Besuch im Plättli Zoo
Der steile Anstieg hinauf zum Herten hat sich gelohnt. Vor meinen Augen liegt Frauenfeld, eingebettet in das herrliche Hügelland des Thurgaus, doch meine Aufmerksamkeit gehört heute nicht der Aussicht. Ein tiefes, grollendes Brüllen lässt die Luft vibrieren. Es ist Sonntag, mein freier Tag, und ich stehe nicht in der Savanne, sondern vor dem Gehege der Löwen im Plättli Zoo. Der Wind trägt den herben Geruch von Wildtieren und frischem Heu herüber. Hier, hoch über der Stadt, ticken die Uhren anders.
Dieser Zoo unterscheidet sich angenehm von den gigantischen Freizeitparks der Neuzeit. Er wirkt intim, geradezu familiär, und ist für Groß und Klein gleichermaßen attraktiv. Schon beim Betreten spürst du die Geschichte dieses Ortes, den Walter Mauerhofer einst mit einem Esel begründete. Heute leben hier rund 200 Tiere aus etwa 50 Arten. Vertreten sind sowohl einheimische (Nutz-)Tiere als auch exotische Wildtiere. Ich schlendere über die Kieswege, vorbei an neugierigen Berberaffen, die ihre Pfoten durch das Gitter strecken. Die Nähe zu den Tieren ist greifbar und zieht mich sofort in den Bann.
Besonders gefällt mir die Unaufgeregtheit der Anlage inmitten der Natur. Keine riesigen Betonwüsten, keine digitalen Informationstafeln, die mich mit Daten erschlagen. Stattdessen beobachte ich Berberaffen beim lausenden Sozialspiel und blicke direkt in die goldenen Augen eines Pumas. Der Plättli Zoo zwingt mich zum Entschleunigen. Ich bleibe stehen. Ich schaue hin. Ich atme durch.
Könige und Kuscheltiere
Das Herzstück bildet zweifellos die Raubtierhaltung. Die Löwen mit ihrer imposanten Mähne flößen mir Respekt ein. Sie dösen in der schwachen Wintersonne, gähnen herzhaft und zeigen dabei Zähne, die jeden Zahnarzt erzittern ließen. Doch nur wenige Meter weiter wechselt die Szenerie: Im Streichelzoo warten Zwergziegen und Hausschafe auf streichelwillige Hände. Kinderlachen hallt über den Platz. Das weiche Fell der Ziegen unter meinen Fingern erdet mich sofort. Hier darfst du Tierliebe wortwörtlich »begreifen«.



Unterhaltsam finde ich, dass eine Tierpflegerin auf den Stufen vor dem Stall sitzt. Jedes Mal, wenn sich eine der neugierigen Ziegen in die Sicherheitsschleuse verirrt, steht sie auf, um das Tier wieder zurück ins Gehege zu leiten. Diese Aufgabe ist vor allem an den Wochenenden nötig, wenn viele Familien mit Kindern in den Plättli Zoo kommen. Schließlich soll ein Ausbrechen der Tiere verhindert werden. Prinzipiell muss eines der Schleusentore geschlossen sein, bevor das andere geöffnet wird. Das ist nicht immer einfach, wenn sich die flinken Ziegen durch die Tore drängeln! Wer je von einer Ziege zur Seite geschupst wurde, weiß, was ich meine …



Diese Tiere kannst du im Plättli Zoo sehen:
- Berberaffe (Macaca sylvanus)
- Blaustirnamazone (Amazona aestiva)
- Benettwallaby (Macropus rufogriseus)
- Chinesiches Baumstreifenhörnchen (Tamiops swinhoei)
- Diamanttaube (Geopelia cuneata)
- Esel (Equus africanus f. asinus)
- Edelpapagei (Electus roratus)
- Europäischer Uhu (Bubo bubo)
- Gelbbrustara (Ara ararauna)
- Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni)
- Grünflügelara (Ara chloropterus)
- Hauskaninchen (Oryctolagus cuniculus forma domestica)
- Hausschaf (Ovis gmelini aries)
- Hellroter Ara (Ara macao)
- Japanwachtel (Coturnix japonica)
- Lachtaube (Streptopelia roseogrisea)
- Lama (Lama glama)
- Meerschwein (Cavia porcellus)
- Nördlicher Löwe (Panthera leo leo)
- Nymphensittich (Nymphicus hollandicus)
- Pony (Equus ferus f. caballus)
- Puma (Puma concolor)
- Rotwangenschmuckschildkröten (Rachemys scripta elegans)
- Rotrückenara (Primolius maracana)
- Rosella (Platycercus eximius)
- Schimpanse (Pan troglodytes)
- Schleiereule (Tyto alba)
