakt. Zudem muss er seine Flügel durch das Einpumpen von Körperflüssigkeiten erst in Form bringen. Damit der Schmetterling flugfähig ist, darf dieser Vorgang nicht unterbrochen werden, da es sonst zu Missbildungen kommen kann. Nach dem Aushärten der Flügel kann der Schmetterling fliegen«, sagt Naturschutzbund-Expertin Carolina Trcka-Rojas.
Das Leben vergeht im Flug
Kurz & gut
Das kurze Dasein als frisch entfalteter Falter ist die letzte Phase im Leben der Schmetterlinge und dient hauptsächlich der Arterhaltung. Gefressen wird nun nicht mehr, um zu wachsen, sondern um den täglichen Energiebedarf abzudecken und sich erfolgreich zu paaren.
Manche Arten nehmen im Falterstadium gar keine Nahrung mehr auf, da sie nur wenige Tage leben. Andere Arten dagegen können fast ein ganzes Jahr alt werden. Männchen stecken häufig Reviere ab und verteidigen diese. Mit teils aufwändigen Balzritualen werden die Weibchen umgarnt. Viele Weibchen verströmen Pheromone, um Männchen auch aus größerer Entfernung anzulocken.

Tag & Nacht unterwegs
Schmetterlinge rund um die Uhr …
Es gibt Tag- und Nachtfalter, wobei der Name nicht zwingend von der Hauptaktivitätszeit abhängt, sondern von Faktoren wie Verwandtschaft und Physiologie. Im Allgemeinen sind Tagfalter tatsächlich bei Tag und Nachtfalter bei Nacht unterwegs, doch es gibt Ausnahmen: »Die Widderchen beispielsweise zählen zwar zu den Nachtfaltern, sind jedoch hauptsächlich tagaktiv«, so Trcka-Rojas.
Sowohl Nacht- als auch Tagfalter erfreuen sich ob ihrer vielfältigen Farben und Formen großer Beliebtheit. Das Große Ochsenauge (Maniola jurtina), bisweilen auch Kuhauge genannt, ist dabei Österreichs häufigster Falter und fällt durch seinen markanten Augenfleck auf den braunen Flügeln auf.
Der Falter kommt vom Tiefland bis zur Waldgrenze im Gebirge vor. Am allerliebsten hält er sich in offenen und warmen Gefilden – speziell nahe von Trockenrasen und Waldrändern – auf. Während Große Ochsenaugen sehr häufig vorkommen, sind Kleine Ochsenaugen (Hyponephele lycaon) vom Aussterben bedroht.
»Der Grund dafür: Letztere sind – im Gegensatz zu ihren ›großen Brüdern‹ – keine Generalisten, sondern an Magerrasen und Trockenlebensräume angepasst, die immer weniger werden«, sagt Trcka Rojas. »Spannend ist auch der Admiral (Vanessa atalanta): Er ist ein sogenannter Wanderfalter und zieht im Frühjahr aus seinen Überwinterungsgebieten in Südeuropa und Nordafrika nach Mittel- und Nordeuropa.«

Wer Schmetterlinge liebt, muss Raupen füttern
Buchtipp
Im Jahr 2023 gab es so wenige Schmetterlinge wie noch nie zuvor. Der aktive Schutz der schönen Insekten ist daher zunehmend wichtig. Doch wie können wir Schmetterlinge & Co. unterstützen? Was können einzelne Gartenbesitzer tun, um die Vielfalt zu erhalten?
Frank und Katrin Hecker geben in ihrem Buch spannende Einblicke in die faszinierende Welt der flatternden und krabbelnden Insekten. In großartigen Aufnahmen zeigen sie ihre Entwicklungsstadien und ihre Lebensweise, und geben Rat, was jeder im Kleinen schon bei der Gartenarbeit Großes gegen das Insektensterben bewirken kann. So geht insektenfreundliches Gärtnern von Frühling bis Winter!

