An Bord der T-One-One
Der raue Charme des Atlantiks. Die Gischt im Gesicht, Salz auf den Lippen. Ein Boot, das lebt – das ist Segeln auf der T-One-One, der Königin der Meere. Begleite mich auf einen Törn, der alles verändert hat!
Manche Boote sind einfach nur Boote. Und manche sind Legenden. Die T-One-One gehört definitiv zur zweiten Kategorie. Als ich die Chance bekam, auf ihr zu segeln – der legendären IMOCA-Siegerin des ersten Vendée Globe im Jahre 1989/90 – wusste ich, dass dies kein gewöhnlicher Törn werden würde. Ich, mit einer Vorliebe für alles, was mit Wassersport zu tun hat, konnte mein Glück kaum fassen. Dieser Trip sollte mehr sein als nur ein Segelausflug: Für mich war es die Begegnung mit einem Mythos.
Ein Boot, das die härtesten Stürme der Welt gemeistert hat, das monatelang gegen die Elemente kämpfte, gesteuert von einem Einzelkämpfer, der nur sich selbst und seinen Mut hatte. Die T-One-One ist keine Yacht für den gemütlichen Wochenendausflug. Sie ist ein reinrassiger Rennbolide, gebaut für Geschwindigkeit und Belastbarkeit, ein Meisterwerk des Bootsbaus. Schon beim ersten Anblick im Hafen von Les Sables-d’Olonne spürte ich diese einzigartige Aura – die Summe unzähliger Seemeilen, eisiger Nächte und dramatischer Manöver. Ihr schlanker weißer Rumpf glänzte in der Sonne, bereit für neue Abenteuer.
Raus auf den Atlantik
Vom Hafen auf den »großen Teich«
Wir starteten in Les Sables-d’Olonne, einem Hafen, der Segelgeschichte atmet. Das Wetter war typisch atlantisch: ein strammer Wind aus Nordwest, der die Wellen bereits ordentlich aufschaukelte. Kein Vergleich zur Nordsee oder gar zu meiner »sanften Badewanne«, dem Bodensee. Nach einer kurzen, aber intensiven Einweisung durch die erfahrene Crew unter der Leitung von Skipper Aurélien Esnault – professionelle Segler, die selbst an Hochseeregatten teilnehmen – hieß es endlich: Leinen los!
Das Ablegen mit einem Hochleistungssegler wie der T-One-One ist schon ein Erlebnis für sich. Jeder Handgriff sitzt, jede Leine wird präzise bedient. Und dann erlebte ich es erneut, dieses unfassbare Glücksgefühl, das mich schon beim Betreten der T-One-One überkommen hatte: Ich durfte die T-One-One aus dem Hafen steuern! Es war, als ob das Meer und der Wind sich verschworen hätten, um mir diesen perfekten Moment zu schenken.
Dann war es so weit – der Motor verstummte und nur das Rauschen des Windes in den Segeln und das Glucksen des Wassers am Rumpf waren zu hören. Wir setzten das Großsegel und die Fock und schon begann die T-One-One, Fahrt aufzunehmen.



Am Steuerrad
Eins mit dem Meer
Der Höhepunkt des Segelausfluges war für mich war zweifellos der Moment, als ich das Steuer übernehmen durfte. Das hölzerne Steuerrad lag schwer und vertrauensvoll in meiner Hand. Die T-One-One reagierte sofort auf mich. Jeder kleinste Druck, jede Bewegung meiner Handflächen übertrug sich direkt auf den Kurs des Bootes. Es war, als würde ich einen lebendigen Organismus steuern, der meine »Befehle« sofort umsetzte.
Der Wind blies mir ins Gesicht, salzig und kühl. Die Gischt spritzte über das Deck und ich spürte die Kraft des Atlantiks unter mir. Das Boot tanzte auf den Wellen, mal sank der Bug tief ein, dann hob er sich wieder, um sich sogleich wieder tief in die nächste Welle zu bohren. Ich sah die Wellen des Atlantischen Ozeans an mir vorüberziehen, das unendlich weite Blau, das sich mit dem Horizont vereinte.
In diesem Moment verschmolzen meine Sinne mit dem Erlebnis. Ich spürte die Vibrationen des Rumpfes, das Knarren des Riggs, das Klatschen der Wellen. Es war ein Zustand höchster Konzentration und zugleich völliger Freiheit und Entspannung. Ein Geisteszustand, der weder durch Yoga noch Meditation zu erreichen ist.