- Schneeeule (Bubo nyctea scandiaca)
- Soldatenara (Ara ambiguus)
- Singsittich (Psephotus haematonotus)
- Trampeltier (Camelus bactrianus)
- Waldkauz (Strix aluco)
- Wellensittich (Melopsittacus undulatus)
- Waschbär (Procyon lotor)
- Wildschwein (Sus scrofa)
- Weißbüschelaffe (Callithrix jacchus)
- Zebfrafink (Taeniopygia guttata)
- Zackelschaf (Ovis aries strepsiceros Hungaricus)
- Zwergziege (Capra aegagrus hircus)
Bitte beachte, dass der Winter seinen Tribut fordert! Nicht alle Bewohner zeigen sich bei eisigen Temperaturen. So genießen zum Beispiel die Schildkröten ihre wohlverdiente Winterstarre tief im Verborgenen der Erde. Auch andere wärmeliebende Tiere bleiben lieber in ihren geschützten Innenanlagen. Wer diese Exoten in voller Aktion erleben will, braucht entweder Glück beim Blick durch die Scheibe oder plant seinen Besuch für die ersten warmen Frühlingstage. Ab Mitte/Ende März ist sicher auch mit vielen Tierbabys zu rechnen.
Tierische Momente





Haltung von Menschenaffen wird aufgegeben
Gut zu wissen: Aktuell lebt im Plättli Zoo nur noch die Schimpansin Konda, nachdem ihre Halbschwester Schnügel Ende Januar 2024 verstarb. Eine lange Zeit allein für solch ein soziales Wesen!
Konda lebt in einer rundum vergitterten Außenanlage und kann überdies auch eine Innenanlage nutzen. Zwar gibt es Kletterstrukturen, doch es fehlt an Raum, Beschäftigungsreizen und vor allem einer natürlichen Gruppe. Diese Einzelhaltung ist nicht mehr zeitgemäß.
Die Zooleitung plant deshalb Kondas Transfer in eine soziale Gemeinschaft und will die Haltung von Menschenaffen aufgeben. Zum Glück, muss ich sagen, denn das Gehege erscheint mir wirklich nicht angemessen für eine artgerechte Schimpansenhaltung. Konda soll voraussichtlich im April 2026 ein neues Zuhause im Walter Zoo finden. Ich freue mich darüber, dass ihre »Einzelhaft« nun bald ein Ende hat und wünsche ihr eine gute Eingewöhnung in ihrer neuen Affenfamilie!
Berberaffen verrückt nach Popcorn
Die weitläufige, schön strukturierte Anlage der Berberaffen überzeugt mit Kletterfelsen, hohen Bäumen und einem Wasserbecken. Da nur eine Seite für Besucher zugänglich ist, finden die Tiere jederzeit Rückzugsmöglichkeiten. Problematisch finde ich jedoch das Füttern mit dem am Eingang verkauften Popcorn durch die Besucher: Es konditioniert die Affen zum Betteln und löst Stress durch Futterneid aus. Ein Fütterungsverbot wäre aus Tierschutzgründen dringend angeraten.
Auch macht die Dummheit mancher Besucher selbst vor dem Gitter nicht halt. Da wird der gesunde Menschenverstand samt Überlebensinstinkt offenbar am Eingang abgegeben, wenn Finger und ganze Hände durch die Lücken im Zaun gezwängt werden, um die Tiere zu streicheln. Dass ein Berberaffe kein plüschiges Spielzeug ist, sondern ein Wildtier mit kräftigem Gebiss, scheint völlig egal zu sein. Wer seine Gliedmaßen freiwillig in das Revier eines Primaten steckt und sich dann wundert, wenn statt Dankbarkeit ein schmerzhafter Biss folgt, liefert eigentlich nur den ultimativen Beweis dafür, dass die Evolution beim Menschen wohl doch noch nicht abgeschlossen ist.
Außerdem ist es frustrierend zu sehen, wie oft die Kommunikation der Berberaffen völlig missverstanden wird. Das gedankenlose Rattern am Gitter oder gar das Bewerfen mit Popcorn ist für die Tiere kein Spiel, sondern massiver Stress, der sie in ständige Alarmbereitschaft versetzt. Noch trauriger ist das Unwissen über ihre Mimik: Wenn ein Berberaffe die Zähne zeigt, lacht er nicht – er signalisiert Angst oder Unterwerfung. Wer echten Respekt vor der Natur hat, verzichtet auf billige Effekthascherei für ach so »lustige« Selfies und beobachtet still. Nur so offenbart sich die wahre Intelligenz dieser faszinierenden sozialen Tiere.