Bibliografische Angaben
Titel: Wer Schmetterlinge liebt, muss Raupen füttern: Insekten im Garten fördern und schützen
Taschenbuch: 144 Seiten mit vielen zauberhaften Fotos
Verlag: KOSMOS
Erscheinungsdatum: 20. Januar 2025 (1. Edition)
Sprache: Deutsch
Format: 17,0 x 1,7 x 24,0 Zentimeter
ISBN-10: 3440181626
ISBN-13: 978-3-440-18162-1
Preis: EUR 20,00 [D] | EUR 20,60 [AT] | CHF 29,90 [CH]
Schmetterlinge beobachten und schützen
Wer in Österreich zum Schutz der bunten Traumtänzer beitragen möchte – so geht’s: Einfach Handy oder Kamera schnappen, Bilder von Schmetterlingen in möglichst vielen verschiedenen »Posen« machen und diese auf Naturbeobachtung.at oder der gleichnamigen App hochladen. Die Citizen-Science-Plattform des Naturschutzbundes schafft mit der Sammlung von Daten zu heimischen Tierarten die Basis für wissenschaftlich fundierten Artenschutz. Jedes geteilte Bild zählt!
In Deutschland gab und gibt es ähnliche Projekte. Leider ist der NABU-Insektensommer nach sieben erfolgreichen Jahren vorbei, doch hält der NABU weiterhin zahlreiche Informationen über eine Vielzahl an Insekten bereit. Mit der neuen Web-App »NABU Insektensommer« kannst du darüber hinaus viele der in Deutschland heimischen Insekten per KI-Bilderkennung bestimmen und Beobachtungen per Smartphone online melden. Hinweis: Um die Web-App zu nutzen, benötigst du eine stabile Internetverbindung.
Und in der Schweiz? Da existiert es unter anderem ein Schmetterlingsbeobachtungs- und Monitoring-Programm, welches im Schweizer Zentrum für die Kartografie der Fauna (Centre Suisse de Cartographie de la Faune) in deutscher, englischer, französischer und italienischer Sprache allen interessierten Tierfreunden offen steht. Daneben bieten auch viele Naturschutzverbände und regionale Naturschutzgruppen zeitlich begrenzte Programme zur Schmetterlingsbeobachtung an. Mein Tipp: Einfach mal bei Pro Natura schauen, welche Gruppen es in deiner Nähe gibt!
Sissis Resümee
Unser Gartenparadies bietet nicht nur uns Menschen, sondern auch den filigranen Faltern ein Zuhause. Wer die farbenprächtigen Schmetterlinge bei uns willkommen heißen möchte, muss zwangsläufig auch ihre Raupen hegen. Wie das auf ganz einfache, aber stilvolle Weise gelingt und jedes Gärtnerherz höher schlagen lässt, erfährst du in dem von mir vorgestellten Buch »Wer Schmetterlinge liebt, muss Raupen füttern«, das uns auf dem Weg zum schmetterlingsfreundlichen Garten begleitet.
Doch das Abenteuer endet nicht mit dem Sonnenuntergang! Es lohnt sich, auch in der Dämmerung die Augen offenzuhalten. Erst kürzlich haben wir eine wahre Fülle von Nachtfaltern mit einem außergewöhnlich flatterhaften Flugmuster entdeckt, die wir noch genauer bestimmen müssen. Diese geheimnisvollen, nachtaktiven Schönheiten bereichern unser nächtliches Gartenbild und erinnern uns daran, dass die Schmetterlingswelt auch dann pulsiert, wenn wir uns zur Ruhe begeben.
Denken wir daran: Schmetterlinge sind nicht einfach nur »schmückendes Beiwerk« im Garten! Als wichtige Bestäuber spielen sie eine unverzichtbare Rolle in unserem Ökosystem und tragen maßgeblich zur Gesundheit unserer Pflanzen bei. Jeder Falter, den wir in unserem Garten willkommen heißen, ist somit ein kleiner, aber bedeutender Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt. Ein Hoch auf diese wahren Künstler der Lüfte!
XOXO
Sissi
[Produktempfehlungen erfolgen rein redaktionell und unabhängig. Alle Preisangaben ohne Gewähr. Produktverfügbarkeiten und Preise können im DACH-Raum variieren. Quelle: Naturschutzbund und eigene Recherche. Buchtipp: via KOSMOS Verlag. Artikelbild: Der Admiral (Vanessa atalanta) zieht Frühjahr für Frühjahr aus seinen Überwinterungsgebieten in Südeuropa und Nordafrika nach Mittel- und Nordeuropa, kuratiert von August Esterer.]