Es war nicht allein das Steuern eines Bootes – für mich war es vielmehr ein Dialog mit dem Ozean. Ich war nicht nur Passagier an Bord der T-One-One, ich war Teil dieses atemberaubenden Spektakels, das wir Atlantik nennen. Das Gefühl, diese sportliche Lady, die schon so viele Stürme und Herausforderungen gemeistert hat, mit den eigenen Händen über die Wellen zu lenken, ist unbeschreiblich. Es war ein Hochgefühl, das sich nur schwer in Worte fassen lässt – eine Mischung aus Ehrfurcht, Respekt und purer Freude.



Das Leben an Bord
Minimalistisch und intensiv
Auch wenn wir nur wenige Stunden gesegelt sind, wurde mir eines schnell klar: Das Leben an Bord der T-One-One ist, wie man es von einem Regattaboot erwartet – minimalistisch. Komfort ist hier zweitrangig, Effizienz und Leistung stehen im Vordergrund.
Auch unter Deck ist eine IMOCA-Rennyacht wie die T-One-One spartanisch eingerichtet, da Gewichtsersparnis oberste Priorität hat. Es gibt keine elegante Innenausstattung aus Edelholz, kuschelige Wohn- und Schlafräume oder gar eine mit technischem Schnickschnack eingerichtete Küche. Stattdessen stehen Funktionen für den Segelbetrieb und die Navigation im Vordergrund.
Segel, Ausrüstung und Navigationsinstrumente sind übersichtlich untergebracht, alles hat seinen festen Platz. Die »Küche« ist eher eine kleine, den Bewegungen des Bootes folgende Pantry, die allerdings bei Chartertouren nicht an Bord ist. Der Fokus liegt auf Funktionalität, nicht auf Luxus. Aber genau das macht den Reiz aus. Du konzentrierst dich auf das Wesentliche: das Segeln, die Natur, das Miteinander der Crew. Oder aber auf dich selbst und das Meer. Denn da ein IMOCA-Boot ursprünglich für den Einhand- oder Zweihandbetrieb konzipiert ist, wird diese Bootsform normalerweise auf Einhandregatten eingesetzt (Single-handed sailing).
Mehr als ein Mal habe ich mir unterwegs ausgemalt, wie es wohl sein mag, an der Vendée Globe, einer Non-stop-Regatta für Einhandsegler, teilzunehmen, die zu Recht als härteste Einhandregatta der Welt gilt. Wochen und Monate allein auf See, 45.000 Kilometer bzw. 24.300 Meilen rund um den Globus.
Soweit zumindest die Theorie. In der Praxis haben die meisten Skipper während der bisherigen neun Ausgaben der Vendée Globe sogar mehr als 52.000 Kilometer oder fast 28.000 Meilen zurückgelegt. Denn die Einhandsegler kämpfen nicht nur mit der Einsamkeit, sondern auch mit Wind, Wellen und Eis. Der Kurs der Boote ist daher stets eine sich ständig ändernde Abfolge von wilden Zickzacklinien, Umwegen und Kurswechseln.
Und das alles allein, unter spartanischen Bedingungen. Wie sich das wohl anfühlt?



Die richtige Ausrüstung
Wer auf einem Segelboot wie der T-One-One unterwegs ist, braucht die richtige Ausrüstung. Hier geht es nicht um Mode, sondern um Funktionalität und Schutz.
- Wasserdichte Segelbekleidung: Eine hochwertige Segeljacke und -hose sind absolut unerlässlich. Sie müssen wind- und wasserdicht sein und zugleich atmungsaktiv, um dich vor Kälte, Wind und Gischt zu schützen. Renommierte Marken wie Helly Hansen, Gill oder Musto bieten hier exzellente Qualität. Rechne mit Preisen zwischen EUR 400 und EUR 1.000 für ein gutes Set.
- Thermounterwäsche: Auch bei milderen Temperaturen kühlt es auf See schnell aus. Merinowolle oder synthetische Funktionsunterwäsche sind ideal, um die Körpertemperatur zu regulieren. Kostenpunkt: EUR 50 bis EUR 150 pro Stück.
- Segelhandschuhe: Sie schützen deine Hände vor Blasen und geben dir besseren Halt an Leinen und Schoten. Die Preise liegen hier bei EUR 20 bis EUR 70.
- Stiefel: Rutschfeste und wasserdichte Segelstiefel sind ein Muss, um auf dem nassen Deck sicheren Halt zu haben. Qualitätsprodukte kosten zwischen EUR 100 und EUR 300.
- Mütze und Sonnenbrille: Zum Schutz vor Sonne und Wind sind eine wärmende Mütze und eine gute Sonnenbrille mit UV-Schutz unverzichtbar. Sportbrillenband nicht vergessen!
- Rettungsweste: Wird in der Regel vom Veranstalter oder Verleiher gestellt, aber es schadet nie, sich über die Sicherheitsausstattung zu informieren.