Müssen Löwen und Pumas in einem Privatzoo wirklich sein?
Die Haltung der Nördlichen Löwen auf der rund 500 Quadratmeter großen Anlage wirft zwangsläufig die Frage nach der Zeitgemäßheit auf. Zwar bietet das Gehege gewisse Rückzugsmöglichkeiten, doch fehlt es der Anlage spürbar an Tiefe und Struktur. Auch wenn der bewusste Verzicht auf Nachwuchs eine weitere Überfüllung verhindert, bleibt der aktuelle Zustand ein Kompromiss: Eine Aufwertung durch mehr Vegetation und Beschäftigung wäre das Mindeste, um den Bedürfnissen dieser majestätischen Raubkatzen gerecht zu werden – sofern man an der Haltung überhaupt langfristig festhalten möchte.
Ähnlich ambivalent präsentiert sich die Situation bei den Pumas. Auf knapp 200 Quadratmetern wurde mit Kletterstrukturen und einem Verbindungstunnel über den Besucherwegen zwar kreativ Raum geschaffen, doch die grundsätzliche Enge bleibt bestehen. Der Tunnel wird von den Tieren als Aussichtspunkt geschätzt (ich werde von dort oben neugierig beäugt), täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass die Parallelhaltung zweier Großkatzenarten auf diesem begrenzten Raum problematisch ist. Aus Tierschutzsicht wäre es ratsam, zumindest eine der beiden Arten abzugeben, um der verbleibenden durch die Zusammenlegung der Flächen ein deutlich katzenwürdigeres Leben zu ermöglichen.
Doch vielleicht macht sogar ein noch radikalerer Schritt Sinn: Wäre es nicht besser, die Nördlichen Löwen ebenso wie die Pumas an Zoos mit weitläufigen Anlagen zu vermitteln, wo sie artgerechter leben und effektiver zum Artenschutz beitragen können? Der Platz könnte genutzt werden, um sich durch eine Vernetzung mit ProSpecieRara neu zu positionieren. Heimische, vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen wie das Appenzeller Spitzhaubenhuhn, die Kupferhalsziege oder das Wollschwein würden im Plättli Zoo nicht nur ideale Bedingungen vorfinden, sondern den Besuchern auch einen direkten, pädagogisch wertvollen Zugang zur Biodiversität vor der eigenen Haustür bieten.
Ich denke, dass gerade Privatzoos von den exotisch anmutenden seltenen Nutztierrassen profitieren könnten. Die meisten dieser Tiere sind ausgesprochen robust und perfekt an die klimatischen Bedingungen der Schweiz angepasst. Auch unter den Rindern gibt es viele alte Landrassen, die sich im Plättli Zoo mühelos halten ließen. Ein solcher Wechsel wäre nicht nur konsequent für das Tierwohl, sondern würde auch den bildungspolitischen Auftrag, den moderne Zoos heute haben, ernst nehmen. Der Anblick von Großkatzen, die in begrenzten Gehegen ihre natürlichen Verhaltensweisen kaum ausleben können, vermittelt Besuchern – und vor allem Kindern – kein zeitgemäßes Verständnis von Respekt vor der Natur, sondern bedient eher veraltete Schauwerte.
Heimische, vom Verschwinden bedrohte Nutztierrassen hingegen bieten Geschichte zum Anfassen und ermöglichen eine authentische Begegnung mit unserem eigenen Artenreichtum. Statt exotischer Statussymbole würde der Zoo so echtes Wissen über ökologische Zusammenhänge und den Wert regionaler Artenvielfalt vermitteln – eine Lektion, die nachhaltiger wirkt und wertvoller ist als der kurze Blick auf einen dösenden Löwen hinter Glas und/oder Gittern.
Exkurs: Berberlöwen
Vielleicht wunderst du dich darüber, dass der Plättli Zoo nicht mehr mit seinen Berberlöwen wirbt? Nun, die moderne Wissenschaft hat den Mythos einer eigenständigen Unterart entzaubert. Neueste DNA-Analysen belegen, dass der einst als »Berberlöwe« gefeierte König der Tiere genetisch keineswegs isoliert steht. Er gehört vielmehr zur großen Gruppe der Nördlichen Löwen. Sein korrekter wissenschaftlicher Name lautet deshalb nun schlicht Panthera leo leo. Damit teilt er sich denselben Stammbaum wie seine Verwandten in Westafrika und Indien. Der alte Name beschreibt heute lediglich noch den optischen Typus mit der beeindruckenden dunklen Mähne, markiert aber keine biologische Trennlinie mehr.
