Blick auf das vom Naturschutzbund freigekaufte Feuchtgebiet in der Schleinitzbachniederung in Niederösterreich

55 Jahre Weltfeuchtgebietstag

Ich liebe den Geruch von feuchtem Moos und das leise Glucksen, wenn Wasser sich seinen Weg durch unberührte Landschaften bahnt. Genau diese sinnlichen Eindrücke feiern wir heute. Denn am heutigen Tag begehen wir ein besonderes Jubiläum: Die Ramsar-Konvention wird stolze 55 Jahre alt. Was im Jahr 1971 im iranischen Ramsar als erstes internationales Übereinkommen zum Schutz von Feuchtgebieten begann, legte den Grundstein für den globalen Schutz dieser wertvollen Lebensräume. Seit 1997 markiert der 2. Februar weltweit den Weltfeuchtgebietstag. Es ist ein Tag, der uns daran erinnert, wie kostbar die nasse Wildnis für unseren Planeten und seine Bewohner ist.

Auch Österreich mischt in dieser globalen Allianz kräftig mit. Bereits 1983 trat die Alpenrepublik dem Abkommen bei und weist mittlerweile 26 Gebiete von internationaler Bedeutung aus. Jüngst ergänzten die Verantwortlichen diese Liste um die faszinierenden Moore im Steirischen Salzkammergut. Doch es geht nicht nur um abgelegene Naturreservate. Die niederösterreichische Stadtgemeinde Schrems schickt sich an, als erste Kommune im deutschsprachigen Raum den Titel einer »Ramsar Wetland City« zu erobern. Diese Entwicklung zeigt eindrücklich, dass der Schutz dieser Lebensräume direkt vor unserer Haustür stattfindet.

Das diesjährige Motto trifft dabei genau ins Schwarze: »Feuchtgebiete bewahren – unser gemeinsames kulturelles und natürliches Erbe«. Wir blicken auf Landschaften, die unsere Geschichte prägten und unsere Zukunft sichern. Denn diese Ökosysteme leisten Schwerstarbeit. Sie garantieren Wassersicherheit, schützen uns vor Hochwasser und unterstützen die nachhaltige Landwirtschaft. Vor allem aber dienen sie als unverzichtbare Puffer in der Klimakrise und bewahren eine atemberaubende Artenvielfalt.

Moore als Klimaschützer

Besonders spannend finde ich die Dynamik, die aktuell in den Moorschutz kommt. Schon in den 1990er-Jahren entwickelte Österreich eine nationale Strategie. Doch mit dem Projekt »LIFE AMooRe« zündet der Bund gemeinsam mit zehn Partnern nun den Turbo. Es handelt sich um das größte Moorschutzprojekt der Republik. Hier greifen Restaurierung, Wissenstransfer und Bewusstseinsbildung ineinander.

Das Ziel überzeugt mich durch seine Weitsicht. Die Beteiligten entwickeln gemeinsam mit den Menschen vor Ort Lösungen, die der gesamten Gesellschaft nutzen. Wir reden hier nicht von »Käseglockennaturschutz«. Es geht um lebendige Landschaften, die atmen und funktionieren. Diese Anstrengungen leisten zudem wichtige Vorarbeit für die kommende Wiederherstellungsverordnung der Europäischen Union.

Wenn Flüsse wieder fließen

Neben den stillen Mooren rücken auch unsere pulsierenden Flussadern in den Fokus. Der Naturschutzbund Österreich treibt hierzu den »Auen-Dialog« voran. In Arbeitskreisen und Pilotprojekten entstehen konkrete Pläne, wie wir heimische Auenlandschaften wiederbeleben. Gernot Neuwirth, Geschäftsführer des Naturschutzbundes Österreich, bringt es auf den Punkt:

»Auen sind nicht nur unglaublich artenreich, sie sind auch unverzichtbar für Biotopverbund und Klimaanpassung. Diese Ökosysteme flächendeckend in einen guten Zustand zu bringen, ist keine Option, sondern eine Verpflichtung – für den Schutz der Natur ebenso wie für Sicherheit und Lebensqualität der Menschen.«

Das Umweltministerium erarbeitet derzeit einen Wiederherstellungsplan für frei fließende Flüsse, den es demnächst der Öffentlichkeit präsentiert. Ein starkes Signal für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit setzten die Verantwortlichen zudem an der Mur. Eine im November zusammen mit Slowenien unterzeichnete Deklaration ebnet den Weg für umfassende Revitalisierungen an der Grenzmur. Flüsse kennen keine Schlagbäume und ihr Schutz darf es auch nicht tun.

Schleinitzbachniederung in Niederösterreich
Feuchtgebiet in der Schleinitzbachniederung | Foto: Thomas Horvath

Junge Wächter des Wassers

Am meisten begeistert mich jedoch der Blick auf die nächste Generation. Der Schutz unserer Gewässer braucht junge Herzen und Hände. Genau hier setzt das Projekt »Let’s Flow Together« an. Mit den »Aktionstagen für die Mur« binden die Initiatoren Kinder und Jugendliche aktiv in Schutz- und Pflegeinitiativen ein. Sie schaffen so eine langfristige Verbundenheit zur Natur, die kein Lehrbuch ersetzen kann.

Dieser Einsatz bleibt nicht unbemerkt. Im Jahr 2025 erhielt das Projekt den Neptun Staatspreis für Wasser in der Kategorie Wasserbildung. Wenn ich sehe, mit welchem Eifer junge Menschen sich für ihre blaue Heimat engagieren, blicke ich optimistisch in die Zukunft. Sie verstehen instinktiv, was wir Erwachsene oft vergessen: Wasser ist Leben.

Sissis Resümee

Ich nehme diesen Feiertag zum Anlass, meine eigenen Gummistiefel aus dem Keller zu holen. Die Schönheit eines intakten Feuchtgebietes erschließt sich dir erst, wenn du mittendrin stehst. Wenn der Nebel aufsteigt und die Stille nur vom Ruf eines Wasservogels unterbrochen wird, spürst du die Magie dieser Orte. Wir müssen sie bewahren, nicht nur als Kohlenstoffspeicher oder Hochwasserbremse, sondern als Orte der Seele.

Die Politik liefert mit Strategien und grenzüberschreitenden Abkommen den Rahmen. Doch die Faszination für diese nassen Welten tragen wir im Herzen. Ob im großen Stil bei »LIFE AMooRe« oder im Kleinen beim Spaziergang durch frostgeküsste Auenlandschaften – jeder Quadratmeter geschützte Natur zählt.

Feiere diesen Tag auf deine Weise! Besuch den nächsten Teich, einen Flusslauf oder eines der 26 Ramsar-Gebiete in Österreich. Atme tief ein. Und danke im Stillen diesen feuchten Helden unserer Landschaft, die uns Tag für Tag frisches Wasser und Sicherheit schenken.

Wir sehen uns im Feuchtgebiet!

XOXO

Sissi

[Quelle: Naturschutzbund und eigene Recherche. Artikelbild: Blick auf das vom Naturschutzbund freigekaufte Feuchtgebiet in der Schleinitzbachniederung in Niederösterreich, Foto kuratiert von Thomas Horvath.]