Investiere in gute Qualität, denn deine Kleidung ist deine erste Verteidigungslinie gegen die Elemente. Wir hatten das Glück, von Skipper Aurélien und seiner Crew mit hochwertigen Segeljacken und Rettungswesten ausgestattet worden zu sein. Die Jacke war so kuschelig und leichtgewichtig zugleich, dass ich sie am liebsten nie wieder ausgezogen hätte. Urdsbequem. Und für die Fashionistas unter unseren Lesern: Schick war sie auch!
Für einen Törn auf der T-One-One musst du dir also nicht unbedingt eine eigene Segelausrüstung anschaffen. Rutschfeste Schuhe mit heller Sohle sind allerdings ein Muss. Ebenso wie ein Brillenband für deine Sonnenbrille, sonst kann es sehr schnell sehr teuer werden … Wer auf sein Handy nicht verzichten kann oder will, sollte darüber hinaus auch eine wasserfeste Hülle besorgen und das Gerät an der Kleidung fixieren, damit es nicht über Bord geht. Hier haben sich Karabiner bestens bewährt.
Was gibt es sonst noch zu wissen?
Als Wassersportler bist du vermutlich bestens damit vertraut, dass du eine wasserfeste, korallenfreundliche Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor und einen Sonnenschutz für den Kopf (Hut oder Mütze) brauchst. Vermeide Schmuck mit Anhängern und Ringe und binde lange Haare »sturmsicher« zusammen. Last but not least, sollte auch eine unzerbrechliche Trinkflasche mit stillem Wasser oder Kräutertee nicht fehlen.
Exkurs: Vendée Globe
Die Vendée Globe Challenge 1989/90 war die allererste Ausgabe der Vendée Globe um die Welt. Am 26. November 1989 starteten dreizehn Boote von Les Sables-d’Olonne aus in dieses wagemutige Abenteuer. Sieben von ihnen schafften es bis ins Ziel.
Als Sieger ging Titouan Lamazou hervor, der am 15. März 1990 mit der Ecureuil-d’Aquitaine II (heute: T-One-One) nach 109 Tagen, 8 Stunden, 48 Minuten und 50 Sekunden die Ziellinie überquerte. Mit dieser Zeit setzte er einen beeindruckenden ersten Rekord, der bis zur Ausgabe 1996/97 Bestand hatte.
Diese Weltumsegelung lässt die Seglerinnen und Segler tief in die Geheimnisse der Ozeane eintauchen. Das Abenteuer beginnt im Herbst in Les Sables d’Olonne, von wo aus sie südwärts den Atlantik kreuzen, den Indischen Ozean durchqueren und sich den Herausforderungen des Pazifiks stellen, bevor sie den Atlantik wieder nordwärts befahren. Von dort aus steuern sie mitten im südlichen Sommer das Herz der Südsee an, um schließlich im Winter in die Vendée zurückzukehren.
Kurz: Eine faszinierende Reise, die durch die unterschiedlichsten Klimazonen führt und die Skipper die immense Kraft und Schönheit unseres Planeten auf einzigartige Weise erleben lässt.
Die aktuelle Rekordzeit liegt bei 64 Tagen, 19 Stunden, 22 Minuten und 49 Sekunden und wurde bei der letzten Ausgabe der Vendée Globe 2024/25 von Charlie Dalin auf der MACIF Santé Prévoyance erzielt. Meine persönliche neue Heldin ist allerdings die Genferin Justine Mettraux: Bei ihrer ersten Vendée Globe 2024/25 segelte sie nach 76 Tagen mit der Yoroshiku als erste Frau ins Ziel, unterbot damit die Bestzeit unter den Frauen um mehr als elf Tage und landete auf einem ehrenvollen 8. Platz.
Zur Vendée Globe …
Was kostet das Abenteuer?
Ein Törn auf einem so besonderen Segelboot wie der T-One-One ist natürlich kein Schnäppchen. Die Preise variieren stark je nach Dauer, Route und dem Grad der Exklusivität. Für einen mehrtägigen Törn auf einem ehemaligen Vendée-Globe-Boot musst du mit Kosten rechnen, die im gehobenen Segment liegen.
Ein drei- bis fünftägiger Törn auf einem vergleichbaren High-Performance-Rennsegler kann pro Person locker zwischen EUR 2.500 und EUR 5.000 kosten. Darin enthalten sind in der Regel die Schiffsmiete, eine professionelle Crew, Verpflegung an Bord und Treibstoffkosten. Exklusive Routen oder längere Trips können auch deutlich höhere Preise erreichen. Es lohnt sich daher immer, direkt bei spezialisierten Anbietern oder Agenturen anzufragen, die solche Erlebnisse vermitteln.