Schlemmen mit Aussicht
Nach der Runde meldet sich mein Magen. Das Restaurant Plättli liegt direkt auf dem Gelände und bietet eine solide gutbürgerliche Küche. Doch das Winterwetter lädt mich nicht gerade dazu ein, mich auf die Terrasse zu setzen. Drinnen ist es mir zu voll. Also suche ich mir ein ruhiges Plätzchen auf einer Bank und genieße meine mitgebrachten Gipfeli und heißen Kaffee aus der Thermoskanne. Mein Blick schweift weit über das Thurtal, während ich mich stärke. Nebenan toben Kinder auf dem großzügigen Spielplatz. Wer lieber selbst brutzelt, findet im Plättli Zoo sogar eine Grillstelle. Diese Kombination aus Tiererlebnis und Gastfreundschaft macht den Ort zum perfekten Sonntagsziel für Familien.
Öffnungszeiten im Restaurant Plättli:
- Montag bis Samstag von 9:00 bis 22:00 Uhr
- Sonntag von 9:00 bis 20:00 Uhr
- Feiertage von 9:00 bis 20:00 Uhr

Fakten für deinen Besuch
Der Zoo öffnet seine Tore an 365 Tagen im Jahr. Von März bis Oktober kannst du bis 18 Uhr bleiben, im Winter schließen die Pforten um 17 Uhr. Die Preise schonen das Portemonnaie: Erwachsene zahlen 16 Franken, Kinder zwischen vier und 15 Jahren sind mit acht Franken dabei. Du erreichst den Zoo bequem mit dem Stadtbus 803 ab Bahnhof Frauenfeld bis zur Endstation. Autofahrer finden kostenlose Parkplätze direkt vor der Tür.
Besucher-Logbuch:
- Standort: Plättli Zoo, Hertenstrassse 41, 8500 Frauenfeld TG.
- Netz: www.plaettli-zoo.ch
- Zeitfenster: November bis Februar von 9:00 bis 17:00 Uhr, März bis Oktober von 9:00 bis 18:00 Uhr.
- Eintritt: Erwachsene CHF 16,00 | Kinder (4 bis 15 Jahre) CHF 8,00.
- Mein letzter Besuch im Plättli Zoo: 1. Februar 2026.
Der Plättli Zoo bietet neben den klassischen Rabatten für IV–Bezüger, Senioren und Gruppen auch ein attraktives Jahresabonnement an. Es lohnt sich, vor dem Besuch einen Blick auf die Website zu werfen.

Sissis Resümee
Als ich den kurzen Weg zur Bushaltestelle einschlage, hallt das raue, heisere Rufen eines rolligen Pumaweibchens durch die Luft. Doch trotz dieses wilden Abschieds begleitet mich vor allem das Bild der kontaktfreudigen Zwergziegen. Der Plättli Zoo, von den Einheimischen liebevoll »das Plättli« genannt, ist ein schönes Beispiel dafür, dass Größe nicht alles ist. Der kleine Familienzoo punktet mit Charme, Übersichtlichkeit und direkten Begegnungen. Ich habe während meines Zoobummels nicht nur Tiere beobachtet, sondern auch einen Ort der Ruhe gefunden.
Während dieser Besuch meine inneren Reserven wieder aufgeladen hat, hat meine Technik leider kapituliert. Kurz nach Beginn meines Rundgangs verabschiedete sich der Akku meiner Kamera, sodass mir nur eine Handvoll Schnappschüsse mit dem Handy als Erinnerung bleiben. Doch die Mischung aus wilder Exotik und Thurgauer Bodenständigkeit wirkt auch ohne Hunderte Fotos nach.
Ich werde gern wiederkommen, vielleicht im Frühsommer. Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen mit all den hübschen Vögeln und den schnuckeligen Trampeltieren und hoffe insgeheim, dann auch alte Nutztierrassen anzutreffen – es wäre eine wunderbare Ergänzung, wenn diese hier einziehen würden. Fahr doch auch mal hoch zum Herten. Nimm dir Zeit und genieße den direkten Kontakt zur Natur. Es sind oft die kleinen Abenteuer vor der Haustür, die am längsten nachwirken.
Wir sehen uns im Plättli Zoo!
XOXO
Sissi
[Redaktioneller Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig aktualisiert und ergänzt. Letztes Update: 22. Februar 2026. Fotos: Sissi St. Croix.]