Und nein, ich bin leider nicht plötzlich unter die Millionäre gegangen. Wenn du so wie ich einfach mal in das Segeln auf einer IMOCA wie der T-One-One hineinschnuppern und ein einzigartiges Segelabenteuer erleben möchtest, kannst du zum Glück auch wesentlich kostengünstiger in diesen Genuss kommen:
Angebote
Halbtagesausflug mit der T-One-One
Dauer: etwa 3,5 Stunden
- Segle auf dem Gewinnerschiff des 1. Vendée Globe.
- Nimm das Steuer in die Hand und beteilige dich an den Segelmanövern auf einem IMOCA der 1. Generation.
- Fahre den legendären Kanal von Les Sables-d’Olonne entlang und überquere die Ziellinie des Vendée Globe.
- Verfügbar vom 15. April bis November.
- Zugänglich für alle ab acht Jahren.
- Gute Mobilität wird empfohlen – du solltest in der Lage sein, Treppen zu steigen und dich zu bücken, da das Boot eng ist.
- Schwimmweste, Segeljacke und Latzhose werden gestellt.
- Mahlzeiten werden an Bord serviert.
- Kosten: EUR 149 pro Person in der Hochsaison. Kinder segeln günstiger.
Ganztagesausflug mit der T-One-One
Dauer: etwa 6 Stunden
- Genieße einen ganzen Tag auf See vor den Inseln Île de Ré oder Île d’Yeu, begleitet von einem erfahrenen Skipper.
- Fahre den legendären Kanal des Vendée Globe entlang und überquere die Ziellinie.
- Verfügbar vom 15. April bis November.
- Zugänglich für alle ab zwölf Jahren.
- Gute Mobilität wird empfohlen – du solltest in der Lage sein, Treppen zu steigen und dich zu bücken, da das Boot eng ist.
- Schwimmweste, Segeljacke und Latzhose werden gestellt.
- Mahlzeiten werden an Bord serviert.
- Kosten: EUR 249 pro Person in der Hochsaison. Kinder segeln günstiger.
Besichtigungen am Kai
- Besichtige die legendäre T-One-One in Begleitung eines passionierten Freiwilligen.
- Jeden ersten Sonntag im Monat von März bis November von 14:00 bis 17:00 Uhr.
- Jeden Montagmorgen im Juli und August von 9:00 bis 12:00 Uhr.
Informationen und Buchung
Besuche www.lessablesdolonne.fr für weitere Informationen und zur Buchung oder rufe das Tourismusbüro von Les Sables-d’Olonne unter +33.02.51.96.85.85 an.
Einschiffung
Ponton Vendée Globe
Port Olona
85100 Les Sables-d’Olonne
Sissis Resümee
Mein Törn mit der T-One-One war eine intensive Erfahrung, die mich zutiefst berührt hat. Das Gefühl, am Steuer eines solchen Schiffes zu stehen und in die Fußstapfen von Titouan Lamazou zu treten, war unbeschreiblich – eine Mischung aus Demut vor der Kraft der Natur und dem Stolz und der Freude, Teil dieses unglaublichen Bootes und seiner sympathischen Crew zu sein.
Es war eine Lektion in Teamwork, in Ausdauer und im Respekt vor den Elementen. Hey, so ein Segelboot in Schieflage (Krängung) ist wirklich ganz schön schief! Und es war eine Bestätigung, dass die wahre Schönheit des Segelns nicht nur in der Geschwindigkeit oder der Technik liegt, sondern im Einklang mit der Natur und dem unbändigen Gefühl von Freiheit. Wenn du die Chance bekommst, ein solches Abenteuer zu erleben, dann zögere keine Sekunde! Du wirst es nicht bereuen.
Die Zeit an Bord der T-One-One verflog viel zu schnell. Wäre ich jünger und alleinstehend, hätte ich keine Sekunde gezögert und mich als Crew-Praktikantin für den restlichen Sommer beworben. Da dies in der derzeitigen Phase meines Lebens nicht möglich ist, liebäugele ich nun ernsthaft damit, im kommenden Jahr meinen Segelschein auf dem Bodensee zu machen. Doch die T-One-One werde ich nie vergessen …
Hast du schon einmal davon geträumt, selbst am Steuer einer solchen Legende zu stehen?
Wir sehen uns auf dem Atlantik!
XOXO
Sissi
[Redaktioneller Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig aktualisiert und ergänzt. Artikelbild: Wir verlassen den Hafen von Les Sables-d’Olonne. Fotos kuratiert von Christina Fryer, alle Rechte vorbehalten. Schnappschuss von der T-One-One am Ponton Vendée Globe: Sissi St. Croix, aufgenommen mit dem Apple iPhone 13 Pro Max.]